Predigt zu Pfingsten 2019

08 Juni, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Und es wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt“ (Apg 2,4)

Im Namen des Vaters …

Liebe Gläubige!

Wenn man einem guten Freund ein Geschenk macht, soll man womöglich ein wirklich brauchbares wählen. Was hat zum Beispiel ein Blinder von einem Bilderbuch? Er kann nichts damit anfangen. Oder was hat ein Lahmer von einem Fahrrad? Gar nichts! Der Liebe Gott macht - Gott sei Dank - Geschenke ganz anderer Art!

Bei der Himmelfahrt hatte der Heiland seinen Aposteln ein herrliches Geschenk in Aussicht gestellt. Und am hohen Pfingstfest sind sie dann wirklich in den Besitz desselben gelangt. Wir können uns nun fragen, ob dieses Pfingstgeschenk ein brauchbares war für die Apostel und ob es vielleicht auch überaus brauchbar wäre für einen jeden von uns.

Bereits am Vorabend seines Leidens hatte Christus den betrübten Aposteln den Gegenstand dieses Pfingstgeschenkes sehr ausführlich beschrieben. „Der Tröster aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen sendet wird Euch alles lehren und euch alles in Erinnerung bringen, was immer ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26). Was für eine unglaubliche Wirkung hatte dann die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel. Feurige Zungen schwebten über ihre Häupter hernieder. Wie aber ein helllodernder Feuerbrand plötzlich alle Nebel und Finsternisse aus einem düsteren Raum verscheucht und alles mit den Wogen seines Lichtes durchflutet, so strömten nun den Aposteln durch dieses Feuer ungeahnte Kenntnisse zu und vertrieben alle Zweifel und Unklarheiten. Sofort treten sie auf vor der versammelten Menge und predigen die tiefen Geheimnisse, welche Jesus Christus sie während seines Erdenwandels gelehrt hatte. Das taten sie aber zum großen Erstaunen aller in einer so lichtvollen Weise und unwiderstehlichen Kraft, dass noch am selben Tag dreitausend Seelen sich der heiligen Kirche anschlossen. Wir sehen klar, wie wunderbar und höchst brauchbar das Pfingstgeschenk für die Apostel war.

Und wäre dieses Geschenk nicht auch höchst brauchbar für uns? Niemand von uns, liebe Gläubige, wird diese Frage verneinen. Aber haben wir wirklich die Dringlichkeit und Notwendigkeit vor Augen, dass auch wir so sehr den Heiligen Geist brauchen, dieses Licht, das alle Finsternis aus unserer Seele vertreibt?

Aber wie steht es da wirklich um uns? Haben wir nicht alle dieses Pfingstgeschenk empfangen? Denken wir heute und immer daran, dass die glorreiche Herabkunft des Heiligen Geistes auch in unserem Leben stattgefunden hat? Es war am Tag unserer Firmung, als der Bischof und mit dem Chrisam salbte und die Hände auflegte. Seit diesem Augenblick befindet sich die Firmgnade als kostbare Perle in uns. Leider wird sie aber von vielen Katholiken und vielleicht auch von uns, auch von jenen die im Stand der heiligmachenden Gnade sich befinden, nicht hinreichend geschätzt und infolgedessen auch nicht hinreichend ausgenutzt.

Kaum sind die feurigen Zungen über den hl. Petrus gekommen, so steht er auf und hält seine große und mutige Pfingstpredigt. Bezichtigt er darin nicht ohne alle Umschweife und ohne alle Verschleierung seine Zuhörer der Kreuzigung des Messias? Es ist derselbe Petrus, der vor knapp zwei Monaten wegen einer dummen Magd nicht einmal den Mut hatte, sich als Jünger Christi zu bekennen. Und doch muss er jetzt umso mehr wissen, dass seine freimütige Predigt ihm Gefängnis und Tod bringen konnte. Und bald schon, nach der Heilung des Lahmgeborenen, wurde er tatsächlich mit dem hl. Johannes zur Verantwortung vor den Hohen Rat geführt. Aber er fürchtete sich nun ganz und gar nicht mehr. Denn erfüllt vom Hl. Geist wird er zu diesen Leuten nun sprechen (Apg 4,8).

Wie großartig hat sich die Macht des Hl. Geistes bei den Aposteln betätigt. Zunächst wurde sie wirksam im eigenen Herzen. Wie sehr waren diese Apostelherzen noch einige Tage vor Pfingsten ganz weltlich gesinnt und ganz am Irdischen hängend! Noch immer träumte man von der Wiederherstellung des Reiches Israel in zeitlicher Pracht und Größe. Und jetzt, jetzt gehen sie ans Werk! An den Aufbau der heiligen Kirche!

Liebe Gläubige, ich möchte Ihnen eine kleine geistliche Hausaufgabe aufgeben: Denken wir in der kommenden Woche, der Pfingstoktav, täglich daran, am besten mehrmals am Tag, dass wir gefirmt sind! Das muss Konsequenzen haben in unserem Leben. Der Heilige Geist ist ja wirklich in Überfülle in unsere Seelen herabgekommen. Bei der Firmung muss man ja den Entschluss fassen, ein wirkliches christliches Leben zu führen, dass alle 24 Stunden des Tages andauert. Erzbischof Lefebvre predigte einmal (8.11.1987) dazu ganz klar, dass man diesem Entschluss treu ein ganzes Leben lang bleiben muss, um ein Christ zu bleiben, um weiterhin katholisch zu leben. „ Deshalb hat ja Unser Herr Jesus Christus das Sakrament der Firmung eingesetzt. Es ist ein Beginnen des persönlichen christlichen Lebens.“ Man nimmt bei der Firmung „das christliche Leben selbst in die Hand.“

Was verlangt der Heilige Geist besonders von uns Katholiken heute. Auch da gibt uns der Erzbischof anlässlich einer Firmpredigt (8.6.1985) eine klare Antwort. „Der Hl. Geist verlangt von Euch im Besonderen die Treue. Und ich möchte bei dieser Treue besonders hervorheben, dass sie die Treue zu der Gnade sein muss, die ihr an eurem Tauftag empfangen habt.“… und an anderer Stelle (Geistl. Wegweiser, Kap.8) sagt er: „Ebenso wie das Israel des Alten Testamentes wegen der fortwährenden Treulosigkeiten gegen Gott eine sehr unruhige Geschichte hatte, die sehr oft das Werk seiner Oberhäupter und seiner Leviten war, erlebt auch die streitende Kirche in dieser Welt unablässig Perioden der Prüfungen wegen der Untreue ihrer Geistlichen durch deren Kompromisse mit der Welt.“

Wenn wir die Kirchengeschichte betrachten, so sehen wir klar, dass über kurz oder lang die Krisen wieder vergingen. Der Glaube durfte kraft der Bemühungen einiger ganz großer Heiliger und dann aber auch kraft der Treue des Volkes eine neue Blüte erleben.

Erfüllt vom Geist Gottes, erleuchtet und gestärkt durch seine Gnaden, durch das Geschenk des Pfingsttages, durch das Geschenk der Firmgnade treten wir ein in das christliche Leben, in unseren Alltag, der dann Prüfstein unserer Treue sein wird.

Aber das Geschenk des Heiligen Geistes ist noch mehr. Es geht nicht nur darum wirklich ganz treu zu sein, sondern wir müssen selber durch den Heiligen Geist Feuer sein, d.h. missionarisch, apostolisch! Auch gerade das bedeutet Pfingsten: Der Anfang der Missionsarbeit der Kirche. Und Apostolat ist nicht nur die Aufgabe von einigen wenigen Spezialisten. Unsere Liebe zu Gott, unsere Liebe zur Kirche wird notwendigerweise dazu führen.  Katholik sein ist keine beharrliche Eingliederung in ein Sicherheitssystem, sondern Nachfolge Christi und missionarisches Wirken zum Aufbau der Kirche.

Was damals am ersten christlichen Pfingstfest geschah, diese plötzliche Verwandlung und auch Vermehrung der Jünger Jesu Christi, dieses Sichtbarwerden einer frischen und äußerst vitalen Kirche, diese Ausgießung des Geistes Gottes, die die Menschheit, ja die ganze Erde erneuerte! Was damals geschah, kann sich jeden Augenblick wieder ereignen. Denn Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Die Liebe Gottes ist treu und kann niemals geringer werden.

Komm Heiliger Geist! Komm, Schöpfergeist! Denn diese Kirche, diese Gemeinschaft der Christgläubigen, ist doch deine Braut, deine geliebte Braut, deren unversehrte Schönheit auch heute ohne Makel glänzt und Werkzeug des Heils ist und allen Menschen übernatürliches Leben, die Vergebung der Sünden und das Brot vom Himmel spendet.

Dass wir der himmlischen Gnade des hochheiligen Pfingstfestes würdig zu entsprechen vermögen, unser Pfingstgeschenk auch immer gut im Leben nutzen, empfehlen wir der allzeit reinen Jungfrau Maria, der Braut des Heiligen Geistes.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

Quelle: Pater Johannes Regele