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ERKLÄRUNG - Quellen des Irrtums: Modernismus & Einfluß Luthers

05. Dezember, 2017

Katholische Priester und gelehrte Laien der ganzen Welt haben mit einer Correctio Filialis, einer Zurechtweisung von Papst Franziskus, einen epochalen Schritt gesetzt.

Um die Zurechtweisung zu erklären und eine Verteidigung gegen die Ausbrei- tung der Irrtümer zu verfassen, ist es wichtig, die Aufmerksamkeit auf zwei generelle Quellen des Irrtums zu lenken, die das Vehikel der angeführten Häresien zu sein scheinen. Es handelt sich vor allem um ein falsches Verständnis der göttlichen Offenbarung, das generell mit dem Namen Modernismus bezeichnet wird, aber auch um die Lehren Martin Luthers.

A. Das Problem des Modernismus

Das katholische Verständnis der gött- lichen Offenbarung wird von zeitgenössischen Theologen häufig geleugnet und diese Leugnung hat bezüglich der Natur der göttlichen Offenbarung und des Glaubens zu einer grassierenden Verwirrung unter den Katholiken geführt.

Um jedes Mißverständnis zu vermeiden, das aufgrund dieser Verwirrung entstehen könnte, und um die Behauptung bezüglich der Verbreitung von Häresien in der Kirche zu rechtfertigen, soll hier das katholische Verständnis der göttlichen Offenbarung und des Glaubens beschrieben werden.

Diese Beschreibung ist auch notwendig, um die Position der Zurechtweisung zu erklären: Amoris laetitia trägt wirklich dazu bei, die modernistischen Irrtümer zu verbreiten.

Folgende Wahrheiten, die von der  Heiligen Schrift, der heiligen Tradition, dem universalen Konsens der Väter und des Lehramtes der Kirche gelehrt werden, bieten die Zusammenfassung der katholischen Lehre über den Glauben, die göttliche Offenbarung, die Unterweisung durch das unfehlbare Lehramt und die Häresie:
 

  • Die Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, deren historischer Charakter von der Kirche ohne Zögern behauptet wird, vermitteln getreu, was Jesus Christus während seines Lebens unter den Menschen wirklich für ihr ewiges Seelenheil bis zum Tag seiner Himmelfahrt getan und gelehrt hat.
     
  • Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Folglich sind alle seine Lehren von Gott selbst.
     
  • Alle Propositionen, die im katholischen Glauben enthalten sind, sind von Gott mitgeteilte Wahrheiten.
     
  • Die Wahrheit einer Proposition besteht darin, von dem, was ist, auszusagen, daß es ist; scholastisch ausgedrückt handelt es sich um eine adaequatio rei et intellectus [Übereinstimmung der Wirklichkeit und des Denkens]. Jede Wahrheit ist eine solche, unabhängig davon, von wem oder wann oder unter welchen Umständen sie als solche erfaßt wird. Keine Wahrheit kann einer anderen Wahrheit widersprechen.
     
  • Der katholische Glaube behandelt die ganze Wahrheit von Gott nicht erschöpfend, da allein der göttliche Intellekt das göttliche Sein vollständig erfassen kann. Dennoch ist jede Wahrheit des katholischen Glaubens völlig und ganz wahr; die Merkmale der Wirklichkeit, die von dieser Wahrheit formuliert werden, entsprechen genau jenen, die diese Wahrheiten selbst darstellen. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Inhalt der Glaubenslehre und den Dingen, so wie sie sind.
     
  • Das göttliche Sprechen, das die Wahrheiten des katholischen Glaubens mitteilt, ist in menschlicher Sprache ausgedrückt. Der inspirierte hebräische und griechische Text der Heiligen Schriften ist selbst in allen seinen Teilen durch Gott ausgedrückt. Es handelt sich nicht um eine bloße Zusammenfassung durch Menschen oder um eine Interpretation der Göttlichen Offenbarung, und kein Teil ist in seiner Bedeutung nur auf menschliche Ursachen zurückzuführen. Indem wir an die Lehre der Heiligen Schrift glauben, glauben wir direkt Gott selbst. Wir glauben dem, was Gott sagt, indem wir uns auf das Zeugnis von jemand anderem stützen, einer nicht-göttlichen Person oder Menschen im allgemeinen.
     
  • Wenn die Kirche unfehlbar lehrt, daß eine Proposition ein göttlich offenbarter Teil des katholischen Glaubens ist und mit Glaubenszustimmung zu glauben ist, glauben die Katholiken, die dieser Lehre ihre Zustimmung geben, an das, was Gott mitgeteilt hat, und sie glauben daran aufgrund der Tatsache, daß Er es gesagt hat.
     
  • Die lehramtliche Unterweisung der Kirche nach dem Tod des letzten Apostels muß als ein Ganzes verstanden und geglaubt werden. Es ist nicht in ein Lehramt der Vergangenheit und ein gegenwärtiges oder „lebendiges“ Lehramt aufgespalten, das eine vorherige lehramtliche Aussage nach Belieben ändern könnte.
     
  • Der Papst, der die höchste Autorität der Kirche besitzt, ist selbst – nach göttlichem und kirchlichem Gesetz – nicht von der Autorität der Kirche ausgenom­men. Er ist daran gebunden, die endgültige Lehre seiner Vorgänger im Papst­amt zu akzeptieren und zu vertreten.
     
  • Eine häretische These ist eine Proposition, die einer göttlich offenbarten und im katholischen Glauben enthaltenen Wahrheit widerspricht.