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Offenbarung und Ursprung der Religionen im Modernismus

12. Oktober, 2017

110 Jahre der Enzyklika Pascendi von hl. Pius X. – Die Antimodernimus­enzyklika in katechetischer Form

Was finden die Modernisten noch in diesem vorgeblichen religiösen Gefühl?

„Sie finden in diesem Gefühl nicht nur den Glauben, sondern mit und in diesem Glauben, wie sie ihn verstehen, behaupten sie auch, die Offenbarung zu haben.“

Inwiefern ist die Offenbarung darin enthalten?

„Was würde denn jemand zur Offenbarung noch mehr verlangen? Warum sollte man es nicht Offenbarung oder wenigstens den Anfang der Offenbarung nennen, wenn dieses religiöse Gefühl im Bewußtsein entsteht? Warum sollte man nicht sagen, daß Gott selbst in diesem Gefühle sich zeige, wenngleich noch etwas undeutlich? Sie sagen ferner: weil Gott zugleich Gegenstand und Ursache des Glaubens ist, so ist auch diese Offenbarung über Gott und von Gott; Gott ist in ihr zugleich der Offenbarende und der Geoffenbarte.“

Welche unvernünftige Lehre folgt aus diesen modernistischen Träumereien?

„Daher kommt die widersinnige Behauptung der Modernisten, daß jede Religion zu gleicher Zeit eine natürliche und eine übernatürliche sei, je nach dem verschiedenen Standpunkt, von dem aus sie betrachtet wird. Daher kommt es auch, daß sie Bewußtsein und Offenbarung als gleichbedeutende Begriffe hinstellen.“

Welch höchstes und allgemeines Gesetz wollen sie hieraus aufstellen?

„Daher ihr Gesetz, demgemäß das religiöse Bewußtsein als die allgemeine Norm aufgestellt wird, die gleichen Wert hat mit der Offenbarung, der alle sich unterwerfen müssen, sogar die höchste kirchliche Gewalt, ob sie Lehren oder Kultus- und Displinargesetze aufstelle.“

Ursprung der Religionen im besonderen

Nach den Aussagen der Modernisten wäre also das religiöse Gefühl der Keim aller Religion und die vollständige Erklärung der ganzen Religion?

„Ja das religiöse Gefühl, das kraft der vitalen Immanenz aus den Tiefen des Unterbewußtseins entspringt, ist der Keim aller Religion und der Grund von allem, was je in einer Religion war oder je noch sein wird.“

Wie entwickelte sich dieses religiöse Gefühl?

„Anfangs war dieses religiöse Gefühl roh, und gleichsam formlos, allmählich entwickelte es sich dann unter dem Einfluß jenes geheimnisvollen Prinzips, von dem es herstammt, in gleichem Fortschritt mit dem menschlichen Leben, da es ja, wie gesagt, nur eine Äußerung dieses Lebens ist.“

Entstanden alle Religionen, auch die übernatürliche, auf diese Weise?

„Das ist der Ursprung einer jeden Religion, auch der übernatürlichen: sie sind nämlich alle nur Entfaltungen des religiösen Gefühles. Es erwarte niemand eine Ausnahme für die katholische Religion; sie ist den anderen ganz gleichzustellen.“

Welches war demnach die Entstehung der katholischen Religion?

„Sie ist entstanden im Bewußtsein Christi, dieses Mannes von ganz auserlesener Natur, dem niemals irgendein Mensch gleich gewesen ist oder gleich sein wird, durch den Vorgang vitaler Immanenz und nicht anders. – Man ist voll des Staunens, wenn man solch verwegene Behauptung, solche Gotteslästerung hört!“

Und derartiges sollen Katholiken und Priester sagen?

„Und solche kühne Behauptungen sind nicht nur von Ungläubigen ausgesprochen worden. Katholische Männer, ja sogar mehrere Priester haben dies öffentlich bekannt; dazu rühmen sie sich noch, mit solchem Wahnsinn die Kirche erneuern zu wollen!“

Scheint dies nicht der alte Irrtum des Pelagianismus zu sein, oder ist es noch mehr?

„Es handelt sich hier nicht allein um den alten Irrtum, wonach der menschlichen Natur gewissermaßen ein Recht auf die übernatürliche Ordnung zugeschrieben wurde. Man ist viel weiter gekommen; man behauptet, unsere heilige Religion sei, im Menschen Christus und in ganz gleicher Weise auch in uns, einzig und allein aus unserer eigenen Natur geboren. Es kann nichts mehr geben, was geeigneter wäre, jede übernatürliche Ordnung zu zerstören.“

Was lehrt diesbezüglich das [I.] Vatikanische Konzil?

„Deshalb hat das [I.] Vatikanische Konzil mit allem Recht bestimmt: ‚Wenn jemand behauptet, der Mensch könne nicht von Gott zu einer Erkenntnis oder zu einer Vollkommenheit erhoben werden, welche die natürliche überragt, sondern er könne und müsse in beständigem Fortschritt aus sich selbst schließlich zum Besitze alles Wahren und Guten gelangen, so sei er im Banne‘ (De Revel. can 3).“

Quelle: J. B. Lemius OMJ, Der Modernismus. Katechismus über den Modernismus nach der Enzyklika Pascendi dominici gregis von P. Pius X., Rex Regum Verlag, Jaidhof 2003.