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Versuch einer „Rehabilitierung“ Luthers ist absurd

29. August, 2017

Man muß sich fragen, wie es denn zu einem solchen Stand der Dinge [im Verhalten der Katholiken] kommen konnte. Jede Wirkung hat ihre Ursache.

Der neue relativistische Geist

Der wahre Grund für das rapide Abnehmen des Praktizierens ist in dem neuen Geist zu suchen, der sich in der Kirche eingenistet hat und eine lange Vergangenheit kirchlichen Lebens, kirchlicher Lehre und kirchlicher Lebensgrundsätze verdächtig gemacht hat. All das war verankert im unveränderlichen Glauben der Kirche, überliefert durch Katechismen, die von allen Episkopaten anerkannt waren.

Der Glaube ruhte auf sicheren Fundamenten. Als man diese erschütterte, säte man Ratlosigkeit.

Die Wahrheit kann sich nicht ändern

Ein Beispiel: Die Kirche lehrte – und die Gesamtheit der Gläubigen glaubte –, daß die katholische Religion die einzig wahre ist. Tatsächlich wurde sie ja von Gott selbst gegründet, während die anderen Religionen das Werk von Menschen sind. Folglich muß der Christ jede Beziehung zu den falschen Religionen meiden, aber andererseits alles tun, um deren Anhänger zur Religion Christi zu führen.

Ist das noch immer wahr? Selbstverständlich. Die Wahrheit kann sich nicht ändern, sonst wäre sie nie die Wahrheit gewesen. Keine neue Gegebenheit, keine theologische oder wissenschaftliche Entdeckung – wenn es überhaupt theologische Entdeckungen geben kann – könnte etwas daran ändern, daß die katholische Religion der einzige Weg zum Heil ist.

Nun nimmt aber der Papst selbst an religiösen Zeremonien falscher Religionen teil, betet und predigt in den Kultstätten häretischer Sekten. Das Fernsehen verbreitet die Bilder dieser bestürzenden Kontakte in der ganzen Welt. Die Gläubigen kommen da nicht mehr mit.

Luthers Zerstörungswerk

[Ein weiteres Beispiel:] Luther hat ganze Völker von der Kirche getrennt und Europa geistig und politisch zutiefst erschüttert, indem er die katholische Hierarchie, das katholische Priestertum zerstörte und eine falsche Heilslehre, eine falsche Lehre von den Sakramenten erfand. Seine Revolte gegen die Kirche sollte zum Vorbild werden für alle künftigen Revolutionäre, die in Europa und auf der ganzen Welt Verwirrung stifteten.

Es ist unmöglich, ihn fünf Jahrhunderte später zu einem Propheten oder zu einem Kirchenlehrer zu machen, wenn nicht gar zu einem Heiligen, wie gewisse Leute das möchten.

Konzilsauffassungen akzeptieren Luthers Anliegen

Da finde ich aber beim Lesen der Documentation Catholique vom 3. Juli 1983 (Nr. 1085, Seite 696 f.) oder in Diözesanblättern folgenden Text aus der Feder der vom Vatikan offiziell anerkannten Gemischten katholisch-lutherischen Kommission:

„Unter den Auffassungen des Zweiten Vatikanischen Konzils, die die Anliegen Luthers akzeptieren, findet man zum Beispiel: die Beschreibung der Kirche als ‚Volk Gottes‘ (Leitgedanke des neuen Kirchenrechts; ein demokratisches, nicht mehr ein hierarchisches Prinzip); die Betonung des allgemeinen Priestertums aller Getauften, das Eintreten für das Recht des Menschen auf Freiheit hinsichtlich der Religion. Andere Forderungen, die Luther zu seiner Zeit erhoben hatte, können in der Theologie und in der Praxis der heutigen Kirche als erfüllt betrachtet werden: der Gebrauch der Volkssprache in der Liturgie, die Möglichkeit der Kommunion unter beiden Gestalten und die Erneuerung der Theologie und der Feier der Eucharistie.“

„Rehabilitierung“ eines Gotteslästerers – Absurdität

Was für ein Geständnis! Man erfüllt die Forderungen eines Luther, der sich als der entschlossene und brutale Feind der Messe und des Papstes erwiesen hat! Man kommt den Wünschen des Gotteslästerers nach, der gesagt hat: „Ich behaupte, daß alle Freudenhäuser, alle Morde, Diebstähle und Ehebrüche nicht so verwerflich sind wie diese abscheuliche Messe!“

Man kann einer so absurden Rehabilitierung gegenüber nur zu dem einen Schluß kommen: Entweder muß man das Zweite Vatikanische Konzil, das diese Rehabilitierung gutgeheißen hat, verurteilen oder das Konzil von Trient und alle Päpste, die seit dem 16. Jahrhundert den Protestantismus für häretisch und schismatisch erklärt haben.

Quelle: Lefebvre, Marcel, Offener Brief an die ratlosen Katholiken, Stuttgart 2012 [Erstausgabe 1986], SS. 8–10.