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Fronleichnam - Auslegung des hl. Augustinus

14. Juni, 2017

Evangelium (Jo. 6, 56-59)

In jener Zeit sprach Jesus zu den Scharen der Juden: «Mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise, und Mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer Mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm. Wie Ich, vom lebendigen Vater gesandt, durch den Vater lebe, so wird auch der, welcher Mich ißt, durch Mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, nicht wie das Manna, das eure Väter gegessen haben und doch gestorben sind. Wer dieses Brot ißt, der wird ewig leben.»

Auslegung des heiligen Bischofs Augustinus.

Mit Speise und Trank suchen die Menschen ihren Hunger und Durst zu stillen. Im vollen Sinne bewirkt dies nur jene Speise und jener Trank, welche die davon Genießenden unsterblich und unverweslich machen, das heißt, ihnen die Teilnahme an der Gemeinschaft der Heiligen gewähren, in der Friede und volle, ungetrübte Einheit herrschen. Deshalb hat, wie schon vor uns Gottesmänner erkannten, unser Herr Jesus Christus uns Seinen Leib und Sein Blut unter solchen Gestalten dargereicht, die aus vielen Teilen zu einer Einheit zusammengewachsen sind. Denn viele Körner werden zu einem Brot, und viele Traubenbeeren fließen in einen Wein zusammen. Der Herr erklärt selbst, wie das Gesagte geschehen soll und was es heißt. Seinen Leib essen und Sein Blut trinken.

Wer Mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm. Diese Speise essen und diesen Trank trinken heißt also in Christus bleiben und Ihn dauernd in sich tragen. Wer daher nicht in Christus bleibt und in wem Christus nicht bleibt, der empfangt zweifellos Sein Fleisch und Sein Blut nicht geistigerweise, wenn er auch körperlich und sichtbar das Sakrament des Leibes und des Blutes mit den Zähnen berührt. Vielmehr ißt und trinkt er das hohe Gnadensakrament sich zum Gericht, weil er als Unreiner es sich herausgenommen hat, zu dem Sakramente Christi hinzuzutreten, das nur der Reine würdig empfangt. Von ihm heißt es: Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.

Wie Mich, sagt Er, der lebendige Vater gesandt hat und Ich wegen des Vaters lebe, so wird auch der, der Mich ißt, durch Mich leben. Gleich als ob Er hätte sagen wollen: Daß Ich wegen des Vaters lebe, das heißt, daß Ich so Mein Leben auf Ihn als den Größeren zurückführe, das hat Meine Entäußerung bewirkt, in der Er Mich sandte. Daß aber einer Meinetwegen lebt, das bewirkt die Teilnahme an Mir, wenn er Mich ißt. Ich wurde erniedrigt und lebe nun durch den Vater; der Mensch wird erhöht und lebt dann durch Mich. Wenn es aber heißt: Ich lebe durch den Vater, weil der Sohn vom Vater, nicht umgekehrt der Vater vom Sohn stammt, so wird dadurch die Gleichheit nicht beeinträchtigt. Als Christus aber sagte: Und wer Mich ißt, wird durch Mich leben, wollte Er nicht zum Ausdruck bringen, daß Er und wir auf der gleichen Seinsstufe stehen, sondern nur auf Seine gnadenspendende Mittlerschaft hinweisen.

(26. Abhandlung über das Johannesevangelium, Abschnitt 17-20)

Quelle: Schott Messbuch 1962, Römisches Brevier 1961