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Sitz unwandelbarer Wahrheit und Heiligtum ewiger Liebe

08. November, 2017

Die Kirche feiert gern Kirchweihefest, weil sie im Gotteshaus ihr deutlichstes Symbol erkennt. Im Monat November wird das Fest der Kirchweihe gleich zweimal begangen: am 9. November die Weihe der Lateranbasilika oder der Erzbasilika des allerheiligsten Erlösers und am 18. November die Weihe der Kirchen der heiligen Apostel Petrus und Paulus.

An jedem Kirchweihetag will uns die Liturgie ganz besonders auf den hohen Wert des Gotteshauses hinweisen. Was bedeutet also genau eine Kirche?

Haus des Herrn

Zuerst ist sie Haus des Herrn, wie schon der Name sagt. Das deutsche Wort Kirche, die Benennung des Gotteshauses, ist aus dem altgriechischen „kyriakón“ entlehnt. Kyriakón bedeutet „das dem Herrn (griechisch Kýrios) gehörige [Haus]“. Also schon etymologisch bedeutet das Wort Kirche „das Haus, das dem Herrn gehört“ oder kurz „das Haus des Herrn“.

So ist es auch tatsächlich, die Kirche gehört Gott. Durch die Konsekration wurde die Kirche aus dem profanen, weltlichen Bereich herausgenommen, um für Gott bestimmt zu sein, um Gott allein zu gehören – und zwar dem einzig wahren dreieinigen Gott und besonders unserem Herrn Jesus Christus. Dies besagt auch schon das Wort „dedicatio – Kirchweihe“, es bedeutet: das Gebäude ist ausschließlich für Gott da. Vom öffentlichen Gebrauch abgesehen sind das Kirchengebäude und der Altar wesentlich Opfergaben/Weihegeschenke, welche dem Herrn durch den feierlichen Konsekrationsritus dargebracht werden.

Durch die Weihe ist die Kirche ein Thron des Allerhöchsten, ist der auserwählte Ort, wo Gott in besonderem das Werk unserer Heiligung vollbringt.

Sühnestätte

Wie der Blitzableiter den Blitz anzieht und dadurch das Leben der Menschen sichert, so läßt die Kirche kraft des Kirchweiheritus überall Sühnestätten erstehen, wo Gott versöhnt wird, wo Er wohnt, wo Sein Herz schlägt, wo wir die Macht Seines anbetungswürdigen Namens spüren.

Gott, die allerheiligste Dreieinigkeit hat bei der Weihe Seine Gnadengegenwart über Sein Haus aufgeschlagen. Wenn wir daher in der heiligen Messe das dreimalige Kyrie rufen, wenn wir im Gloria den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist verherrlichen, so wissen wir, daß die heiligste Dreifaltigkeit in unserem Gotteshaus auf besondere Weise gegenwärtig ist.

Und daß Jesus Christus, unser Herr/Kyrios hier in dieser Kirche/kyriakón sozusagen „daheim“ ist, das wissen mit Sicherheit alle rechtgläubigen Christen, da im Tabernakel Sein Opferleib aufbewahrt wird.

Daran erinnert uns auch das Evangelium vom Kirchweihefest: Das Haus des Zachäus ist Bild des Gotteshauses. Es ist, als spräche Christus zu Seiner Gemeinde bei der Kirchweihe: „Heute muß Ich in eurem Hause, das ihr für Mich gebaut habt, bleiben und so ist heute diesem Hause durch Meinen Einzug Heil widerfahren.“

Verkündigungsort

Die Kirche ist ferner der Ort, wo Gott zu uns spricht, und gleichzeitig der Ort, wo wir zu Gott sprechen. Gott offenbart sich in der Kirche und wir antworten darauf durch unser Gebet.

Wenn Gott in der Kirche Seine besondere Gnadengegenwart aufgeschlagen hat, dann wird auch Seine Wahrheit am deutlichsten in der Kirche an unser Ohr dringen. Es gilt nämlich: „Fides ex auditu – der Glaube kommt aus dem Gehörten“ (Röm 10,17).

Die Kirche, das Haus des Herrn ist also auch Ort der Verkündigung, wo wir das unverstümmelte Wort Gottes und seine authentische Auslegung hören. Täglich spricht daher die Liturgie das Psalmenwort zu uns: „Heute, wenn ihr [Gottes] Stimme höret, verhärtet eure Herzen nicht!“ (Ps 94)

Gehen wir also gern ins Haus des Herrn, um Seine Stimme zu hören. Er will uns mit Seiner Gnade beschenken, Er ruft uns zur Umkehr und zum würdigen Empfang der Sakramente. Er will uns erquicken und stärken, damit wir auf unserem Lebensweg nicht ermatten.

So besingt eine alte Präfation (aus dem Gregorianum) das Gotteshaus mit folgenden Worten: „Hier mögen [o Gott] Deine Priester das Opfer des Lobes darbringen, hier das gläubige Volk seine Gelübde erfüllen, hier die Sünder ihre Gewissenslast ablegen; hier möge der heilige Glaube gefestigt werden und die entschwundene Frömmigkeit zurückkehren, hier möge die Bosheit gebessert werden und weichen.“

Bethaus

Unsere Antwort auf die Stimme des Herrn ist unser aufgeschlossener, zum Herrn erhobener Geist, unsere dem Gebet ergebene Seele. Denn die Kirche ist auch Bethaus.

Dies hat der Heiland schon von dem Tempel, dem Vorläufer der Kirche, betont: „Mein Haus ist ein Haus des Gebetes, ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht“ (Mt 21,13). Und das Meßformular vom Kirchweihefest spricht es bei der Kommunion aus: „Domus mea domus orationis vocabitur… Mein Haus soll heißen: Haus des Gebetes… Dort empfängt jeder, der bittet; und wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird aufgetan.“

Es ist nicht das gleiche, ob wir still für uns und außerhalb der Kirche beten, oder ob wir in einem geweihten Gotteshaus an kirchlichen Gebeten teilnehmen. Mit dem gemeinsamen liturgischen Gebet sind nämlich besondere Verheißungen verbunden. Deshalb wird auch in der Oration des Kirchweihefestes darum gebeten, „daß jeder, der [diese Kirche] betritt, um Wohltaten zu erflehen, voll Freuden all seine Bitten erfüllt sehe.“

Haus der Wahrheit

Besonders wichtig ist, daß die Kirche auch als Haus der Wahrheit charakterisiert wird. In ihr wird die Glaubenswahrheit verkündet, in ihr wird im Glaubensgeist gebetet. Die Kirche, das Gotteshaus existiert wegen des Glaubens, sie muß der Glaubenswahrheit dienen.

Leider war es in der Geschichte manchmal anders, und zwar wegen der Schwäche und Sündhaftigkeit der Menschen. So wurden z. B. im 4. Jahrhundert die Kirchen durch Arianer besetzt, die sich für wahre Christen hielten. Dagegen wurden der rechtgläubige Bischof Athanasius und die treuen Katholiken in die Wüste vertrieben. Damals hat der heilige Bischof Athanasius nur bemerkt: „Ihr habt die Kirchen, wir den Glauben!“

Ähnlich sind auch heute die glaubenstreuen Katholiken vor eine drastische Wahl gestellt. Wir müssen aber so wie der hl. Athanasius denken und handeln, denn die Glaubenswahrheit hat immer Vorrang vor den Gebäuden. Lieber mit dem hl. Athanasius in die Wüste fliehen, als in den Palästen der Neoarianer sitzen. Lieber in einer Garage den wahren Kult und den unverfälschten Glauben haben, als in einer prächtigen Kathedrale zu sein, die zur modernistischen Räuberhöhle gemacht wurde.

Wir müssen den Glauben treu bewahren, auch wenn die Neomodernisten alle Kirchengebäude okkupieren sollten. Die Glaubenswahrheit kommt zuerst, sie ist unser teuerster Schatz!

Opferstätte

Daß die Kirche Haus des Herrn Jesus Christus ist, das verstehen wir am tiefsten, wenn wir sie als Opferstätte betrachten. Das ist das wichtigste an unserer Kirche. Das ist ihre höchste Aufgabe, daß das Opfer des Neuen und Ewigen Bundes hier erneuert und vergegenwärtigt wird. Das ist der tiefste Daseinsgrund der Kirche.

Darum ist auch der Altar der wichtigste Gegenstand der Kirche. Das Kirchengebäude ist sozusagen über dem Altar und für den Altar gebaut. Um den Altar versammeln wir uns, zum Altar führt der Priester die Gläubigen, weil auf ihm das heiligste Opfer dargebracht wird. Auf dem Altar kommt das Sühnopfer Christi zustande, wobei unser Herr Jesus Christus gleichzeitig der opfernde Hohepriester und die dargebrachte Opfergabe (das Opferlamm) ist.

Der Altar gehört also gänzlich Christus und er stellt auch den Herrn dar. „Altare Christus est – Der Altar ist Christus selbst“, bekennt die Kirche. Jesus ist der Eckstein der Kirche. Somit ist der Altar vollkommenes Sinnbild Jesu Christi, dem wir die große Ehrfurcht entgegenbringen sollen. Der Altar wurde auch auf besondere Weise konsekriert, dabei mit Chrisam gesalbt – er stellt somit den Gesalbten/Messias/Christus dar. Im Altarstein sind fünf Kreuze eingraviert, die die fünf Wunden Christi versinnbilden. Im Altar müssen wir also Christus sehen und ehren; Christus, der unsere Opfergabe und unser Opferpriester ist.

Nahen wir uns mit Liebe und Ehrfurcht dem heiligen Altar, wohnen wir dem auf ihm dargebrachten Opfer mit Hingabe bei, beten wir den auf dem Altar aufbewahrten Opferleib Christi an.

Verlangen nach dem Haus des Herrn

Liebe Gläubige, seien wir wahrhaft dankbar für das große Geschenk, ein Gotteshaus mit dem wahren Kult in unserer Nähe zu haben, und hegen wir große Ehrfurcht vor dem Haus des Herrn.

Die Worte des Introitus vom Kirchweihefest seien unsere Haltung bei jedem Eintritt in unsere Kapelle: „Hic domus Dei et porta caeli… Hier ist Gottes Haus und Pforte des Himmels; sein Name ist Wohnung Gottes… Verlangend nach dem Haus des Herrn verzehrt sich meine Seele.“

Pater Jaromír Kučírek

 

…Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott … Du wohnst in diesem von Menschen gebauten Haus des Gebetes als Spender alles Guten, und heilig machst Du durch Dein ständiges Wirken die von Dir gegründete Kirche. Denn sie ist im Bilde dieses sichtbaren Bauwerks wahrhaft das Haus des Gebetes, der Tempel bewohnt von Deiner Herrlichkeit, der Sitz unwandelbarer Wahrheit, das Heiligtum ewiger Liebe. Sie ist die Arche, die uns rettet aus der Sintflut der Welt und zum Heile geleitet. Sie ist die geliebte Braut, die Christus mit Seinem Blute erworben und mit Seinem Geiste lebendig macht. In ihrem Schoße hat sie uns durch Deine Gnade neu geboren. In ihr erquickt uns Dein Wort, stärkt uns das Brot des Lebens, umhegt uns Dein Erbarmen. In der Kraft ihres Bräutigams besteht sie auf Erden den Kampf, beharrlich, und treu: von Ihm gekrönt, triumphiert sie ewig im Himmel …“

(Präfation für die Kirchweihefeste)