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Der Marienmonat

12. Mai, 2018

Der Monat Mai ist einer der schönsten Monate des Kirchenjahres. Es gibt keine andere Zeit im liturgischen Jahr, die so viel Anlass bietet zu übernatürlicher Freude und geistlichem Jubel wie der Monat Mai.

Die Natur entfaltet nach den rauhen, kalten und dunklen Monaten des Winters und des beginnenden Frühlings ihre ganze Pracht. Die Sonne erleuchtet und erwärmt wieder den größten Teil des Tages. Die Bäume stehen in ihrem frischen und kräftigen Grün oder sogar in weißen, rosafarbigen oder gelben Blüten da. Die Vögel erfreuen die Lüfte mit einem Konzert, wie es die übrigen Jahreszeiten nicht kennen.

Aber auch im Kirchenjahr gibt es keinen Monat, der von einer derartigen Festlichkeit erfüllt ist. „Der Mai gehört zur Osterzeit - der eigentlichen Freudenzeit der kath. Kirche - und fällt meist ganz oder zum Teil in dieselbe. Das Hochfest der Himmelfahrt und der Geistsendung haben fast immer, und die Feste der heiligsten Dreifaltigkeit und des allerheiligsten Sakramentes haben meist im Mai ihren Platz. Es ist also die Zeit des Alleluja, weil der Herr aus dem Grabe hervorgegangen und zum Himmel aufgestiegen ist, um an seiner Stelle der Kirche den Gottesgeist zu senden. Das ist also einer der Gründe,“ – so schreibt der sel. Kardinal John Henri Newman – „warum der Mai auf die besondere Verehrung der allerseligsten Jungfrau abgestimmt ist. Sie ist die erste der Kreaturen, das schönste und liebste aller Gotteskinder, am nächsten seinem Throne; der Monat muss darum ihr gehören, in dem wir die großen Feste der Erbarmungen Gottes, unserer Erlösung und Heiligung in den drei göttlichen Personen feiern“ (Newman, Der Maimonat, Mainz, Grünewaldverlag, 1921, S. 4).

In der Tat ist Maria die Krone der Schöpfung. Alle Herrlichkeiten zusammen genommen, die wir in der Natur antreffen, reichen nicht an die Schönheit heran, mit der der liebe Gott Maria geschmückt hat. Und diese ihre Schönheit wurde nie durch die Sünde getrübt. Ganz besonders gilt dies von der übernatürlichen Anmut und Herrlichkeit Mariens. Nennt doch der hl. Erzengel Gabriel die Muttergottes die „Gnadenvolle“. Gott senkte in ihre Seele alle Schätze des übernatürlichen Lebens, mit denen je ein bloßes Geschöpf ausgestattet wurde. In ihrer Unbefleckten Empfängnis und ihrer immerwährenden Jungfräulichkeit wurde sie die Mutter des Sohnes Gottes, von dem wir im Credo jeden Sonntag singen: „Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, eines Wesens mit dem Vater“. Als neue Eva wurde sie die Gefährtin des neuen Adams im Werke der Erlösung; unter dem Kreuze stehend verwirklichte sie diesen ihren Namen der „Mutter aller Lebendigen“, indem sie uns in ihren unermesslichen Schmerzen im Mit- leiden mit ihrem göttlichen Sohne zu Gotteskindern gebar. Durch sie er- langen alle Menschen jene Gnaden, die der Gottmensch mit ihr zusammen auf Kalvaria verdient hat.

Am Ende der Lauretanischen Litanei ruft die Kirche Maria an als die Königin. Aufgrund ihrer Unbefleckten Empfängnis ist Maria der königliche Mensch, wie Gott ihn im Paradiese geschaffen hatte. Sie ist als Mutter des Messias die so lang ersehnte Tochter aus dem königlichen Hause Davids, dem verheißen ward, dass einer seiner Nachkommen „über das Haus Jakob herrschen wird in Ewigkeit, und dessen Reich kein Ende haben wird“ (Lk 1,30, 2 Sam 7,13). In prophetischer Schau besingt derselbe hl. König David die Herrlichkeiten Mariens, seiner in ferner Zukunft auftauchenden Tochter: „Die Königstochter schreitet hinein voller Pracht: Gesponnen Gold ist ihre Kleidung. Zum König [Christus] geleitet man sie in buntgewirktem Gewand“ (Ps 44,11ff). Und auch ihre alttestamentlichen Vorbilder, die hll. Esther und Judith, lassen ihre königliche Würde aufleuchten: „Sie [Esther, die Königin und Vorbild Mariens] strahlte im vollen Glanz ihrer Schönheit. Ihr Antlitz war heiter und liebenswürdig“ (Est 15,2ff). Sie ist „der Ruhm Jerusalems, die Freude Israels und der Stolz unseres Volkes“ (Jhdt. 15,10f). Letzterer Vers im Buche Judith ist ein Hinweis auf den Einsatz Mariens zur Rettung der Auserwählten. Die Einwohner von Bethulia riefen ja nach der mutigen Heldentat der hl. Judith aus: „Gesegnet bis tu, Tochter, vor allen Frauen auf Erden von dem Herrn, dem erhabenen Gott. Gepriesen sei der Herr, der Himmel und Erde erschaffen, der dich geleitet hat, dem Führer unserer Feinde das Haupt abzuschlagen. Denn heute hat er deinen Namen so verherrlicht, dass nie schwinden wird dein Lob aus dem Mund der Menschen, die der Macht des Herrn gedenken in Ewigkeit. Für sie hast du um der Bedrängnis und der Trübsal willen deines Lebens nicht geschont, hast abgewandt den Untergang vor dem Angesicht unseres Gottes“ (Jhdt. 13,18ff). Durch diesen Einsatz in der Erlösung unter dem Kreuz hat sich Maria auch ihre Königsherrschaft und Königswürde – ähnlich wie ihr göttlicher Sohn – erworben. Daher endet der Maimonat ganz zu Recht mit dem Festtag Maria Königin – Königin aller Engel und aller Heiligen, die Königin über die ganze Schöpfung.

So ist der Mai also jene Zeit, die der Verehrung und Betrachtung der allerseligsten Jungfrau und Gottesgebärerin geweiht ist. Möchten wir einstimmen in diese Freude, von der die Natur ein Abbild ist, jene Freu- de, die aus der Erlösung durch unseren Herrn und Heiland entspringt, von der die Kirche erfüllt ist und die sich in der Herrlichkeit Mariens vollendet widerspiegelt. Möchten wir einstimmen in das Lob und die Seligpreisung Mariens, von denen das Buch Judith und das Magnifikat prophezeit haben: „Von nun an wird dein Lob nie mehr verstummen im Munde der Menschen, die der Macht des Herrn gedenken in Ewigkeit“ - „Seht, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter.“

Quelle: Pater Matthias Grün, MB Mai 2018, Nr. 472, Distrikt Schweiz