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Freimaurerei: 300-jährige Märchentante

01. Februar, 2017

Die Freimaurerei und ihr Umgang mit der Wahrheit

Bild: Edward Gibbon (1737–1794), britischer Historiker und Freimaurer, der auf die spätere, auch die deutsche Geschichtschreibung großen Einfluß hatte.

Im Verlaufe der nunmehr dreihundertjährigen Geschichte der Freimaurerei waren sich deren Vertreter nie zu schade, Geschichtsklitterung zu betreiben, wenn es darum ging, die von ihnen verhasste katholische Kirche zu bekritteln und zu verleumden. Auf das Konto der spanischen Inquisition seien 95 Millionen hingerichtete kritische Denker zu buchen, die in blutrünstig inszenierten Autodafés öffentlich verbrannt worden wären, behaupteten beispielsweise die „Aufklärer“ in ihren Geschichtswerken. In Wirklichkeit war diese Angabe eine reine Phantasiezahl. Die neuere Geschichtsforschung wies nach, dass die spanische Inquisition in den über 350 Jahren ihres Bestehens insgesamt etwa 1200 bis 2000 Todesurteile ausgesprochen hat.1 2

Der Freimaurer Edward Gibbon und andere namhafte Vertreter der Aufklärung prägten ein neues Geschichtsbild: Das Christentum habe zu einer Epoche des Aberglaubens und zur Herrschaft der Kreuzzügler, Inquisitoren und heuchlerischen Puritaner geführt, die Freiheit und Lebensfreude aus dem Leben verbannt habe. „Jeder vernünftige Mensch, jeder anständige Mensch muss die christliche Sekte verabscheuen“, schrieb Voltaire. Die hohen ethischen Grundsätze der abendländischen Zivilisation seien mitnichten dem christlichen Glauben zu verdanken, sondern würden in den klassischen Idealen der griechischen und römischen Antike wurzeln, zu deren Wiederherstellung die „Aufklärung“ berufen sei.

Vor kurzem ließ ein bemerkenswerter Artikel eines international renommierten englischen Historikers aufhorchen, der sich mit dieser Thematik beschäftigt.3 In seinen Ausführungen erklärt Tom Holland, wie er selbst sich lange Zeit mit der gängigen Geschichtsdeutung der „Aufklärung“ identifizierte und für die antiken Reiche schwärmte. Je mehr er sich indes in das Studium der klassischen Antike vertiefte, desto besorgniserregender wurde sie ihm: „Die Werte des Leonidas, die die Menschen dazu brachte, eine besonders kriminelle Form der Eugenik zu praktizieren und ihre Kinder zu erziehen, bei Nacht zu töten, waren nicht meine Werte. Ebensowenig waren es die Werte Cäsars, der dafür bekannt ist, eine Million Gallier getötet und noch viel mehr Menschen unterjocht zu haben. Es war für mich schockierend, ein so extremes Ausmaß mangelnder Sensibilität festzustellen. Ebenso, dass es in der klassischen Zivilisation völlig fehlte, der Armut und der Schwachheit einen inneren Wert zuzusprechen. So erschien mir die zentrale Überzeugung der Aufklärung, dass wir dem christlichen Glauben nichts verdanken, immer haltloser.

Tom Holland macht die interessante Feststellung, dass auch in unserer postchristlichen Zeit die westlichen Länder den „Stempel“ bewahren, der ihnen durch das 2000-jährige Christentum eingeprägt wurde. „Das ist der Hauptgrund, weshalb im Prinzip der Großteil von uns Angehörigen der nachchristlichen Gesellschaft es noch immer für selbstverständlich erachtet, dass es edler ist, zu leiden, als Leiden zuzufügen. Dank dem Christentum gilt noch immer weitgehend, dass jedes Menschenleben den gleichen Wert und die gleiche Würde hat. Mit Blick auf meine Ethik und meine Moral habe ich gelernt, dass ich weder griechisch noch römisch geprägt bin, sondern durch und durch christlich und, dass ich stolz darauf bin.“

Tom Hollands Artikel hat das Verdienst, einen der hässlichsten freimaurerischen Mythen zu entlarven, der seit dreihundert Jahren mehr oder weniger kritiklos tradiert wird, und so den Blick auf die abendländische Geschichte geradezurücken. Was wir an Großem und Hehrem in unserer Zivilisation bewundern, hat nicht die Aufklärung oder die Französische Revolution hervorgebracht, sondern jene Revolution der Heiligkeit und wahren Humanität, die Unser Heiland in der Welt entfacht und seine Kirche zu allen Völkern getragen hat.

Aus dem Mittelingsblatt Februar 2017

  • 1. Conrad Zander, Kurzgefasste Verteidigung der Heiligen Inquisition, Gütersloher Verlagshaus, 2007, S. 87-95.
  • 2. Es wurde nur dann ein öffentlicher Häretiker zum Tod verurteilt, wenn er trotz wiederholter Mahnungen sich hartnäckig weigerte zu widerrufen. Die meisten verurteilten Häretiker wurden zudem angesichts des Todes von Reue erfasst und legten eine Beichte ab. Öffentlich verbrannt wurden in einem Autodafé nur Strohpuppen, die Verurteilten selbst wurden vom weltlichen Arm unter Ausschluss der Öffentlichkeit erdrosselt. Es war in erster Linie der spanische Staat, der auf strenge Bestrafung der unbußfertigen Häretiker bedacht war. Häresie galt als schweres Verbrechen, das das ewige Heil der Menschen bedrohe, den Frieden im Staat gefährde und zu Glaubenskriegen führen könne. Unter Strafe stand übrigens die öffentliche Häresie, nicht aber die private.
  • 3. 2 Unter www.katholischen.info: Tom Holland: Warum ich mich über das Christentum geirrt habe, sind Auszüge des Artikels in deutscher Übersetzung publiziert.