FSSPX Nachrichten & Veranstaltungen

Leugnet Franziskus die Hölle?

13. April, 2018

Der Vatikan spielt ein weiteres Hütchenspiel mit der Wahrheit

Steve Skojek*, onepeterfive.com, 29.3.2018
 

Einem Irrtum, dem man sich nicht widersetzt, wird zugestimmt; eine Wahrheit, die man nicht verteidigt, wird unterdrückt... Derjenige, der sich einem offensichtlichen Verbrechen nicht entgegengestellt, ist unter dem Verdacht ein geheimer Komplize zu sein.“ – Papst Felix III.

Die Geschichte Der Vatikan ist voller Häretiker und Lügner zu erzählen, bin ich unglaublich überdrüssig geworden. Diese Leier ist nicht nur allbekannt, sondern ist wie die Nadel am Plattenspieler hängengeblieben, und wiederholt sich dauernd bei voller Lautstärke.

Die neueste Episode kommt nach meiner inoffiziellen Schätzung aus dem siebten, achten oder neunten veröffentlichten Gespräch des Papstes mit dem über neunzigjährigen atheistischen Redakteur der italienischen Zeitung La Repubblica – ein Mann berühmt für seine Interview-Methode, die sich weder auf Sprachaufzeichnungen noch auf Notizen stützt, sondern nur auf die Gespräche, die er später aus dem Gedächtnis rekonstruiert. Ich müßte zurückgehen und ein jedes einzelne heraussuchen und zählen, aber das ist eine Stunde meines Lebens, die ich nie wieder zurückbekäme; und nach fünf oder sechs, wird das Ganze sowieso ein bedeutungsloses Durcheinander. Wie die berühmte Frage eines von Amerikas berüchtigtsten politischen Geistern: „Was für einen Unterschied macht das noch an diesem Punkt?!“

So wie viele Male zuvor, sagt Scalfari, er und der Papst hätten über die Hölle gesprochen, insbesondere darüber, daß sie nicht wirklich existiert:

(Scalfari:) „Ihre Heiligkeit, während unseres letzten Treffens sagten Sie mir, daß zu einem gewissen Zeitpunkt unsere Art verschwinden wird, und Gott durch Seinen schöpferischen Samen andere Arten erschaffen wird. Sie haben mir nie von Seelen gesprochen, die in der Sünde sterben und in die Hölle fahren, um dort für alle Ewigkeit zu leiden. Sie haben mir hingegen von guten Seelen gesprochen, die zur Anschauung Gottes gelangen. Aber die bösen Seelen? Wo werden sie bestraft?“

(Franziskus:) „Sie werden nicht bestraft. Jene, die bereuen, erhalten die Vergebung Gottes und reihen sich unter die Seelen ein, die ihn betrachten. Aber jene, die nicht bereuen, denen kann nicht vergeben werden und sie verschwinden. Es gibt keine Hölle, nur das Verschwinden der sündigen Seelen.“

Ich mache eine kurze Pause für jene, die noch staunen können, damit sie den Mund wieder schließen können.

Scalfari ist nicht ehrlich (oder er leidet unter einer seltsamen Gedächtnislücke), wenn er sagt, daß der Papst vorher nie mit ihm darüber sprach. Tatsächlich ist diese Aussage bezeichnend für das einzigartige Problem, das Scalfari denen bereitet, die zu unterscheiden versuchen, was man von dieser Darstellung der Gedanken des Papstes glauben soll. Scalfari hat uns in der Vergangenheit allerdings andere Beispiele zu diesem Thema gegeben. Zum Beispiel erzählte uns Scalfari im Oktober 2017, daß der Papst, zusammen mit seinem handverlesenen Perversling Erzbischof Vincenzo Pagalia (Leiter der Pontifikalen Akademie für das Leben und des Johannes-Paul II Institutes)  glaube, daß „die Seelen, die vom Bösen beherrscht werden und nicht bereuen, zu existieren aufhören, während jene, die vom Bösen befreit sind, in die Glückseligkeit zur Anschauung Gottes aufgenommen werden.“

Früher im gleichen Jahr hatte Scalfari behauptet, daß der Papst gesagt habe: „In tausend Jahren oder so wird die menschliche Spezies ausgelöscht sein, und die Seelen werden eins werden mit Gott.“

Und 2015 hätte das dynamische Duo über Franziskus’ bizarre Eschatologie diskutiert, mit ähnlichen Ergebnissen:

„Was geschieht mit dieser verlorenen Seele? Wird sie bestraft werden? Und wie? Die Antwort von Franziskus ist eindeutig und klar: Es gibt keine Strafe, sondern nur eine Auslöschung dieser Seele. Alle anderen werden in der Glückseligkeit eines Lebens in der Gegenwart des Vaters teilhaben. Die annihilierten Seelen werden an diesem Bankett nicht teilnehmen; mit dem leiblichen Tod ist ihre Reise beendet.“

Es gibt solche, die sich viel Mühe gaben, alle Scalfari Interviews wegzureden – jedes enthält anscheinend ein oder zwei Bomben –, indem sie auf die Ungenauigkeit der Interviewmethode hinweisen, die sich bei der Rekonstruktion eines undokumentierten Gespräches auf das Gedächtnis eines 93 jährigen Mannes stützt.

Aber inzwischen ist es klar, daß sich der Papst auf ebendiese Entschuldigung verläßt. Wenn er mal wieder seine ‘Freak’-Flagge in den Wind hängen will, um seine höchst kontroversen Ideen ohne Furcht auf Rechenschaft publik zu machen, ruft er einfach seinen alten Freund Eugenio an, und hißt seine wildesten Theorien an der Fahnenstange. Sobald sich diese unter der Masse verbreiten, wird das vatikanische PR-Team (für Öffentlichkeitsarbeit) zum Rotieren gebracht, während der Papst nirgendwo zu finden ist; wodurch er bei jedem den unausweichlichen Eindruck hinterläßt: Ja, natürlich hat er das gesagt, aber man kann ihn nicht wirklich zitieren, oder doch?

Wie bereits vorher, hat der Vatikan zur angeblichen Leugnung der Hölle eine Erklärung abgegeben, die weder ein Dementi noch eine Bestätigung der Behauptung des Papstes ist. Wie immer gibt man uns eine zweckdienliche und völlig unüberzeugende Entschuldigung:

‘Der Heilige Vater hat jüngst den Gründer der Tageszeitung La Repubblica wegen Ostern zu einem Privattreffen empfangen, ohne ihm ein Interview zu geben. Was vom Autor im heutigen Artikels berichtet wird, ist das Ergebnis seiner eigenen Rekonstruktion, in der nicht das vom Papst wörtlich Gesagte zitiert wird. Nichts vom genannten Artikel, das unter Anführungszeichen steht, ist daher als getreue Wiedergabe der Worte des Heiligen Vaters zu verstehen.’

Wieder die alte Leier, alle dieselben Noten in ungefähr derselben Reihenfolge.

Wie ich in meiner Untersuchung des Scalfari-Phänomens im November 2015 berichtete, sind diese unechten Dementi nichts als der Versuch, aus Zehn ein Dutzend zu machen. Eines meiner bevorzugten ist dieses:

Fr. Thomas Rosica, der Zuständige für die englische Sprache bei der Presse-Agentur des Heiligen Stuhls berichtete bei LifeSiteNews: „Alle offiziellen und fertigen Texte des Heiligen Vaters befinden sich auf der Website des Vatikans, und weil diese nie veröffentlicht wurden, „darf man sie nicht als offizielle Texte betrachten.“ Sie waren nach Fr. Rosica „private Diskussionen, die nie von dem Journalisten aufgenommen wurden.“

Da schau her? Wenn es nicht auf der Internetseite des Vatikans erscheint, hat es nie stattgefunden. Wen kümmert es, daß der Papst daran teilgenommen hat, daß die weltweiten Medien es berichten und daß jeder, der es liest, es auch glaubt? Genauer gesagt, wen kratzt es, daß weder der Papst noch der Vatikan den kleinsten Versuch gemacht haben, irgendeine dieser Monstrositäten zu korrigieren, die in über einer halben Dutzend Interviews enthalten sind?

Natürlich, zumindest eines der Interviews, das erste, welches den Ball zum Rollen brachte, erschien auf der Internetseite des Vatikans. Bevor es Ende 2013 entfernt wurde. Dann 2014 wiedererschien. Dann verschwand es wieder.

Dasselbe Interview erschien auch, zusammen mit anderen Scalfari-Interviews, in einem nur italienisch erschienen Buch namens Interviews und Gespräche mit Journalisten (Interviste e Conversazioni con i Giornalisti), veröffentlicht von der Libreria Editrice Vaticana (das offizielle Presseorgan des Vatikans). Wie der italienische Journalist und Autor Antonio Socci 2015 schrieb, wurden „die Interviews des Bergoglio Papstes mit Scalfari... nie bestritten.“ Er fährt fort, „Tatsächlich wurden sie in voller Länge im L´Osservatore Romano wiederveröffentlicht, ebenso in einem vom argentinischen Papst unterzeichneten Buch von der Libreria Editrice Vaticana. So sind sie in Wirklichkeit offiziell...“

Es gibt in der Tat eine Kunst eines nach Dementi schmeckendes non-Dementi. Wir müssen uns im Kern der Sache aber daran erinnern, daß der Papst immer die Macht hat, die Darstellung seiner Worte zu korrigieren. Wie der frühere päpstliche Pressesprecher P. Frederico Lombardi Oktober 2013 berichtete: Von Reportern über die Verläßlichkeit der direkten Zitate bedrängt, sagt Lombardi am 2. Oktober, daß der Text genau den „Sinn“ der päpstlichen Aussage enthalte, und daß Franziskus, falls seine Gedanken ‘schwer mißrepräsentiert’ wären, er dies gesagt hätte.

Er hätte es gesagt.

Aber er hat nie etwas gesagt. Er tut es nie.

Das heißt, daß egal wie das vatikanische Kommunikationsteam die Glaubwürdigkeit Scalfaris bezweifelt, Franziskus ist durchaus zufrieden mit der Weise, wie seine Gedanken dargestellt werden. Und wie mein Freund Michael Brendan Dougherty, ein Schreiber der National Review, heute getweetet hat, „An einem Vatikan, der keine spezielle Erklärung über die Worte des Papstes machen will, aber sich auf katholische Medien stützt, genau den Reporter, den der Papst selbst erwählt hat, als Atheist und Übertreiber darzustellen, ist etwas Unredliches“.

Und falls wir wirklich bezweifeln, daß dies es ist was der Papst über die Hölle denkt, gibt es da noch den kleinen Abschnitt von Amoris Laetitia 297, wo steht: „Niemand kann für immer verdammt werden, weil das nicht die Logik des Evangeliums ist!“ Dieser kleine ‘Edelstein’, „falls er dahingehend verstanden wird, daß kein Menschen zu einer ewigen Strafe in der Hölle verdammt werden kann oder wird“, wurde von einer Gruppe von 45 internationalen Theologen und katholischen Gelehrten im Jahr 2016 als „häretisch und der Heiligen Schrift widersprechend“ bezeichnet. Und wie der Vatikan-Journalist Edward Pentin ans Licht brachte, predigte Franziskus letztes Jahr, daß „alles gerettet sein wird – alles“, und daß es am Ende der Geschichte ein „gewaltiges Zelt“ geben wird, „wo Gott die ganze Menschheit willkommen heißen wird, um mit ihr ohne Ende zusammenzuwohnen“. Er sagte auch, das Gericht sei nicht zu fürchten, weil „sich am Ende unserer Zeit der barmherzige Jesus befindet.“

Für den durchschnittlichen Katholiken bietet die Situation ein anderes, mehr pragmatisches Problem. Der katholische Berichterstatter und Journalist Damian Thompson hat heute getweetet: „Es ist nicht der Liberalismus dieses Pontifikats, der mich stört. Es ist die Verlogenheit.“

Die Frustration über eine weitere skandalöse Aussage des Papstes zu Beginn des österlichen Triduums ist ein Gefühl, das von Katholiken auf allen sozialen Plattformen widerhallt. Ihre Verbitterung hat den Höhepunkt erreicht.

Eine Frau, Konvertitin und Mutter einer großen Familie, mit der ich diesen Morgen sprach, fragte mich, wie sie ihre Kinder im Glauben unterrichten solle, wenn sie gleichzeitig lehren müsse, man könne dem Papst nicht trauen. Sie gestand mir ihre Frustration über das was in der Kirche vorgeht. „Es ist schlimm genug, unseren Kindern beizubringen, gegen die Gesellschaft zu kämpfen. Müssen wir nun auch gegen die Kirche kämpfen?“

Mit ‘Lettergate’ I und II noch frisch im Gedächtnis, haben die Gläubigen nun allen Grund zu glauben, der Vatikan manipuliere, unterdrücke oder fabriziere die Wahrheit je nach Laune, solange es ihrer bevorzugten (Version der) Geschichte hilft. Mit anderen Worten, nachdem sie so lange schon mit der Wahrheit komm und geh! gespielt haben, gibt es für uns überhaupt keinen Grund mehr ihnen zu glauben, wenn sie uns weismachen wollen, es wäre der Andere, dem man nicht trauen kann.

Bis also Franziskus eine korrigierende Erklärung veröffentlicht, ist unsere einzig vernünftige Wahl, Scalfaris Aussage als ‘Evangelium’ anzunehmen.

Es scheint, Papst Felix wußte, worüber er sprach.

* Steve Skojek ist Gründer und Chefredakteur des US-amerikanischen Nachrichtenportals Onepeterfive.com – Rebuilding Catholic Culture. Restoring Catholic Tradition. Dort erschien obiger Artikel im englischen Original unter dem Titel Did Francis Deny Hell Exists? Vatican Plays Another Shell Game With the Truth: https://onepeterfive.com/did-francis-deny-hell-exists-vatican-plays-another-shell-game-with-the-truth/