Der kleine Toni: Des Heilands glücklicher Freund

2018
Quelle: Distrikt Österreich

Pius X. war der Meinung, daß es heilige Kinder geben werde, wenn man die Bestimmungen seines Dekretes umsetzen, und den Kindern im rechten Alter die Hl. Kommunion reichen werde. Ein Beispiel dafür, daß er recht hatte, ist das Leben des kleinen Antonio, kurz Toni genannt, dessen Liebe zur Hl. Eucharistie wirklich erstaunlich ist.

Eine Wirkung der heiligen Kommunion bei Toni war vor allem eine außerordentliche Fröhlichkeit. Ein Kopfhänger war er ja nie gewesen; aber seit dem Tage seiner ersten heiligen Kommunion strahlte sein Gesicht wie eitel Sonnenschein. Alles brachte ihn zum Lachen. Da zog ihn die Mutter eines Tages auf ihren Schoß und fragte ihn, wie es doch komme, daß er in all der Zeit ein wirklicher Ausbund an Fröhlichkeit sei.

Mit der größten Einfalt antwortete Toni: „Ja, Mama, ich habe doch auch immer ein reines Herz. Du hast mir gesagt, daß der liebe Gott mich gern hat, wenn ich gehorsam bin. Darum bin ich immer froh. Denn wenn du sagst, ich solle lernen, dann lerne ich und mache dem lieben Heiland Freude. Wenn du mir sagst, ich solle spielen, so freue ich mich sehr. Wenn ich aber nicht gehen darf, so macht mir das auch nichts, weil ich weiß, daß der liebe Gott es so haben will. Wir sind ja nicht auf Erden, um nur zu spielen, sondern um dem lieben Gott zu dienen.“

Das ganze Benehmen Tonis zeigte, daß es für ihn eine wahre Wonne war, sich immer wieder mit dem göttlichen Heilande in der heiligen Kommunion zu vereinigen, weil er ihn von ganzem Herzen liebte. Aber er wußte auch, daß er durch den häufigen Empfang des Engelbrotes sich stärkte wider alles Böse.

Es war an einem Samstag; Toni schickte sich an, zur heiligen Beichte zu gehen. Da sagte seine Mutter, die sich sehr unwohl fühlte, sie werde ihn am folgenden Morgen kaum zur Kommunionmesse begleiten können.

„Das tut nichts, Mama“, erwiderte er. „Ich gehe allein, oder ich bitte das Fräulein, mitzugehen.“

„Das Fräulein ist für morgen nach Hause gegangen, und ich bin so krank, daß ich dir nicht einmal beim Ankleiden helfen kann.“

„O, ich kann mich auch allein anziehen!“

„Nein, das wirst du kaum fertigbringen.“ „Doch, Mama. Du wirst schon sehen, es geht!“ Die Mutter glaubte nicht recht an seine Behauptung und suchte deshalb nach einem andern Grunde, um ihn zurückzuhalten. „Es wird doch besser sein,“ sagte sie, „du bleibst daheim. Das Wetter ist auch gar nicht gut.“ „Ach, Mama, laß mich nur gehen. Ich will doch den Heiland empfangen, um nicht in die Hölle zu kommen.“ „Aber, Toni, wenn du einmal wegbleibst, kommst du doch nicht in die Hölle.“

„Das weiß ich wohl. Aber ich könnte mich daran gewöhnen, die Kommunion zu unterlassen, und ich würde schwach werden. Wenn du dann einmal tot bist, und ich gehe nicht mehr zur Kommunion, komme ich vielleicht zu schlechten Freunden, und weil ich schwach bin, werde ich auch schlecht. Wenn ich aber den lieben Heiland bei mir habe, werde ich nicht in Sünde fallen.“

„Nun, dann tu es nur, Toni. Der liebe Gott möge dich segnen!“

Toni tat also, wie ihm erlaubt war. Am folgenden Morgen – es war der 3. Februar – kleidete er sich ganz allein an und ging dann noch zu seiner Mutter, die ihm wie gewöhnlich half, die Akte des Glaubens, der Reue, der Liebe usw. zu machen als Vorbereitung auf die heilige Kommunion. Dann eilte er zur Kirche.

Quelle: DER KLEINE TONI, Antoninho Martinez de la Pedraja, Ein Junge, der Jesus liebhatte, P. Heinrich Strake SVD, Missionsdruckerei Steyl, 1940