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Zum Tod von Pfarrer Hubert Beyer

20. April, 2017

Predigt von Pfarrer Thomas Jäger am Samstag, dem 25. Februar 2017, in Zaitzkofen anlässlich der Beerdigung.

„Die Sonne scheint, es ist schön, ich bin glücklich!“

Hw. Mitbrüder im Priester- und Diakonenamt, werte Trauergemeinde!

Am Sonntagmorgen, dem 19. Februar, gegen 10.30 Uhr erhielt die in Frankreich lebende Schwester des Verstorbenen einen Anruf von ihm aus Civitavecchia, in welchem er seine Ankunft aus Sardinien mitteilte. Wenige Minuten später kam ein zweiter Anruf mit der gutgelaunten französischen Aussage: „Le soleil brille, il fait beau, je suis heureux. – Die Sonne scheint, es ist schön, ich bin glücklich!“

Das müssen die letzten Worte unseres lieben Verstorbenen, Pfarrer Hubert Beyer, gewesen sein.

Ja, Hubert Beyer war ein glücklicher Mensch. 

Er war glücklich, trotz der gegenwärtigen Kirchenkrise, die er aufmerksam verfolgte. Er liebte die Kirche, er liebte die Römische Kirche. Der Glaubensabfall, die Herrschaft des Modernismus betrübten ihn sehr. 

Aber er war glücklich. Denn er war ein Sohn der Kirche. Daher stammte sein Glück. 

Der Lebensweg des Verstorbenen war nicht typisch für einen Priester; Umwege und Kurven mussten genommen werden. 

Geboren 1941 im Krieg in Bonn, der Residenz der Kölner Erzbischöfe, war seine Heimat doch Köln, die Stadt am Rhein. Er war durch und durch ein Kölner, ein „Kölscher Jung“ wie man dort sagt. Deswegen sicher auch seine Bestimmung, am Karnevalswochenende beigesetzt zu werden.

Neben dem ansteckenden Humor zeichnet sich dieser Typus durch seine Leichtigkeit und „liberalitas“, was mit Großzügigkeit übersetzt werden muss, und selbstverständlich durch seine Katholizität „so wie das Moos auf dem Baum“, aus.

Vom alten Kölner wird ja gesagt, er besitze ein völliges Unverständnis, dass jemand nicht katholisch sein könne.

Der junge Hubert wurde in altgläubiger Zeit Messdiener am Kölner Dom und hat so manches Pontifikalamt erlebt. Er war noch Zeuge der Pracht der alten Liturgie, die besonders hervortritt, wenn sie in den Basiliken und Kathedralen der Christenheit ihre volle Entfaltung erfährt. Domus Dei et porta caeli. 

Im Dienst bei den Kapitelämtern sieht er die Kanoniker der Hohen Domkirche und versteht, wie nur wenige seiner Generation, den tiefen Sinn des stellvertretenden Gebetsdienstes des kanonikalen Chores.

Als junger Mann entscheidet er sich daher für den Eintritt bei den Augustiner-Chorherren der Windesheimer Kongregation.

Die Windesheimer Kongregation ist eine eigenständige Gemeinschaft innerhalb des Gesamtordens der Augustiner-Chorherren. Sie geht zurück auf die „Brüder vom Gemeinsamen Leben“, die Reformbewegung des 14. Jahrhunderts der „Devotio Moderna“, mit Thomas von Kempen als ihren herausragenden Vertreter. 

Nach dem Untergang der Kongregation in der französischen Revolution erfolgt die Wiederbelebung 1965, 95 Jahre nach dem Tod des letzten Kanonikers, unter dem bedeutenden Latinisten Abt Karl Egger.

Das erste Kloster entstand in Tor Lupara (heutiges Fonte Nuova), nordöstlich von Rom. Heute ist das unweit von hier gelegene Paring das Zentrum. 

Zu der ersten Generation dieser Wiederbesiedelung gehörte der Verstorbene. Er war also in dieser Hinsicht ein Pionier. Damals ging es noch sehr streng zu: gemeinsamer Schlafsaal, Nachtchor, Fasten, gesungenes Chorgebet, anspruchsvolles Studium.

Der Verstorbene erlebte so das Konzil in Rom als Student am Angelicum, er pflegte immer zu sagen „aus der Froschperspektive“ und hatte entsprechende Anekdoten geliefert.

Bei den großen Thomisten dieser Epoche hörte er die lateinischen Vorlesungen. Die Liebe zur lateinischen Sprache und zur gesunden Theologie, zu Cicero und Thomas von Aquin, ist hier begründet worden.

Auch seine Kongregation erlebte in dieser Konzilszeit erhebliche Erschütterungen. Trotz Subdiakonatsweihe verließ der Verstorbene mit Dispens die Windesheimer und wurde Priesteramtskandidat in Köln. Hier war er in den schlimmen Jahren nicht unbedingt auf der „richtigen Seite“. Er erzählte manchmal davon, wie er beteiligt war, die „rote Fahne“ auf dem Priesterseminar zu hissen. „Wir waren wie besoffen vom Zeitgeist“, hat er diese Jugendsünden einmal beschrieben.

Ein Modellseminarist, wie wir sie hoffentlich hier in der schönen Kapelle von Zaitzkofen vor uns haben, war er damals sicher nicht. Er schied aus dem Seminar aus.

Es folgten Lateinstudium und eine langjährige Lehrtätigkeit an mehreren Schulen in Köln. Aber die Sehnsucht nach dem kanonikalen Ideal, der Sehnsucht nach einer Einheit von klerikaler Lebensform, feierlicher Liturgie und gebildeter Frömmigkeit hat ihn nie verlassen. Eine geistliche Wunde in seinem Herzen blieb. Das hat jeder gemerkt, der ihn kannte.

Mitte der 80er Jahre begann sein Versuch der Rückkehr in den geistlichen Stand. Die hl. Priesterweihe erhielt er mit fast 50 Jahren in der Sankt-Blasius-Kirche im sardischen Dolianova für die Erzdiözese Cagliari. In seinem Erzbischof Ottorino Pietro Alberti fand er einen geistlichen Vater. Ebenso in Luigi Kardinal de Magistris, dem ehemaligen Sekretär von Kardinal Ottaviani und Groß-Pönitentiar der Römischen Kirche, der aus Cagliari stammt. 

Ich selbst durfte Pfarrer Beyer 1997, damals Soldat der Luftwaffe auf einem Stützpunkt in Sardinien, kennenlernen. Er war nebenamtlicher Seelsorger für uns deutsche Soldaten. Er hat meinen Weg zur alten Liturgie maßgeblich beeinflusst.

Nach mehreren pastoralen und kanonikalen Aufgaben, so war er unter anderem Benifiziat und Mansuar des Metropolitankapitels von Cagliari, suchte er doch wieder Anschluss an den Augustiner-Orden. Er erhielt eine dem Stift Klosterneuburg inkorporierte Pfarrei im niederösterreichischen Reinprechtspölla. 

Hier eine kleine Anekdote: Er wurde einmal von einer Dame aus dem Generalvikariat angerufen, die ihm lang und breit erklärte, man wolle eine Broschüre über die verschiedenen Pfarrkirchen des Bistums erstellen. Dort sollten die gottesdienstlichen Formate, die pastoralen und karitativen Initiativen, die verschiedenen Gruppen der Pfarrei angeführt werden. Auch, was die Pfarrei für soziale Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und den interreligiösen Dialog tue. Seine lakonische Antwort war: „Schreiben Sie einfach, junge Frau, in der Pfarrei Reinprechtspölla gibt es die heiligmachende Gnade.“

Seine Pfarrei wird ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.

Nach seinem Ruhestand erhielt er eine Stiftswohnung in Wien. Dafür war er dem Orden der Augustiner-Chorherren sehr dankbar.

Heute kann ein Geheimnis gelüftet werden. Seit 20 Jahren zeichnete er verantwortlich für die Kolumne „Altgläubiges Glossarium“ der Zeitschrift „Kirchliche Umschau“, mit der er nicht wenige Gläubige geistreich getröstet hat.

Seit vielen Jahren hatte er engen Kontakt zu traditionstreuen Kreisen. Oft führten ihn seine Wege nach Rom. Ihr Mitbruder Pater du Chalard, Ihr römischer Prokurator – Don Emmanuele – war seit vielen Jahren ein Ansprechpartner. Er war ein regelmäßiger Teilnehmer an Treffen traditionstreuer Kleriker, auch hier im Priesterseminar Zaitzkofen. 

In der Priesterbruderschaft fand er eine geistige Heimat und einen Bezugspunkt, der vielen ihrer Mitglieder vielleicht gar nicht so klar war. Ich glaube, er hat gesehen, dass sein Lebensideal des Kanonikers hier verwirklicht wird. Nicht umsonst hat er testamentarisch in Zaitzkofen sein Grab erbeten. 

Liebe Mitbrüder, liebe Seminaristen. Auf Ihre Gebetsfürbitte hat er vertraut, auf Ihr Gedenken im heiligen Opfer. Nehmen Sie ihn als Toten – vita mutatur, non tollitur – in Ihre Gebetsgemeinschaft auf.

Er war ein Original, dessen reicher Wissensschatz ihn bei Vorträgen auch schon mal nolens volens zum Co-Referenten werden ließ. 

Sein silbernes Jubiläum feierte er voriges Jahr bei mir in Liechtenstein, zu der auch mehrere Priester unseres Erzbistums kamen, mit denen er verbunden war.

Mögen die Gottesmutter, der hl. Joseph und der hl. Augustinus ihm Fürbitter sein, dass er bald in die Herrlichkeit des dreifaltigen Gottes eintreten darf und dass er, gezeichnet mit dem unauslöschlichen Merkmal des katholischen Priestertums, an der Ewigen Liturgie teilnehmen wird.

„Die Sonne scheint, es ist schön, ich bin glücklich!“

Vivat in Christo Jesu.