FSSPX Nachrichten & Veranstaltungen

Alta Vendita: Ein Abriß

11. November, 2017

Ein freimaurerischer Plan für den Umsturz in der katholischen Kirche
 

Unser Ziel ist jenes von Voltaire und der Französischen Revolution: Die vollkommene Vernichtung des Katholizismus und selbst der christlichen Idee."

aus: Die Ständige Anweisung der Alta Vendita

Wenige Katholiken kennen Die Ständige Anweisung der Alta Vendita,[1] ein im frühen 19. Jahrhundert geschriebenes Geheimdokument, das einen Plan für die Unterwanderung der katholischen Kirche entwarf. Die Alta Vendita war die höchste Loge der Carbonari, einer italienischen Geheimgesellschaft mit Verbindungen zur Freimaurerei, die, mit der Freimaurerei, von der katholischen Kirche verurteilt wurde.[2] P. E. Cahill S. J. stellt in seinem Buch Freemasonry and the Anti-Christian Movement (Die Freimaurerei und die antichristliche Bewegung) fest, daß die Alta Vendita »zu dieser Zeit allgemein für das führende Zentrum der europäischen Freimaurerei gehalten wurde.«[3] Die Carbonari waren hauptsächlich in Italien und Frankreich tätig.

In seinem Buch Athanasius und die Kirche unserer Zeit zitiert Bischof Graber einen Freimaurer, der erklärte: »Nicht mehr die Vernichtung der Kirche ist das Ziel [der Freimaurer], sondern man sucht sie zu benützen, indem man in sie eindringt.«[4]

Mit anderen Worten: Da die Freimaurerei die Kirche Christi nicht vollkommen auslöschen kann, plant sie, nicht nur den Einfluß des Katholizismus in der Gesellschaft auszumerzen, sondern auch die Struktur der Kirche als ein Instrument der »Erneuerung«, des »Fortschritts« und der »Aufklärung« zu benützen, um viele ihrer eigenen Prinzipien und Ziele zu fördern.

[1] Anm. d. Übersetzers: Alta Vendita (Betonung auf dem „i“) ist eine nicht mehr gebräuchliche Form des italienischen alta vendetta, was soviel heißt wie „edelmütige“ oder „vornehme Rache“. José Maria Kardinal Caro, der ehemalige Erzbischof von Santiago de Chile, schreibt Alta Vendetta: Cf. José Maria Cardenal Caro, The Mystery of Freemasonry Unveiled (Christian Book Club of America, Palmdale, California 1992), S. 221. Bischof Dr. Rudolf Graber zitiert in Fußnote 64 seines Buches Athanasius und die Kirche unserer Zeit (J. Kral, Abensberg 1996) den vollständigen Titel der Ständigen Anweisung: „Istruzione permanente, Codice e quida pratica dei Preposti all'alta massoneria“ (Ständige Anweisung, Kodex und praktischer Führer der Vorgesetzten der hohen Maurerei) und eine Übersetzung der wichtigsten Textstellen (die hier Verwendung findet) aus: G. M. Pachtler, Der stille Krieg gegen Thron und Altar oder das Negative der Freimaurerei, nach Dokumenten (Amberg 1876), SS. 83-84; 87; 91f.; 92; 94f.

[2] Cf. Kirchliches Hand-Lexikon (Leo-Gesellschaft, Wien 1907), SS. 842; 1537-1538.

[3] Rev. E. Cahill, S.J., Freemasonry and the Anti-Christian Movement (Dublin: Gill, 1959), S. 101.

[4] Yves Marsaudon, L'oecuménisme vu par un franc-maçon de tradition (Editions Vitiano, Paris IXe, 1964); zitiert in: Bischof Dr. Rudolf Graber, Athanasius und die Kirche unserer Zeit (J. Kral, Abensberg 1996), S. 40.

 

Ein Abriß

Die in der Ständigen Anweisung der Alta Vendita dargelegte Strategie ist in ihrer Gewagtheit und Verschlagenheit erstaunlich. Vom Beginn an beschreibt das Dokument einen Prozeß, der Jahrzehnte zur vollständigen Verwirklichung brauchen würde. Diejenigen, die das Dokument entwarfen, wußten, daß sie seine Umsetzung nicht mehr erleben würden. Sie begannen eine Arbeit, die durch nachfolgende Generationen von Eingeweihten fortgeführt würde. Die Ständige Anweisung sagt: »In unseren Reihen stirbt der Soldat, aber der Kampf geht weiter.«

Die Anweisung fordert das Aussäen liberaler Ideen und Grundsätze in der ganzen Gesellschaft und innerhalb der Einrichtungen der katholischen Kirche, so daß Laien, Seminaristen, Kleriker und Prälaten im Laufe der Jahre Schritt für Schritt von fortschrittlichen Prinzipien durchdrungen würden.

Mit der Zeit würde diese Geisteshaltung so durchdringend sein, daß Priester geweiht, Bischöfe konsekriert und Kardinäle ernannt würden, deren Denken mit der modernen Gedankenwelt, verwurzelt in der Deklaration der Menschenrechte der Französischen Revolution und den »Prinzipien von 1789« (Religionsgleichheit, Trennung von Staat und Kirche, religiöser Pluralismus etc.), im Gleichschritt sein würde.

Eventuell könnte dann aus diesen Reihen ein Papst gewählt werden, der die Kirche auf den Weg der »Aufklärung« und der »Erneuerung« führen würde. Sie stellten heraus, es wäre nicht ihr Ziel, einen Freimaurer auf den Stuhl Petri zu setzen. Ihr Ziel war vielmehr, ein Klima zu schaffen, das einen Papst und eine Hierarchie hervorbrächte, die, während sie sich weiterhin für glaubenstreue Katholiken hielten, von den Ideen des liberalen Katholizismus eingenommen sein würden.

Diese katholischen Führungspersonen würden sich nicht länger den modernen Ideen der Revolution widersetzen (wie das die ständige Praxis der Päpste von 1789 bis 1958 – dem Tod Pius XII. – war, die diese liberalen Prinzipien verurteilten), sondern sie mit der Kirche verschmelzen lassen. Das Endergebnis wären ein katholischer Klerus und Laien, die unter dem Banner der Aufklärung marschieren würden, während sie beständig meinten, sie marschierten unter dem Banner der Apostolischen Schlüssel.

Quelle: Die Ständige Anweisung der Alta Vendita, Rex Regum Verlag 1999