FSSPX Nachrichten & Veranstaltungen

Karfreitag

14. April, 2017

Jesus stirbt am Kreuze

 1. Der Trauerfreitag der Kirche, der Gläubigen. Im Mittelpunkt der liturgischen Feier steht das Kreuz, an dem der Herr, dem Gebote des Vaters gehorsam, Sein Leben für uns Sünder hingibt. „Er hat mich geliebt und sich für mich hingegeben." (Gal 2,20)

2. Jesus stirbt am Kreuze. „Als man an dem Orte, der Schädelstätte heißt, ankam, kreuzigte man Ihn. Ebenso die Missetäter, einen zu Seiner Rechten, den andern zu Seiner Linken. Jesus aber betete: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Dann verteilten sie durch das Los Seine Kleider unter sich. Das Volk stand da und schaute zu. Die Mitglieder des Hohen Rates spotteten: „Andern hat Er geholfen; Er helfe sich selbst, wenn Er der Gesalbte Gottes, der Auserwählte ist." Auch die Soldaten verspotteten Ihn. Sie traten hinzu und reichten Ihm Essig mit den Worten: „Bist Du der König der Juden, dann hilf Dir selbst." Es war ungefähr um die sechste Stunde, da brach über das ganze Land eine Finsternis herein, die bis zur neunten Stunde dauerte. Die Sonne verfinsterte sich, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. Jesus rief mit lauter Stimme: „Vater, in Deine Hände befehle Ich Meinen Geist." Mit diesen Worten verschied Er (Lk 23,33ff). „Er ist gehorsam geworden bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze."

„O Herr, wer hätte je geglaubt, was wir jetzt (über den Messias) vernehmen? Und wem ist offenbar geworden der Arm des Herrn? Er (der Messias) wuchs empor wie ein Reis, wie aus dürrem Erdreich eine Wurzel. Nicht Schönheit hat Er oder Gestalt, um unsern Blick auf sich zu ziehen. Verachtet ist Er und der Letzte unter den Menschen, ein Mann der Schmerzen, der weit, was Siechtum ist. Gleich dem, der sich verhüllen muss, verachtet, so dass man Ihn nicht ansehen mag." (Is 53,iff) „O ihr alle, die ihr des Weges gehet, habt acht und sehet, ob ein Schmerz gleich sei meinem Schmerz." (Klagel 1,12) Sein heiliger Leib ist von den Geißelhieben zerfleischt, eine einzige brennende, klaffende Wunde! Die Dornenkrone schmerzt, der Durst quält und martert Ihn.


Zu den Leiden des Körpers kommen die seelischen Leiden. Er schaut das verblendete Volk, das Ihn verworfen: „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder." Er hört die Spottreden der Feinde. Er schaut den Undank der Christen, der vielen, die für Ihn, Seine Liebe, Seine Hingabe in den Tod nur Gleichgültigkeit und Kälte haben. Was liegt ihnen daran? Sie haben andere Interessen. Sie haben für Ihn nichts übrig. Sie nehmen die Gnaden, die Er ihnen mit unendlicher Mühe und unter so viel Opfern erworben hat, nicht an, missbrauchen sie und verlieren durch eigene Schuld ihre Seele, ihr wahres Glück, das Er ihnen mit Seinem Blut und Leben erworben hatte. Wie dieser Undank, diese Verblendung Ihn schmerzt! Ich wollte dich retten: „Du aber hast nicht gewollt." Wir sind Maria und Johannes am Kreuze des Herrn und leiden in innigster Teilnahme Seine Qualen und Leiden mit.

Jesus stirbt an unserer Statt. „Unsere Leiden trug Er, und unsere Schmerzen (d. i. die Strafe, die wir für unsere Sünden verdient hatten) nahm Er auf sich. Wir hielten Ihn für einen mit dem Aussatz Behafteten, für einen, den Gott geschlagen und zunichte gemacht hat. Er aber ist verwundet worden um unserer Missetaten willen. Er ist zerschlagen wegen unserer Sünden. Unseres Friedens wegen (d. i. damit wir die Versöhnung, Gemeinschaft mit Gott haben) hat Ihn die Züchtigung getroffen, und durch Seine Wunden wurden wir geheilt. Wir alle sind wie Schafe abgeirrt: ein jeder wich von seinem Wege ab. Da legte der Herr auf Ihn unser aller Missetaten." (Is 53,4ff) Die Beleidigung Gottes, die in der Sünde liegt, kann kein Sterblicher sühnen, nicht einmal ein Engel. „Suche nicht nach einem Bruder (Menschen), der dich erlöse, sondern nach dem einen, der deine Natur weit überragt, nach dem Gottmenschen Jesus: Er allein kann Genugtuung leisten." (hl. Basilius) Er ist über allen, darum kann Er alle erlösen. Er nahm unsere Schuld auf sich. Er zerriss den Schuldbrief, der gegen uns zeugte, und heftete ihn ans Kreuz (Eph 1,7). „Wir sind (aus der Gefangenschaft der Sünde, Satans, der ewigen Hölle) losgekauft, nicht mit vergänglichem Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren Blute des unbefleckten Lammes." (1 Petr 1,18) „Durch Seine Wunden sind wir geheilt." Was Er leidet, haben wir verdient und hätten von Rechts wegen wir zu leiden. Er nimmt uns das Leiden, das wir verdient hatten, ab, da wir doch nie Sühne leisten und uns die Verzeihung und die Erlösung erwerben könnten. Er trägt, was wir zu sühnen hatten, an Seinem eigenen Leibe und in Seiner eigenen Seele! „Eine größere Liebe hat niemand, als diese ist, dass einer sein Leben für seine Freunde hingibt." (Joh 15,3) Und erst für seine Feinde? Das tat Jesus!

3. Jesus stirbt für uns, für jeden von uns persönlich. Der Tod ist der Sünde Sold. Alle Folgen der Sünde, aller Schmerz, alle Not des Lebens drängen sich im Tode zusammen. Gottes Gerechtigkeit hat in nichts so tief und so greifbar den Menschen erfasst wie in der Angst und in den Schauern des Todes. Vor dem Tode bebt jede Kreatur. Nichts ist so sehr die natürliche Strafe der Sünde wie der Tod, der gewaltsam die Fäden durchschneidet, welche die Seele an den Leib und an die Erde fesseln: denn die Sünde hat zuerst das Band zerrissen, mit welchem sie an Gott gebunden war. Und Er, unser Heiland, gibt sich, um unseretwillen, freiwillig in den Tod. Das ist Seine Liebe, „stark wie der Tod". Der furchtbarste Ausdruck der göttlichen Gerechtigkeit, der Tod, wird die höchste Tat Seiner Liebe. Sein tiefstes Leiden wird Seine höchste Tat der Liebe zu uns, zu mir!

Jesus stirbt für uns. Er opfert Seinen Leib. Und indem Er Seinen Leib opfert, hat Er den Leib der Menschheit, den Leib des Todes, in dem die Sünde wohnt, ans Kreuz geschlagen. Er hat unsere sündige Natur in die reinigende, sühnende Glut Seiner Opferflamme, in das reinigende, heilende Bad Seines Blutes eingetaucht: sie geht wiedergeboren, reif für die Kindschaft Gottes und für die ewige Verklärung, daraus hervor.

Jesus stirbt für uns, an unserer Statt! Geheimnisvolle Ordnung! Der Ungerechte sündigt, der Gerechte wird gestraft. Der Schuldige begeht das Verbrechen, der Unschuldige büßt es. Der Herr bezahlt, was der Knecht verbrochen. Gott übernimmt, was der Mensch verschuldet. Meine Ungerechtigkeit und Gottes Gerechtigkeit und Liebe. Das tut Gott für mich? Was tue ich für Ihn?

Gebet.

Wir bitten Dich, o Herr, schau auf diese Deine Familie hernieder, für die unser Herr Jesus Christus bereitwillig den Händen der Frevler sich ausliefern ließ und die Marter des Kreuzes erduldete. Der mit Dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Mein Volk, was habe Ich dir getan? Womit betrübt' Ich dich? Antworte Mir! Weil Ich dich aus dem Lande Ägypten herausgeführt, hältst du das Kreuz bereit für deinen Heiland. Weil Ich dich durch die Wüste geleitet und mit Manna gespeist; weil Ich dich in ein Land führte, so überaus gut, hältst du das Kreuz bereit für deinen Heiland. Was hätte ich dir noch mehr tun sollen und tat es nicht? Als Meinen schönsten Weinberg pflanzte Ich dich, und so bitter wurdest du Mir; mit Essig stillest du Meinen Durst, und mit der Lanze durchbohrst du deinem Heiland die Brust. 


Ich war's, der dir zuliebe Ägypten schlug samt seiner Erstgeburt; und du, du überlieferst Mich zur Geißelung. Mein Volk, was habe Ich dir getan? Womit betrübt' Ich dich? Ant­worte Mir! Ich war's, der aus Ägypten dich geführt, der untergehen ließ den Pharao im Roten Meer; und du verrätst Mich an die Hohenpriester. Mein Volk, was habe Ich dir getan? Ich war's, der vor dir aufgetan das Rote Meer; und du tust Meine Brust auf mit einer Lanze. Ich war's, der dich mit Manna nährte in der Wüste; und du gibst Backenstreiche Mir und Geißelhiebe. Mein Volk, was habe Ich dir getan? Womit betrübt' Ich dich? Antworte Mir! Ich war's, der dir ein Königszepter gab; und du gibst Meinem Haupte die Dornenkrone. Mein Volk, was habe Ich dir getan? Womit betrübt' Ich dich? Antworte Mir! Ich war's, der dich gar hoch erhob durch große Macht; und du hängst hoch Mich auf am Kreuzesgalgen. Mein Volk, was habe Ich dir getan? Womit betrübt' Ich dich? Antworte Mir! —Wir antworten mit dem Ausdrucke unserer Dankbarkeit und Hingabe. „Heiliger Gott! Heiliger Starker! Heiliger Unsterblicher, erbarme Dich unser."

 

Karfreitag

Jesus der König

1. Jesus zum Tode verurteilt und gekreuzigt! Pilatus, der Vertreter der römischen Weltmacht, stellt Christus den Juden als ihren „König" vor. Das Volk aber verwirft ihn und tauscht heute, am Karfreitag, die Gottesherrschaft gegen die Herrschaft des römischen Kaisers ein. „Wir haben keinen König als nur den (römischen) Kaiser." Mit der Verwerfung Jesu hat das arme Volk sein Schicksal für immer besiegelt. Niemand kann ja Jesus verwerfen, ohne dadurch sich selber zu verwerfen und zu verderben.

2. Jesus, der von Seinem Volke verworfene König. Es ist, als ob der heilige Evangelist Johannes in seinem Berichte über die Verurteilung Jesu uns mit Nachdruck auf die königliche Haltung hinweisen wollte, mit welcher der Herr in das Leiden eintritt, mit welcher Er es besteht und mit welcher Er nach drei Tagen wieder unter den Seinen erscheint. „Bist Du der König der Juden?" fragt Pilatus. Jesus antwortet ihm: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt." „Also bist Du doch ein König?" „Ja, Ich bin ein König. Dazu bin Ich geboren und in die Welt gekommen, dass Ich für die Wahrheit Zeugnis gebe." Die Soldaten setzen Ihm eine Krone von Dornen auf das Haupt und höhnen Ihn: Sei gegrüßt, Du König der Juden." Pilatus setzt sich auf den Richterstuhl.

„Es war der Rüsttag (Freitag), ungefähr um die sechste Stunde. Er sprach zu den Juden: „Euern König soll ich kreuzigen?" Sie antworten.„Wir haben keinen König als den Kaiser." Als König hängt Jesus am Kreuze. So bezeugt es die Überschrift: „Jesus von Nazareth, König der Juden." Wie ein König verfügt der Herr über Seinen Leib. Als die Soldaten die Gebeine der beiden zerschlagen hatten, die mit Jesus gekreuzigt worden waren, kamen sie zu Jesus. „Sie zerschlugen Ihm die Gebeine nicht, sondern einer der Soldaten öffnete Seine Seite mit einer Lanze." So war es vorhergesagt: „Ihr sollt an Ihm kein Bein zerbrechen." (Ps 33,21) Wir erkennen in dem Gekreuzigten heute den König, unsern König, und huldigen Ihm. Wie ist Er verdemütigt, geschmäht, verworfen: Er, der König!

„Er hat sich zum Sohne Gottes gemacht." Das ist die Anklage, mit welcher die Hohenpriester zu Pilatus kommen. Das ist der Rechtsgrund, auf den hin sie Ihn des Todes schuldig erklären. Für Sein Zeugnis, dass Er der Sohn Gottes sei, erleidet Jesus den Tod. Er unterschreibt es mit Seinem Blut. Der Evangelist aber erkennt hinter dem, was die Menschen urteilen und sagen, das geheimnisvolle, unsichtbare Wirken Gottes, des Vaters. Kaiphas, der Hohepriester, hat den Mitgliedern des Hohen Rates erklärt: „ihr wißt und bedenkt nicht, dass es für uns besser ist, wenn ein Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zu Grunde geht."

„Das sagte er aber nicht aus sich selbst", bemerkt Johannes, „sondern weil er der Hohepriester jenes Jahres war, weissagte er, dass Jesus für das Volk sterben werde. Doch nicht bloß für das Volk sollte Er sterben, sondern auch um die zerstreuten Kinder Gottes zu sammeln und zu vereinen." (Joh 11,50ff) Nach Gottes Ratschluss ist Er auch für uns gestorben, für alle, die zur Kindschaft Gottes berufen sind, um uns vor dem ewigen Verderben zu bewahren und zur Kindschaft Gottes zu erheben. In Seinem Kreuzestode hat Er das Reich Gottes, das Reich der Kindschaft Gottes auf Erden, begründet. Heute. am Gründungstage, am Tage der Erlösung drängt sich die Kirche um das Kreuz und fleht, Er möge das Reich, das Er in Seinem Blute am Kreuze gegründet, erhalten, ausbreiten und der Enderlösung entgegenführen. Wir schließen uns den ergreifenden Fürbitten der heiligen Kirche an. Sie sind heute besonders wirksam.

3. Gegenüber dem Unglauben des Volkes Israel bekennen wir: "Du bist der Sohn des lebendigen Gottes. Du allein der Heilige, Du allein der Herr. Du allein der Allerhöchste, Jesus Christus, zusammen mit dem Vater und dem Heiligen Geiste."

Wir erwählen den Gekreuzigten zu unserem König und Herrn. Deshalb vereinigen wir uns mit der heiligen Kirche und machen wir die Verehrung des heiligen Kreuzes (d. i. des im Kreuze symbolisierten Herrn) mit. „Seht das Holz des Kreuzes, an welchem das Heil der Welt gehangen hat. Kommt, lasst uns anbeten!" „Heiliger Gott! Heiliger Starker! Heiliger Unsterblicher, erbarme Dich unser." „Dein Kreuz verehren wir, o Herr, wir preisen und verherrlichen Deine heilige Auferstehung. Denn sieh, durch das Holz entstand Freude in aller Welt."

Gebet.

Wir bitten Dich, o Herr, schaue hernieder auf diese Deine Familie, für die unser Herr Jesus Christus sich bereitwillig den Händen der Frevler ausliefern ließ und die Marter des Kreuzes erduldete, der mit Dir lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Bild: Santa Croce in Gerusalemme