Vorwort: Wo bleiben die Berufungen? Kreuzzug für geistliche Berufungen

05 Juni, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Vorwort des Distriktsoberen aus dem Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • Juni 2019

Wo bleiben die Berufungen? Kreuzzug für geistliche Berufungen

Liebe Freunde und Wohltäter!

„Das ist doch unfassbar, wie es ihm einfallen konnte, sich eine Soutane anzuziehen und sich in ein Priesterseminar einzuschließen! Wie kann man sich nur so von der Welt abkapseln, auf die Vergnügungen des Lebens zu verzichten und die Träume der Jugend aufzugeben, um nur noch in Armut für die Religion zu leben. Das ist ganz und gar unvorstellbar! Er muss den Verstand verloren haben!“ – So denken die Weltmenschen, wenn ein junger Mann dem Ruf Gottes folgt, um ein gottgeweihtes Leben zu führen. Da heutzutage der Weltgeist die Kirche leider fast vollständig beherrscht, denken mittlerweile die meisten Katholiken so. Darum gibt es kaum noch Berufungen, die Priesterseminare stehen leer, die Orden sterben aus, die Heiligtümer veröden, die Klöster werden verkauft. Noch nie war der gottgeweihte Stand so sehr der Geringschätzung und Missachtung ausgesetzt. Was früher heiliger Stolz der katholischen Familie war, eine geistliche Berufung in ihren Reihen zu haben, ist heute nicht nur zu einem Rätsel geworden, vor dem man den Kopf schüttelt, sondern nicht selten sogar zum Zeichen religiösen Wahns. So sehr hat die Welt den Heiligen Geist verloren!

Wie notwendig sind geistliche Berufungen?

Dabei hat gerade in der heutigen Zeit die Welt nichts dringender nötig als gute Priester, Ordensbrüder und -schwestern. Die Menschen sind doch auch heute noch genauso zum ewigen Leben berufen wie früher. Wenn aber die Priester fehlen, wer erneuert dann das Erlösungsopfer unseres Heilandes in der hl. Messe, in welcher die Seelen durch das kostbare Blut gereinigt, mit dem übernatürlichen Leben Christi erfüllt werden und zu einem heiligen Lebenswandel Ansporn finden? Wenn die guten Hirten fehlen, wer zeigt ihnen dann den Weg zum Himmel und geht ihnen mit gutem Beispiel voran? Sind keine Hirten da, versprengen sich die Schafe, geraten auf Irrwege, verstricken sich in den Dornen und gehen zugrunde oder werden von den Wölfen gefressen. Wie dramatisch lebensnah steht uns dieses Gleichnis Christi angesichts der heutigen kirchlichen Landschaft vor Augen!

Wo indes Gott gegenwärtig ist, weht sein Heiliger Geist, berührt die Seelen junger Menschen und weckt ihre Begeisterungsfähigkeit für die höchsten Ideale. Von seinem Licht erleuchtet, begreifen sie, wie schön und edel es ist, sich selbst und all seine Kräfte dafür einzusetzen, die Ehre Gottes auszubreiten und am Heil unsterblicher Seelen zu arbeiten. Unser Gründer, Erzbischof Lefebvre, der große Erneuerer des Priestertums in der heutigen Zeit, hat diesen Gedanken sehr schön entfaltet:

„Die Seelen, die Verbindung mit dem Himmel aufnehmen, haben Sehnsucht nach dem Himmel und danach, auch andere dorthin zu führen. Die Seelen, die in Verbindung mit der Ewigkeit treten, lösen sich von den zeitlichen Dingen. Sie machen sich von der Anhänglichkeit an die Geschöpfe los, und das ist es, was in ihnen den Wunsch weckt, sich vollständig dem lieben Gott zu schenken. Das ist die wahre Quelle der Berufung.“

„Revolution der Heiligkeit“

In dem Maß, als Gott in der Welt – in den Familien, Schulen und politischen Amtsstuben – wieder gegenwärtig wird, werden sich die Seminare und Klöster füllen. Und gerade diese Orte, die diese Gegenwart Gottes in besonderer Weise darstellen und ausstrahlen, werden eine „Revolution der Heiligkeit“ auslösen, um nochmals Mgr. Lefebvre zu zitieren.

Dafür müssen wir uns mit ganzen Kräften einsetzen, das muss unsere Hauptsorge sein und der tiefste Wunsch unseres Herzens. Denn wie anders könnte die verirrte Menschheit ihren verlorenen Gott wiederfinden? Nicht Umweltaktivisten und Sozialreformer werden die Welt retten, sondern einzig jene, in welchen die Flammen des Heiligen Geistes hell lodern.

50 Jahre Erneuerung der Priesterausbildung - Jahr der Berufungen

1969 gründete Erzbischof Lefebvre das erste Priesterseminar, das den Kreuzzug der Erneuerung des Priestertums eröffnen sollte. Zum goldenen Jubiläum dieses denkwürdigen Ereignisses hat nun P. Davide Pagliarani, der Generalobere unserer Priesterbruderschaft, ein Jahr der Berufungen ausgerufen. In all unseren Kirchen, Kapellen und Häusern sollen Gebete, Andachten und Wallfahrten abgehalten werden, um von Gott die Gnade vieler Berufungen und der Heiligung der Gottgeweihten zu erlangen. „Diesmal werden wir nicht einen Kreuzzug machen, sondern tausend Kreuzzüge, einen in jeder Gemeinschaft, Kapelle oder Schule.“

Ich darf Sie, liebe Gläubige, bitten, sich dieses Anliegen zu eigen zu machen, damit wir uns großherzig für dieses heilige und Gott so wohlgefällige Anliegen einsetzen. In diesem Sinne möchten wir auch ganz konkret die kommenden Fronleichnamsfeierlichkeiten für Berufungen aufopfern.

Beten wir eindringlich zur allerseligsten Jungfrau Maria, der Mutter des ewigen Hohenpriesters und Königin der Apostel, sie möge die so sehr ersehnte Revolution der Heiligkeit beschleunigen, ohne uns lange warten zu lassen, dass der Kirche heilige Berufungen in großer Zahl geschenkt werden. Empfehlen wir ihr besonders auch die Weihekandidaten, die in diesem Monat Juni in unseren Priesterseminaren in Ecône, Zaitzkofen und Dillwyn zu Priestern geweiht werden.

Mit priesterlichem Segensgruß

Ihr Pater Stefan Frey

Quelle: Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • Juni 2019