Der kleine Toni: „Laß mich wenigstens beichten!“

25 Juni, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

Pius X. war der Meinung, daß es heilige Kinder geben werde, wenn man die Bestimmungen seines Dekretes umsetzen, und den Kindern im rechten Alter die Hl. Kommunion reichen werde. Ein Beispiel dafür, daß er recht hatte, ist das Leben des kleinen Antonio, kurz Toni genannt, dessen Liebe zur Hl. Eucharistie wirklich erstaunlich ist.

Als Toni merkte, daß ihm trotz all seiner Bitten die heilige Kommunion verwehrt blieb, bettelte er, man möge ihn dann wenigstens zur heiligen Beichte gehen lassen. Um endlich Ruhe zu bekommen, gab ihm seine Mutter die Zusage, sie wolle ihm bei der Vorbereitung helfen, sobald sie Zeit habe.

Damit machte sie ihn vorerst ganz glücklich. Doch der Kleine wartete nicht, bis man ihn vorbereitete. Er wußte ja selber, was er zu tun hatte. Und so benutzte er die erste Gelegenheit eines Ausganges, den er in Begleitung der Erzieherin machte, um sein Vorhaben auszuführen. Er wählte als Ziel die Kirche der Jesuiten, und dort eilte er schnurstracks auf den Beichtstuhl des P. Janez (sprich: Chánjes) zu, den er kannte, und sagte dem Priester mit lauter Stimme seine Sünden her.

Als er zur Erzieherin zurückkehrte, strahlte er vor Freude. Und kaum im elterlichen Haus, jubelte er auch schon seiner Mutter entgegen: „Der Pater Janez hat mir im Namen Gottes alle meine Sünden vergeben!“ Fortan ging Toni jeden Samstag beichten. Und er hielt an dieser Gewohnheit fest, auch wenn sich Schwierigkeiten in den Weg stellten.

So geschah es eines Samstags, daß gerade zu der Zeit, da er zur Kirche gehen wollte, ein paar Kinder kamen, um mit ihm zu spielen. Aber er wußte sich zu helfen. „Mama,“ bat er, „unterhalte du die Kinder ein wenig, bis ich wiederkomme; ich will eben beichten!“

Den Sommer verbrachte die Familie Martinez gewöhnlich zu Liencres, einem kleinen Ort, etwa 9 Kilometer westlich von Santander, nahe am Meer gelegen, auf dem alten Stammschloß der Pedraja (erbaut 1646). Da war es nun für Toni nicht leicht, seine fromme Gewohnheit beizubehalten. Der alte Pfarrer dort war nämlich taub. Wer deshalb beichten wollte, pflegte das  in Soto de la Marina, einem Nachbarort, zu tun. Der Weg dahin war ziemlich weit. Doch Toni ließ sich in seinem Vorsatz nicht wankend machen. Entweder wartete er eine Fahrgelegenheit ab, oder er schwang sich auf sein Eselchen und trabte von dannen. Der Ritt wurde ihm jedesmal - ehrlich gesagt - recht sauer. Denn er fürchtete sich etwas allein, besonders seit ihm unterwegs einmal fast ein Unglück zugestoßen wäre.

In Soto steuerte er dann gleich auf das Pfarrhaus zu und zog die Schelle. „Hier bin ich, Don Fernando, ich möchte beichten“, stellte er sich dem Pfarrer vor. Und dann ging‘s zur Kirche.

Quelle: DER KLEINE TONI, Antoninho Martinez de la Pedraja, Ein Junge, der Jesus liebhatte, P. Heinrich Strake SVD, Missionsdruckerei Steyl, 1940