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In des Lebens Mitte – Sind vom Tode wir umgeben

10. November, 2017

Auf der Heid' ein Wolkenschatten – Fährt dahin das Menschenleben:
Zittert! In des Lebens Mitte – Sind vom Tode wir umgeben.

Und der Tod, der grimme Schütze, – Hehlings ohne Köcherklirren
Tritt er an, und unaufhaltsam – Pfeil auf Pfeile läßt er schwirren,

Bleicher Jäger; was da atmet, – Königsleute, Bettelleute,
Alle Riesen, alle Krüppel, – Alle sind sie seine Beute.

Und er bläst sein Horn; so traurig – Ist der Hall, so seltsam eigen:
All die Krüppel, all die Riesen, – Alles Fleisch muß an den Reigen.

Und er bläst sein Horn, und alle – Müssen an den Tanz sie treten,
Ob sie lachen oder weinen, – Ob sie fluchen oder beten.

Niederwärts! Die Linnen flattern; – Niederwärts! Geschrei und Klage;
Denn das große Buch liegt offen, – Und der Richter hält die Waage. –

Alleluja! Wohl dem Tapfern, – Der gerungen nach Erkenntnis
Und, ob hart geprüft, doch siegreich – Drang zu seines Heils Verständnis.

Alleluja! Wohl dem Waller, – Der bergan mit wundem Fuße
Schritt in Tränen, nicht des Schmerzes, – Nein, in Tränen bittrer Buße;

Der im Kampf mit rauhern Feinden, – Als mit Schwertern dräun, geworben,
Der bezwungen Gier und Gären – Und, bevor er starb, gestorben. –

Zittert! In des Lebens Mitte – Sind vom Tode wir umgeben:
Auf der Heid' ein Wolkenschatten – Fährt dahin das Menschenleben!

(Friedrich Wilhelm Weber: Dreizehnlinden - Kapitel 23)