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Gottesdienstordnung • Priorat Maria Hilf • Fastenzeit 2018

09. Februar, 2018

Aus dem Vorwort der Gottesdienstordnung des Priorates Innsbruck, 
von Pater Jaromír Kučírek

Das katholische Priestertum – Zeichen der Hoffnung
 

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit jeglicher Freude und mit Frieden durch den Glauben, damit ihr überströmet von Hoffnung und von der Kraft des Heiligen Geistes“ (Röm 15,13).

Liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter!

Die göttlichen Tugenden sind das Lebensprogramm und der Lebensinhalt des gerechten Menschen, des Christen. „Das menschliche Heil“ – wie der heilige Thomas von Aquin lehrt – „besteht nämlich (1) in der Erkenntnis der Wahrheit [die uns der Glaube vermittelt]… (2) im Erstreben des Ziels [auf das uns die Hoffnung ausrichtet]… und (3) in der Beobachtung der Gerechtigkeit [zu der uns die Liebe anleitet]. Daher besteht die ganze Vollkommenheit des gegenwärtigen Lebens in Glaube, Hoffnung und Liebe als in einer Art Haupt­stücken unseres Heils.“ (Compendium theologiæ I,1.)

Der katholische Priester wird oft (und durchaus richtig) als Mann des Glaubens bezeichnet, allerdings wollen wir dabei nicht vergessen, daß das Priestertum sozusagen die Verkörperung und Darstellung aller göttlichen Tugenden ist: des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe. – So wollen wir nun (wie schon anläßlich der Nachprimiz von Pater Filip Marada am 19. November 2017) das katholische Priestertum ganz besonders als Zeichen der christlichen Hoffnung betrachten.

Dabei ist es wichtig, zunächst an die richtige Auffassung der Hoffnung zu erinnern. Hoffen heißt im allgemeinen „mit Vertrauen erwarten“. Und die Hoffnung ist jene eingegossene übernatürliche Tugend, durch die wir von Gott mit Vertrauen erwarten, daß Er uns die ewige Seligkeit und allen zu ihrer Erlangung notwendigen Beistand gewährt.

Wie hängt also das katholische Priestertum damit zusammen?

Ausrichtung auf Gott

Zunächst lehrt uns das katholische Priestertum die grundsätzliche Ausrichtung des Menschen auf Gott. Genau das ist auch der Inhalt der Hoffnung. Sie ist eine göttliche Tugend, d. h. sie wird von Gott eingegossen, sie hat Gott zum Hauptgegenstand, sie führt uns zu Ihm. Gott ist also Urheber, Gegenstand und Ziel der Hoffnung. – Ähnlich muß man auch das katholische Priestertum verstehen. Der Priester ist an erster Stelle und vorwiegend für Gott da – das bestätigt z. B. das Schriftwort: „Ihr Priester Gottes, preiset den Herrn“ (Dan 3,84). Der Priester muß zunächst ein Mann Gottes sein, dann kann er auch die Seelen zu Gott führen.

Die grundsätzliche Ausrichtung unserer Existenz auf Gott lehrt uns sowohl die Hoffnung als auch das katholische Priestertum. Lassen wir uns nicht die richtige Definition des Priestertums nehmen, wie wir sie z. B. im Kompendium des heiligen Pius X. finden (vgl. Frage 814): Die Priesterweihe verleiht den unauslöschlichen Charakter des Gottesdieners. Der Priester ist also zunächst für den Gottesdienst geweiht, zunächst für Gott und dann erst für die Menschen, für das Heil der Seelen. – Vergessen wir diese von Gott gesetzte Reihenfolge, diese hierarchische Abstufung nicht.

Daraus erkennen wir, daß auch das Leben der Gläubigen (und überhaupt aller Menschen) grundsätzlich und zuallererst auf Gott ausgerichtet ist; wir sind für Gott erschaffen worden, für nichts Geringeres; das erste und höchste Gebot ist es, Gott aus all unseren Kräften zu lieben, dann erst können wir auch das zweite Gebot treu erfüllen, nämlich unseren Nächsten lieben wie uns selbst – und zwar wegen Gott (das Erste und Höchste, die Gottesliebe muß also auch der Beweggrund unserer Nächstenliebe sein, sonst entartet sie nur in eine naturalistische Mitmenschlichkeit oder in eine sentimentale Philanthropie).

Wegen dieser Ausrichtung auf Gott ist die Hoffnung für uns notwendig; auch das Priestertum besitzt seine Notwendigkeit. Das lehrt der heilige Papst Pius X. ganz klar: „Das katholische Priestertum ist in der Kirche notwendig, (1) weil die Gläubigen ohne dieses des heiligen Meßopfers und der meisten Sakramente beraubt wären, (2) weil sie niemand hätten, der sie im Glauben belehrte, und (3) weil sie wie Schafe ohne Hirten in der Gewalt der Wölfe wären; kurz, weil die Kirche [ohne Priester] nicht mehr fortbestehen würde.“ (Vgl. Kompendium, Frage 821.)

Das Ziel

Zweitens stellt uns die Hoffnung wie auch das Priestertum unser eigentliches Ziel vor Augen. Unser Ziel ist etwas, was alle irdischen Vorstellungen weit übersteigt. „Was kein Auge geschaut, kein Ohr gehört, was kein Menschenherz sich je gedacht hat, das hat Gott denen bereitet, die Ihn lieben“ (1Kor 2,9), das heißt auch auf Ihn hoffen.

Durch die Betrachtung des katholischen Priestertums soll unsere Hoffnung entfacht und gestärkt werden, so daß uns unser wahres Ziel wirklich fasziniert und mit Begeisterung erfüllt, denn was uns erwartet ist das Heil selbst, die ewige Seligkeit, die beglückende Schau Gottes selbst. „Es ist das größte und eigentliche Himmelsglück, Gott zu schauen und Ihn ewig zu besitzen. ‚[In diesem Leben] schauen wir Gott [nur unklar] rätselhaft, [im Himmel] aber von Angesicht zu Angesicht‘ (vgl. 1Kor 13,12). In Gott ist alles Glück und jegliche Seligkeit“ (Katechismus von Basel, Nr. 149).

Liebe Gläubige, bewahren wir das klare Bewußtsein unseres Ziels. Die heutige gottlose Welt, die verweltlichten modernistischen Kirchenmänner führen uns von diesem Ziel ab, sie vernebeln und verfälschen es. Die gegenwärtige Gottlosigkeit, der Modernismus bedeutet eine tragische „Einkerkerung in der Menschlichkeit“, wie es Erzbischof Marcel Lefebvre entlarvte. Der moderne Mensch ist sich selbst sein Ziel, sein eigenes höchstes Gut, gefangen in Selbst­bewunderung und Selbstverehrung, bestrebt nur seine „Lebensqualität“ zu erhöhen, seiner eigenen Zufriedenheit und seinem Erfolg nachzugehen. So verfällt der arme selbstsüchtige Mensch letztlich der „Egolatrie“, der Anbetung seines eigenen „Ichs“, und wird unfähig, den Geist auf etwas Höheres zu richten, unfähig, sich selbst zu verleugnen und in Gott sein wahres Ziel und Höchstes Gut zu erkennen.

Darum ist für uns das katholische Priestertum und die göttliche Tugend der Hoffnung so notwendig, durch sie beide erreichen wir die Sicherheit über unser Ziel.

In diesem Zusammenhang wollen wir ganz besonders den Wert des priesterlichen Zölibats erwägen, der heute so gering geschätzt und sogar verachtet wird. Der Zölibat zeigt uns eindeutig schon in diesem Leben, daß der Mensch (und zwar jeder Mensch) seine eigentliche Heimat im Himmel hat, wo alle wie Engel sind, sie nehmen nicht zur Ehe und werden auch nicht zu Ehe genommen (vgl. Mk 12,25). Der Gottgeweihte soll also schon hier auf Erden „wie ein Engel“ leben. Er verzichtet auf das Eheglück, auf das große und heilige Gut der Ehe gerade „um des Himmelreiches willen“ (Mt 19,12), wie es Christus lehrt und von Seinen geweihten Dienern verlangt. – Die heutige Geringschätzung des Zölibats hat vor allem zwei Ursachen: Einerseits die kleinliche Diesseitigkeit, bloße Innerweltlichkeit, die nicht bereit ist „um des Himmelreiches willen“ zu leben; und zweitens schaut man zu wenig auf den Heiland selbst, Jesus Christus lebte doch aus Prinzip den Zölibat und verlangte ihn auch von Seinen Aposteln (sogar von den schon verheirateten, was besonders streng war). Vergessen wir also nicht, in Jesus Christus unser höchstes Vorbild und den Maßstab aller Dinge zu sehen; der Heiland lebte im Zölibat, so muß auch Sein Priester leben, der doch ein „zweiter Christus“ ist.

Beistand Gottes

Die heilige Hoffnung ist allerdings auch eine im Alltag sehr wichtige und durchaus „praktische“ Tugend, denn sie läßt uns nicht nur darauf vertrauen, daß wir einmal in den Himmel kommen, sondern auch darauf, daß wir stets, in jeder Situation, in jeder Minute, auch den notwendigen Beistand Gottes erhalten, um uns unserem Ziel zu nähern.

„Wer auf Gott vertraut, hat nicht auf Sand gebaut“ (Katechismus von Basel, Nr. 24). Wir vertrauen fest auf Gott, weil Er uns sicher helfen kann und helfen will. Er kann uns helfen, weil Er allmächtig ist; Er will uns helfen, weil Er gütig und treu ist.

Nur muß sich der Mensch auch helfen lassen und die Hilfe Gottes suchen! Gegen die Hoffnung sündigt nicht nur der Verzweifelnde, sondern auch der Vermessene, der alles aus eigener Kraft erreichen will, der auf seine eigene Willensstärke töricht vertraut, der seinen „eigenen“ Weg gehen will, der sich einbildet, ein Titan zu sein. Die Vermessenheit ist äußerst töricht, denn sie vergißt die heilige Gottesfurcht, die doch der Weisheit Anfang ist. Solche Vermessenheit ist auch gotteslästerlich, denn Gott selbst hat uns eingeschärft: „Ohne Mich könnt ihr nichts zu tun“ (Joh 15,5). Nicht einmal einen Atemzug bringt der Mensch zustande ohne Gott, der jeden von uns ununterbrochen im Sein erhält. Das gilt schon für den natürlichen Beistand Gottes und noch mehr für den übernatürlichen. Darum betont der Heiland die grundsätzliche Wahrheit: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in Mir bleibt und in wem Ich bleibe, der bringt viel Frucht; denn ohne Mich könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5).

Der Mensch muß also den Beistand Gottes suchen, um in Christus bleiben zu können, um die heilsnotwendige Verbindung mit dem göttlichen Weinstock zu bewahren. Nun, die entscheidende Hilfe, den wichtigsten Beistand sendet uns Gott durch seine Priester.

Das katholische Priestertum ist also ein Zeichen der Hoffnung auch aus dem Grund, weil es uns im alltäglichen Kampf den Beistand Gottes vermittelt. Der Priester betet täglich für die ihm anvertrauten Seelen. (Regelmäßig rezitiert er im Göttlichen Offizium die Psalmen 24 und 70, die man als Hymnen der Hoffnung bezeichnen könnte, dort heißt es unter anderem: „Keiner, der auf Dich [o Herr] die Hoffnung setzt, wird enttäuscht. Schande trifft nur solche, die … die Treue brechen“ [Ps 24,3]. Und: „Du bist ja, Herr, meine Hoffnung, mein Vertrauen … von Jugend an“ [Ps 70,5].)

Der Priester wirkt auch als „Arzt der Seelen“, der sie durch die Sakramente heilt, stärkt und das übernatürliche Gnadenleben in ihnen vermehrt. Und er ist ganz besonders Mann der Hoffnung durch die Darbringung des heiligen Meßopfers. Schon zu Beginn der heiligen Messe, unter den Stufen des Altars wird die heilige Hoffnung geweckt: „Spera in Deo… Hoffe auf Gott [vertrau auf Ihn].“ Jede heilige Messe ruft unseren betrübten Seelen zu: „Spera in Deo… Hoffe auf Gott [vertrau auf Ihn].“ – Sehr sinnreich ordnet Erzbischof Marcel Lefebvre (vgl. Das Opfer unserer Altäre, S. 28) die göttlichen Tugenden den Hauptteilen der heiligen Messe zu: Der Opferung den Glauben, der Kommunion die Liebe und dem wichtigsten Teil der Messe, der Wandlung, entspricht gerade die heilige Hoffnung. Die Wandlung ist die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers und das Kreuz Christi ist unsere Hoffnung, wie es die Kirche in einem Hymnus singt: „O Crux, ave, spes unica – o Kreuz, sei gegrüßt, du einzige Hoffnung.“ Durch Sein Opfer hat Christus gesiegt, das Kreuz ist also unsere Hoffnung.

Durch die Hoffnung selig werden

Liebe Gläubige, sehr richtig sagte ein heiligmäßiger Priester: „Ich komme aus einem schönen Alpenland, doch nicht die Berge und Seen, nicht die Städte und Dörfer meiner Heimat interessieren mich am meisten, sondern das kleine runde weiße, das in unserem Tabernakel wohnt und von dem uns der Glaube sagt: Das ist das Allerheiligste, das ist Jesus Christus selbst; das ist Derjenige, durch den unsere herrlichen Berge und Seen gemacht worden sind, in Dem alles seinen Bestand hat, das ist Derjenige der unser Schöpfer und Erlöser ist, wahrer Gott und wahrer Mensch.“

Ähnlich könnte man sagen: Unser Nachprimiziant hat eine siebenstündige Autofahrt auf sich genommen, nicht um einen schönen Berg zu erklimmen, auch nicht um die Sehenswürdigkeiten Tirols zu bewundern, sondern nur aus dem einen Grund, um sich über den Altar zu beugen und unauffällig die Wandlungsworte zu sprechen, und so den allmächtigen Gott herabzurufen, um das Opfer unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus zu vergegenwärtigen.

Liebe Gläubige, das katholische Priestertum ist ein mächtiges Zeichen der Hoffnung. Mögen wir also ganz besonders bei der Wandlung, wenn sich der Priester in Stille über den Altar neigt, auch immer einen Akt der Hoffnung wecken: Durch Sein Opfer hat Christus gesiegt, das Kreuz (und die heilige Messe) ist also unser mächtigstes Siegeszeichen, unsere feste Hoffnung. Und es gilt: „Durch die Hoffnung werden wir selig“ (Röm 8,24).

Es bleibt nur mit dem Völkerapostel zu wünschen: „Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit jeglicher Freude und mit Frieden durch den Glauben, damit ihr überströmet von Hoffnung und von der Kraft des Heiligen Geistes“ (Röm 15,13).

Mit priesterlichem Segensgruß

Pater Jaromír Kučírek

Innsbruck, 9. II. 2018

Quelle: Gottesdienstordnung  • Fastenzeit 2018 • Priorat Maria Hilf • Innsbruck