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47. Sind die nichtkatholischen christlichen Bekenntnisse Teilverwirklichungen der ...

16. Mai, 2018

100 Fragen zur aktuellen Lage der Kirche

Die von der katholischen Kirche getrennten christlichen Konfessionen sind Abspaltungen von der wahren Kirche Christi und gehören nicht zu ihr. Mögen sie auch einzelne christliche Wahrheiten und unter Umständen die gültige Taufe bewahrt haben, so sind sie doch getrennt vom mystischen Leib Christi. Wer darum, nachdem er erkannt hat, daß die katholische Kirche die einzig wahre Kirche ist, nicht in diese eintritt, sondern in einer schismatischen oder häretischen Gemeinschaft verbleibt, kann nicht gerettet werden.

Papst Pius XII. lehrt in Mystici corporis, daß drei Elemente notwendig sind, um zur wahren Kirche Christi zu gehören, nämlich die Taufe, der wahre Glaube und die Unterwerfung unter die rechtmäßige Autorität: «Den Gliedern der Kirche sind in Wahrheit nur jene zuzuzählen, die das Bad der Wiedergeburt empfingen, sich zum wahren Glauben bekennen und sich weder selbst zu ihrem Unsegen vom Zusammenhang des Leibes getrennt haben noch wegen schwerer Verstöße durch die rechtmäßige kirchliche Obrigkeit davon ausgeschlossen worden sind.»[121] Darum stellen selbst die schismatischen Ostkirchen, obwohl sie die Sakramente besitzen und in den Glaubensartikeln in den meisten Punkten mit der katholischen Kirche übereinstimmen, nicht die wahre Kirche Christi dar, denn sie weigern sich, den Primat und die Unfehlbarkeit des Nachfolgers Petri anzuerkennen. Nach dem Wort Christi in Mt 18,17 ist jeder, der sich weigert, die Kirche zu hören, wie ein Heide und öffentlicher Sünder zu betrachten.

Noch weniger sind die häretischen Gemeinschaften wie die Protestanten als zur Kirche Christi gehörig zu betrachten, denn sie weichen in vielen Punkten vom wahren Glauben ab. Es ist daher unverständlich, wie die gemischte katholisch-lutherische Kommission, die 1983 im württembergischen Kloster Kirchberg tagte, feststellen konnte: «Man fängt an, ihn (Luther) als einen Zeugen des Evangeliums anzuerkennen, als einen Meister im Glauben und als einen Helden der geistlichen Erneuerung.»[122] Was im Protestantismus an Wahrem und Guten zu finden ist, das gehört rechtmäßig der katholischen Kirche an, wie es sogar im Ökumenismusdekret Nr. 3 nachträglich auf Weisung des Papstes eingefügt wurde. Es versteht sich von selbst, daß die liberalen Theologen darüber nicht glücklich waren. Rahner und Vorgrimler kommentieren dies folgendermaßen: «Daß diese Güter ‚rechtens’ (iure) der Kirche Christi gehören, ist eine jener 19 päpstlichen Änderungen, die im November 1964 nachträglich in den Text eingefügt wurden, über den schon abgestimmt war, und die wegen ihrer Ängstlichkeit einen ungünstigeren Eindruck machen als sachlich von ihrem Lehrgehalt her gerechtfertigt ist. (Hier wird nur auf jene Änderungen hingewiesen, durch die sich nichtkatholische Christen besonders gekränkt fühlten).»[123]

Es ist daher eine Ungeheuerlichkeit und gehört zu den vielen Widersprüchlichkeiten in den Konzilstexten, wenn es dann in Nr. 3 trotzdem heißt: «Der Geist Christi hat sich gewürdigt, sie (die getrennten Kirchen und Gemeinschaften; Anm. des Verf.) als Mittel des Heils zu gebrauchen.»124 Die getrennten Gemeinschaften sind niemals Mittel des Heils. Wenn die Mitglieder dieser Gemeinschaften in der Gnade sind, dann nur, weil sie es nicht besser wissen und darum schuldlos an ihrer Trennung vom Leib der Kirche sind. Nach katholischer Lehre können diese Nichtkatholiken zur Seele der wahren Kirche gehören. Hier handelt es sich aber immer nur um einzelne, die nichtkatholischen Konfessionen als solche sind nicht gottgewollt. Sie führen nicht zur wahren Kirche hin, sondern von ihr weg.

Nach der Erklärung der Glaubenskongregation von 10. Juli 2007 soll das subsistit in zum Ausdruck bringen, daß die Kirche Christi in den von Rom getrennten Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften «gegenwärtig und wirksam ist». Es bringe «klarer zum Ausdruck, daß außerhalb ihres [der katholischen Kirche] Gefüges ‚vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit’ zu finden sind.» Nun haben ja tatsächlich die protestantischen Gemeinschaften normalerweise eine gültige Taufe und die schismatischen Ostkirchen können grundsätzlich alle Sakramente gültig spenden. Die traditionelle Theologie hat aber immer gelehrt, daß die Sakramente der schismatischen und häretischen Gemeinschaften unfruchtbar sind, d. h. keine Gnade vermitteln, selbst wenn sie gültig gespendet werden. Nur wenn die Mitglieder dieser Gemeinschaften sich der Sündhaftigkeit der Trennung nicht bewußt, also «bona fide» sind, empfangen sie die Sakramente trotzdem fruchtbar. Das Hauptproblem besteht darin, daß man mit dem subsitit in den getrennten Gemeinschaften als solchen eine Zugehörigkeit zur Kirche Christi zuerkennen will. Diese Gemeinschaften können aber als von der katholischen Kirche getrennte nicht heilbringend und Kirche Christi sein.

[121] HK 769.
[122] DC 13, 2.7.1983. S. 694.
[123] KK 220.
[124] KK 233.

Quelle: Katechismus zur kichlichen Krise, Pater Matthias Gaudron, Sarto-Verlag, 2017, 4. Auflage