Der kleine Toni: Der große Tag

02 Juli, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

Pius X. war der Meinung, daß es heilige Kinder geben werde, wenn man die Bestimmungen seines Dekretes umsetzen, und den Kindern im rechten Alter die Hl. Kommunion reichen werde. Ein Beispiel dafür, daß er recht hatte, ist das Leben des kleinen Antonio, kurz Toni genannt, dessen Liebe zur Hl. Eucharistie wirklich erstaunlich ist.

Die Zeit eilte dahin. Doch die Sehnsucht des kleinen Toni nach der heiligen Kommunion erkaltete nicht, sondern sie steigerte sich immer mehr. So kam das Jahr 1927. Im August dieses Jahres wurde Toni sieben Jahre alt. Endlich! Eine wirkliche freudige Aufregung bemächtigte sich des Kleinen.

Er verbrachte damals mit seinen Eltern einige Wochen in dem bekannten Badeorte Sobron. Alle Badegäste kannten bald den kleinen lebhaften Knaben, und bald wußten auch alle von dem großen freudigen Ereignis, das seiner wartete. Denn er erzählte immer wieder, er werde bald zur ersten heiligen Kommunion gehen. Und alle Welt lud er dazu ein. Man staunte über eine solche Begeisterung; aber den jungen hatte man lieb, man konnte wirklich nicht anders.

Wieder daheim, hörte Toni eines Tages, wie seine Eltern mit der Großmutter die Feier seiner ersten heiligen Kommunion besprachen. Am besten, meinten sie, würde man warten bis zum 15. August, dem Feste Mariä Himmelfahrt. Der Festtag sei besonders geeignet dazu, zumal Toni eine so große Liebe zur Gottesmutter habe.

Da konnte sich der Kleine nicht mehr halten. „Aber um Gottes willen, Mama,“ rief er, „ich werde doch schon am 8. August sieben Jahre alt! Und ihr habt mir doch immer versprochen, wenn ich sieben Jahre alt würde, sollte ich die heilige Kommunion empfangen!“

Das Erstaunen war jetzt auf seiten der Eltern und der Großmutter. „Ja, aber Kind, es handelt sich doch nur um acht Tage!“

Es half nichts. Der schmerzliche Ausdruck der Enttäuschung in den Zügen ihres Lieblings entwaffnete allen Widerstand. Und so wurde der 8. August als Tag der Erstkommunion festgelegt.

Man kam auch überein, daß die Feier in der Schloßkapelle zu Liencres stattfinden solle. Denn dort hatten sich alle besonderen Ereignisse, freudige und traurige, im Leben seiner Eltern und Vorfahren abgespielt.

Der 8. August kam. Vor freudiger Erregung schlief Toni fast nicht die Nacht zuvor. Um 8 Uhr feierte P. Janez die heilige Messe in der Kapelle des alten Herrschaftshauses der Pedraja. Außer dem glücklichen Erstkommunikanten waren nur seine Eltern und nächsten Anverwandten zugegen, die zusammen mit Toni zum Tische des Herrn gehen wollten.

Kurz bevor der große heilige Augenblick kam, wandte sich der Pater um und sprach voll innerer Wärme und Rührung einige Worte der Vorbereitung. Alle waren tief ergriffen. Der Augenblick, da das Kind zum Altare schritt, ganz das Bild eines Engels, wird allen Anwesenden unvergeßlich geblieben sein. Man sah, Toni weilte nicht mehr auf Erden, er war im Himmel. Er, der lebhafte Knabe, schien wie leblos, lange Minuten noch, nachdem er an seinen Platz zurückgekehrt war; er rührte sich nicht. Was er dem göttlichen Gaste damals gesagt, hat niemand erfahren, nicht einmal seine Mutter. Aber es zeigte sich später: jener Augenblick war entscheidend für sein ganzes Leben.

Quelle: DER KLEINE TONI, Antoninho Martinez de la Pedraja, Ein Junge, der Jesus liebhatte, P. Heinrich Strake SVD, Missionsdruckerei Steyl, 1940