FSSPX Nachrichten & Veranstaltungen

Freitag nach dem 2. Fastensonntag

16. März, 2017

«Wir bitten Dich, allmächtiger Gott: gib, daß wir, in heiligem Fasten geläutert, durch Dich mit reinem Herzen zu den kommenden Festen gelangen dürfen. Durch unsern Herrn Jesus Christus ... Amen. (Kirchengebet am Freitag nach dem II. Fastensonntag)

«Fast scheint es, als fürchte die Kirche, ihre herrliche Liturgie könne einfache Seelen zu der Ansicht verleiten, daß das Wesen des Christentums nur in feierlichen Funktionen oder im äußerlichen Empfang der Sakramente bestehe. Deshalb dringt sie in ihren Fastengebeten immer wieder darauf, daß wir den Geist der Liturgie in unserm Leben zur Verwirklichung bringen. Ohne ständige Arbeit an der innerlichen Ausschmückung unserer Seele bleibt die Liturgie eine Art magischer Formel. Und dann erfüllt sich das Wort des Evangeliums: Viele, die in diesem Leben die ersten Plätze im Reiche Gottes einnehmen, sogar die Prophetengabe besitzen und im Namen Jesu Wunder wirken, werden nach dem Tode vom göttlichen Richter verleugnet und verstoßen: nescio vos, ich kenne euch nicht, hinweg von mir, ihr Übeltäter.“ Nicht Äußerlichkeiten oder der Glaube ohne Werke, sondern das Leben nach dem Glauben ist wertvoll in den Augen Gottes.» (Sel. Ildefons Kardinal Schuster OSB, 1880-1954)

Sankt Agatha, wo sich die Gläubigen zur Prozession versammeln, war eine Diakonie im Stadtteil Suburra. Sie war eine gewisse Zeit arianisch, bis sie dem katholischen Gottesdienst zurückgegeben werden konnte. Von hier bewegte sich die Prozession nach der Stations-Kirche des hl. Blutzeugen Vitalis, der nach der Legende gesteinigt wurde und Vater der hl. Gervasius und Protasius war.

 

Lesung (I Moses 37, 6-22):

In jenen Tagen sprach Joseph zu seinen Brüdern: „Hört, was mir geträumt hat: Es kam mir vor, als bänden wir Garben auf dem  Acker, und als ob sich meine Garben aufrichtete und stehen bliebe, und eure Garben ringsherum sich vor meiner Garbe zur Erde neigten.“ Da erwiderten ihm seine Brüder: „Willst du etwas König über uns werden, und sollen wir uns deiner Herrschaft unterwerfen? Diese Träume und Reden gaben ihrem Neid und Ha neue Nahrung. Ein andermal hatte er wieder einen Traum. Er erzählte ihn seinen Brüdern und sprach. „Ich sah im Traum, wie die Sonne und der Mond und elf Sterne sich vor mir zur Erde neigten.“ Als er das seinem Vater und seinen Brüdern erzählte, schalt ihn der Vater und sprach: „Was soll dieser Traum, den du gehabt hast? Sollen etwa ich, deine Mutter und deine Brüder, sich vor dir zur Erde neigen? Seine Brüder waren nun eifersüchtig auf ihn; sein Vater aber überlegte die Sache schweigend. Einst weilten seine Brüder bei Sichem und weideten dort die Herden des Vaters. Da sprach Israel [Jakob] zu ihm: „Deine Brüder weiden die Schafe bei Sichem; wohlan, ich will dich zu ihnen senden.“ Da sprach jener zu ihm: „Geh und sieh, ob es um deine Brüder und um die Herden gut steht; berichte mir dann, wie es geht.“ So wurde er vom Tale Hebron ausgesandt und kam nach Sichem. Als er auf dem Felde umherirrte, traf ihn ein Mann und fragte ihn, was er suche. Er antwortete: „Ich suche meine Brüder; sagt mir, wo sie die Herden weiden.“ Der Mann sprach zu ihm: „Sie sind von hier weggezogen; ich hörte sie sagen: Wir wollen nach Dothain gehen.“ So ging Joseph seinen Brüdern nach und fand sie in Dothain. Als sie ihn von ferne kommen sahen, faßten sie, eher er noch zu ihnen kam, den Plan, ihn zu töten. Sie sprachen zueinander: „Seht, da kommt der Träumer! Wohlan, wir wollen ihn töten und in eine alte Zisterne werfen und sagen: Ein wildes Tier hat ihn gefressen; dann wird es sich zeigen, was ihm seine Träume nützen.“ Als Ruben das hörte, bemühte er sich, ihn aus ihren Händen zu befreien. Er sprach: „bringt ihn nicht um und vergießt nicht sein Blut, sondern werft ihn in die Zisterne hier in der Steppe und bewahrt eure Hände rein.“ Dies sage er, weil er ihn aus ihren Händen retten und seinem Vater wieder zurückbringen wollte.»

 

Auslegung der Lesung: «Joseph, von seinen Brüdern an ismaelitische Händler verkauft, wird nach Ägypten geführt, dort von Gott zum Vizekönig erhoben und zum Retter des Volkes bestellt. er ist ein Vorbild Jesu Christi. Auch der Herr wurde von seinem Volk dem römischen Landpfleger zur Kreuzigung überliefert. Gott aber hat seinen demütigen Gehorsam angesehen, ihn von den Toten auferweckt und ihm einen Namen gegeben, der das Heil aller Völker ist.» (Sel. Ildefons Kardinal Schuster, +1954)

«Wer möchte in dieser wunderbaren Geschichte das Bild unseres göttlichen Erlösers verkennen? Der Sohn Gottes und der Maria, welcher seinem Vater am teuersten in der ganzen Schöpfung gewesen, fällt er, ein Opfer des Neides und der Eifersucht seiner Brüder seines eigenen Volkes, obgleich dasselbe bis zum letzten Tage eine Prophezeiung um die andere sich verwirklichen sah. Sein Tod ist beschlossen, wie der des Joseph. Wie dieser wird er schmählich verkauft, um in den Kerker des Grabes geschleudert zu werden, und mit Macht und Herrlichkeit steigt er aus demselben heraus. Aber nicht mehr an Israel verschwendet der die Zeichen seiner Liebe. Er wurde zu den Heiden verstoßen. Unter ihnen schlägt er von nun an seinen Thron auf.» (Dom Prosper Gueranger OSB, +1875)

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (21, 33-46):

In jener Zeit sprach zu Jesus zu den Scharen der Juden und den Hohenpriestern folgendes Gleichnis: Es war ein Hausherr; dieser pflanzte einen Weinberg, umgab ihn mit einem Zaune, grub in ihm eine Kelter und erbaute einen Turm. Darauf verpachtete er ihn an Winzer und ging nach auswärts.

Es kam die Zeit der Lese. Da schickte er seine Knechte zu den Winzern, um den Ertrag des Weinbergs zu empfangen.

Jedoch die Winzer packten seine Knechte, mißhandelten den einen, töteten den andern und steinigten den dritten.

Er schickte nochmals andre Knechte, mehr als zuvor. Jedoch sie machten es ihnen ebenso.

Zuletzt aber schickte er seinen Sohn zu ihnen, weil er dachte: Vor meinem Sohne werden sie wohl Achtung haben.

Als aber die Winzer den Sohn erblickten, sprachen sie unter sich: 'Das ist der Erbe. Kommt, lasset uns ihn töten; dann wird sein Erbteil unser sein.'

Und sie ergriffen ihn, warfen ihn zum Weinberg hinaus und brachten ihn ums Leben. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er wohl mit jenen Winzern tun?"

Sie sagten ihm: "Er wird die Elenden elendig verderben, den Weinberg aber andren Winzern überlassen, die ihm den Ertrag zur rechten Zeit abliefern."

Und Jesus sprach zu ihnen: "Habt ihr noch niemals in der Schrift gelesen: 'Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Schlußstein geworden; dies ist durch den Herrn geschehen, und es ist wunderbar in unsern Augen'?

So sage ich euch denn: Das Gottesreich wird euch genommen und einem Volke gegeben werden, das rechte Früchte bringt.

Wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschmettert werden, auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen."

Die Oberpriester und die Pharisäer, die seine Gleichnisse mitanhörten, erkannten, daß er sie selber meine.

Sie hätten sich seiner gern bemächtigt; allein sie fürchteten das Volk, weil es ihn für einen Propheten hielt.»

 

Auslegung des Evangeliums:  «Jesus Christus ist in Wahrheit der Stein, den die Bauleute verworfen haben, den Gott zum Eckstein gemacht hat. Wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert; auf wen er aber fällt, den zermalmt er. Die Wahrheit dieser Weissagung findet ihre Bestätigung in der Geschichte des Christentums. Nero, Galerius und Diokletian gingen vorüber wie ein furchtbarer, aber nicht lang anhaltender Orkan. Die Götter des heidnischen Rom liegen auf dem Grunde des Mittelmeeres, an dessen Küsten die Schiffe der Vandalen strandeten, nachdem sie zwei Wochen lang die Ewige Stadt ausgeplündert hatten. Zu Beginn des 4. Jahrhunderts schrieb Laktanz sein Buch „de mortibus persecutorum“. Es enthält die Namen der Christenverfolger. Viele Blätter sind noch unbeschrieben. Auf ihnen wird einst das Gericht über alle Feinde Christi zu lesen sein. Alle Jahrhunderte ziehen am Gottmenschen in einer langen Prozession vorüber; allein Christus vincit, regnat, imperat, heri, hodie, Ipse et in saecula. Christus siegt, herrscht und triumphiert. Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.» (Kardinal Schuster, +1954)

 

Gebet über das Volk

Lasset uns beten!

Neiget in Demut euer Haupt vor Gott.

«Wir bitten Dich, o Herr: gib Deinem Volke Gesundheit an Leib und Seele, damit es durch Eifer in guten Werken verdiene, allezeit in der Obhut Deines mächtigen Schutzes zu weilen. Durch unsern Herrn Jesus Christus ... Amen.»

 

Bild: Kirche San Vitale