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Vortrag von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre

im September 1985 in London

Die Krise der Kirche im Blick auf die Synode

Meine Damen und Herren!

Bitte entschuldigen Sie, daß ich diesen Vortrag nicht in Ihrer Sprache halten kann. Pater Black hat Ihnen dies bereits angekündigt. Es fällt mir ein bißchen schwer, einen langen Vortrag in englisch zu halten. Leider beherrsche ich diese Sprache nicht in der genügenden Weise. Sie werden mir sicher erlauben, die französische Sprache zu gebrauchen.

Als Thema für diesen Vortrag habe ich „Die Krise der Kirche im Blick auf die Synode“ ausgewählt. Heute morgen hatte ich bereits angedeutet, daß Ende November/Anfang Dezember eine Synode in Rom abgehalten werden soll.

Wird diese Synode ein Gegenstand der Hoffnung für die Kirche sein, oder wird sie eher ein Gegenstand der Betrübnis und der Bestürzung für die wahren Katholiken darstellen? Wenn das Zweite Vatikanische Konzil in seinem Geist fortgesetzt wird, werden Schmerz und Betrübnis folgen. Sollte jedoch im Zuge dieser Synode zur katholischen Tradition zurückgekehrt und die Ausrichtung nach dem Konzil geändert werden, dann wäre dies für uns ein Anlaß zu großer Hoffnung.

Leider muß man zugeben, daß die Nachrichten über die Organisatoren dieser Synode, die darüber veröffentlichten Berichte sowie die Vorbereitung selbst darauf hinweisen, den Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils beizubehalten und zu verstärken. Dafür gibt es Beweise. Erzbischof Tomko, der Sekretär der Synode, hat im Osservatore Romano ein Exposé veröffentlicht, das er im Pressebüro des Vatikans abgegeben hat. Darin heißt es: „Diese Synode wird einberufen, um dem Zweiten Vatikanischen Konzil neue Lebenskraft zu geben sowie seine Ausrichtung und die Wohltat, die das Zweite Vatikanische Konzil für die Kirche geworden ist, zu bekräftigen.“

Ein weiterer Beweis ist der Fragebogen, den ich vor mir liegen habe. Der Fragebogen wurde anläßlich der Synode an alle Bischöfe in der ganzen Welt verteilt. In diesem Fragebogen wird mehrere Male der Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils erwähnt. Außerdem erscheinen die Fragen, ob der Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils richtig begriffen wurde und ob die gegenwärtigen Handlungen mit diesem Geist wirklich konform gehen. Schließlich werden die Bischöfe aufgefordert, über den Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils und über seine gegenwärtige Anwendung nachzudenken.

Die Bücher und Interviews von Kardinal Ratzinger beschreiben die tragische Situation der Kirche. Trotzdem wird uns dadurch sein bedingungsloses Festhalten am Zweiten Vatikanischen Konzil mitgeteilt. „Es kommt nicht in Frage, zur Vergangenheit zurückzukehren.“ Das sind die ausdrücklichen Worte von Kardinal Ratzinger.

In keiner Weise kann man daher zu dem Urteil gelangen, die Synode könnte gegenwärtig eine Rückkehr zur Tradition bedeuten. Dagegen handelt es sich um eine Fortführung im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils und seiner Ausrichtung. Man könnte sagen, daß ein paar Bemerkungen oder Phrasen den unguten Orientierungen gewidmet werden, zum Beispiel den Übertreibungen aus der Befreiungstheologie und den traditionstreuen Katholiken, also uns.

Die Synode scheint die gegenwärtige Ausrichtung der Kirche zu bekräftigen. Die Bischöfe werden aufgefordert, in dieser Ausrichtung fortzufahren und sämtliche Reformen durchzuführen, die nach dem Konzil angeordnet wurden. Notwendigerweise werden wir dadurch einem immer tieferen und verhängnisvolleren Bruch mit der Vergangenheit der Kirche und ihrer Tradition entgegengehen. Sie können sicher den Ernst dieser Lage selbst ermessen. Papst Paul VI. selbst hatte dies die Selbstzerstörung der Kirche genannt. Wie ist es möglich, daß nach zwanzig Jahren Selbstzerstörung der Kirche immer noch dazu aufgefordert wird, dieser Linie zu folgen und mit dieser Selbstzerstörung fortzufahren? In welcher Gesinnung kann man dazu auffordern, mit der gesamten Vergangenheit der Kirche zu brechen? Die Lage ist zweifellos verhängnisvoll, da sie bewußt geschaffen wird. Nach den Erfahrungen der letzten zwanzig Jahre, wird trotzdem der gleiche Sinn weiter verfolgt. Das ist ein offenkundiges Zeichen, daß diejenigen, die Rom gegenwärtig besetzt halten, sich immer weiter von der katholischen Kirche entfernen wollen.

Hat dieser Geist, mit der Vergangenheit der Kirche zu brechen, mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil begonnen? War dieser Geist bereits vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil vorhanden?

Um sich einen genaueres Bild zu machen, was diesen Geist des Bruches vorbereitet hat, ist es notwendig, sich ein wenig mit den Jahren vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu befassen.

Ein protestantischer englischer Schriftsteller – bitte entschuldigen Sie, daß mir sein Name gerade nicht einfällt – hat ein Buch über das „Charakteristikum der Gesellschaft im 19. Jahrhundert“ geschrieben. Er schreibt in seinem Buch: „Was diese Gesellschaft charakterisiert, ist die Säkularisierung.“ Das 19. Jahrhundert ist also die Epoche der Säkularisierung.

Säkularisierung bedeutet, daß die Gesellschaft, die im 18. Jahrhundert noch religiös war, profan geworden ist. Die Gesellschaft hat Gott den Rücken gekehrt, um nur noch das Säkulare, das Weltliche, in Betracht zu ziehen, also die Dinge unserer Erde. Die religiöse Dimension der Häupter und Glieder dieser Gesellschaft ist verloren gegangen. Im allgemeinen war die Gesellschaft religiös. Im 19. Jahrhundert, nach der Französischen Revolution und nach der Verbreitung des Geistes dieser Revolution über die ganze Welt, wurde die Gesellschaft säkular und laizistisch. Diese Laizisierung machte die Gesellschaft praktisch gottlos, auch wenn noch etwas vom Religiösen bewahrt wurde. In England war zum Beispiel immer noch oft von Gott die Rede, sogar im Parlament. Im praktischen Leben haben der Atheismus und die Unmoral jedoch beträchtliche Fortschritte gemacht.

Diese Säkularisierung ist in das Innere der Kirche eingedrungen. Der hl. Papst Pius X. stellte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts fest, daß die Feinde der Kirche nicht mehr außerhalb der Kirche stehen, sondern in das Innere der Kirche eingedrungen sind. Personen wollten die Kirche laizisieren. Diese Modernisten befanden sich bereits im Inneren der Kirche. Sie wollten eine Art natürliche Religion erschaffen, die nicht mehr den übernatürlichen Charakter enthält und nicht mehr auf Unseren Herrn Jesus Christus, Seine Messe, Seine Sakramente und Sein Opfer ausgerichtet ist. Dieser Umsturz hat sich im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelt.

Die Folgen dieser Laizisierung äußerten sich in der Abnahme des Glaubens und des Praktizierens. Zwischen den beiden Weltkriegen und in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, zwischen 1945 und 1955, nahmen die Berufungen und die Ausübung des Glaubens ab. Die Kirchen leerten sich. Viele Gläubige hielten nicht mehr an der Ausübung der Religion fest.

Dieses Phänomen versetzte die Bischöfe und Priester in Aufregung. Alle stellten sich die Frage, warum diese Haltung eingesetzt hatte. Warum gingen die Berufungen zurück? Warum verließen die Gläubigen die Kirchen? Warum war der Glaube im Begriff zu verschwinden? In diesen Fragen finden wir wahrscheinlich auch das Problem, das dem Zweiten Vatikanischen Konzil seine Richtung geben sollte.

Die Bischöfe und Priester „schlugen an die Brust der Kirche“. Dabei bedachten sie nicht, daß diese Situation von den Feinden der Kirche bewußt herbeigeführt wurde, um die Kirche zu laizisieren. Anstatt nach den wahren Ursachen zu forschen, suchten sie die Ursachen in der Kirche. Sie begannen, die Kirche anzuklagen. Dabei wurde die Meinung vertreten, daß sich die Kirche selbst zum Ghetto macht, sich der Welt nicht anpassen und die Welt nicht verstehen will. Außerdem ist die Kirche in sich selbst verschlossen, will sich der Welt nicht öffnen und deren Prinzipien nicht anerkennen. Darum hat die Kirche auch keinen Kontakt zur Welt. Diese Gründe hatten die Bischöfe als Erklärung für diese Krise angeführt. Dabei handelte es sich um nichts anderes, als um das Ergebnis einer von den Freimaurern und von den Feinden der Kirche gewollte Laizisierung und Säkularisierung der Kirche! Auch heute noch wird die Meinung vertreten, daß die Kirche diese Lage selbst verschuldet hat, wenn sie ihre Gläubigen verliert und äußerlich immer mehr in den Hintergrund tritt. Überall heißt es, man muß „ändern“!

Dieses Schlagwort wurde von der Freimaurerloge ausgegeben. Was sollte man ändern? Mit der Idee der Mutation, der Änderung, ging man zu Werke. Man muß sich wieder mit der Welt zusammenschließen. Die Priester dürfen nicht mehr Menschen besonderer Art und von der Welt getrennt sein. Nach dem Vorbild der protestantischen Revolution sollten die Priester in der Welt und mit der Welt leben. Allerdings war die protestantische Revolution nichts anderes, als die Laizisierung des Klerus. Nun sollte auch in der Kirche der Klerus laizistisch gemacht werden.

Sie erinnern sich sicher an das Experiment der Arbeiterpriester, das in verschiedenen europäischen Ländern durchgeführt wurde. Man sah, daß sich der Klerus in seiner Sakristei isolierte und keine hinreichenden Kontakte mehr mit den Arbeitern und der Welt hatte. Die Priester gaben ihre priesterliche Arbeit und die Soutane auf. Sie gingen in die Fabriken, um mit den Arbeitern zusammenzuarbeiten. Dies hielten sie für ihre Pflicht, die Nächstenliebe zu üben. Das Ergebnis war jämmerlich. Viele dieser Priester wurden Gewerkschaftsvorsitzende von kommunistischen und sozialistischen Gewerkschaften, also Revolutionäre. Eines Tages bemerkten Rom und die Kirche, daß dieses Experiment sehr gefährlich ist. Daraufhin wollte die Kirche die Priester zur Rückkehr veranlassen. Diese weigerten sich natürlich zum größten Teil. Sie heirateten und gaben das Priestertum auf. Das war das Ergebnis eines Experimentes, das auf falschen Prinzipien gegründet war.

Es hat bereits viele Krisen in der Kirche gegeben. Bei dieser Situation handelt es sich jedoch sicher um eine der schwersten Krisen. Wenn die Kirche Prüfungen ausgesetzt war, erweckte Gott Seelen, Heilige, heilige Päpste, heilige Bischöfe und Priester, oder auch heilige Laien, die die Kirche gemäß den katholischen Grundsätzen erneuerten. Der hl. Franziskus, der hl. Dominikus und auch der hl. Ignatius hatten die Welt erschüttert, um sie zu Unserem Herrn Jesus Christus zurückzuführen. Sie stellten eine Armee von Ordensmännern und Priestern auf, um die Welt zu durcheilen. Sie predigten über das Kreuz Unseres Herrn Jesus Christus, das Opfer, den Verzicht und die Buße. Der Mensch ist nicht dazu geschaffen, auf der Erde zu bleiben, sondern seine Gedanken auf den Himmel zu richten und die Augen auf das Kreuz Unseres Herrn Jesus Christus zu erheben. Die Bischöfe vermitteln heute nicht mehr diese Einstellung. Sie erinnern nicht mehr den Glauben, an die Bedeutung der Kirche und an die Mittel, die Unser Herr Seiner Kirche gegeben hat, um sie zu bewahren. Um die Kirche zu erneuern vertreten die Bischöfe die Meinung, daß man sich die Grundsätze der Welt zur Richtschnur nehmen und sich angleichen muß. Die Gebote Gottes wurden gegen die Menschenrechte ausgetauscht. Praktisch wurden die Menschenrechte über die Gebote Gottes und der Ökumenismus über Unseren Herrn Jesus Christus gestellt. Die Spiritualität des Opfers, des Kreuzes Unseres Herrn Jesus Christus, wurde von ihnen vollständig geändert. Daraus wurde eine Spiritualität des Teilens, der Vereinigung und der Gemeinschaft. Diese progressistischen Ausdrücke hört man oft. Die Bischöfe haben eine völlig neue Ausrichtung eingeführt. Durch das Zweite Vatikanische Konzil wurde diese Ausrichtung, in gewisser Weise zur Welt überzugehen, bekräftigt. Das Verhängnisvolle am Zweiten Vatikanischen Konzil war, daß es sich diese Ideen zu eigen gemacht hat – Öffnung zur Welt, Öffnung zum Säkularen, Übernahme der Meinungen des Pluralismus und des Liberalismus. Vor einer solchen Situation ist die Kirche praktisch noch nie gestanden. Die Autoritäten von Rom selbst ordnen eine Ausrichtung an, die dem Geist der Katholizität, der zweitausend Jahre lang vorhanden war, absolut widerspricht.

Während dem Konzil haben sich zweihundertfünfzig Bischöfe zu einer Vereinigung zusammengeschlossen, die sich „Cotus internationalis Patrum“ nannte. Diese Bischöfe haben versucht, gegen die neue Orientierung und gegen die Änderungen Widerstand zu leisten. Sie betrachteten diese Neuerungen für die Kirche als sehr schwerwiegend und gefährlich. Leider wurden diese Bischöfe nicht vom Papst unterstützt. Am Ende des Konzils waren Texte entstanden, die offensichtlich sehr schwerwiegende Folgen haben mußten und tatsächlich alle neuen Reformen der Kirche hervorbrachten – die Liturgiereform, die Reform im Inneren der Kirche, die Seminarreform, die Reform der Ordenskongregationen und weitere Reformen aller Art. Diese Reformen entsprachen absolut nicht dem katholischen, sondern einem neuen, praktisch liberalen Geist, der immer von den Päpsten verurteilt wurde.

Während einer Audienz, die mir Papst Paul VI. gewährte, erhielt ich die Gelegenheit, mit ihm darüber zu sprechen. Ich sagte zu ihm: „Heiliger Vater! Wir befinden uns in einer unmöglichen Situation! Auf der einen Seite hat das Konzil die Religionsfreiheit eingeführt, das praktisch die Gleichheit der Religionen bedeutet. Auf der anderen Seite verurteilt die Enzyklika Quanta Cura von Papst Pius IX. genau diesen Religionsindifferentismus. Alle Päpste, bis Papst Pius XII., haben diese Enzyklika bekräftigt, die genau das Gegenteil besagt. Was soll nun geschehen? Ich werde an der Tradition und an den Päpsten festhalten, die diese Ausrichtung und die Notwendigkeit der katholischen Kirche für das Heil der Seelen bekräftigt haben. Es gibt keinen anderen Weg, als die katholische Kirche.“ Der Papst antwortete mir: „Wir haben keine Zeit, Theologie zu betreiben.“

Das ist eine verhängnisvolle Aussage. Tatsächlich befinden wir uns in einer unmöglichen Situation! Dieser von Rom eingeschlagene Weg kann nicht weiter verfolgt werden. Rom muß zur Tradition zurückkehren, um die Seelen zu retten und die Kirche mit neuer Vitalität zu erfüllen.

Gegenwärtig ist Rom weit von diesem Weg entfernt. Die verschiedenen Episkopate, egal ob in England, Deutschland, Frankreich, Holland, in der Schweiz oder in Amerika, sind auf dem besten Weg apostatisch zu werden! Apostatisch bedeutet, vom katholischen Glauben abzufallen und nicht mehr wirklich daran zu glauben. Sie kennen die Zeitschrift „Approaches“ von Hamish Fraser. Ich rate Ihnen diese Zeitschrift zu lesen. Der letzten Ausgabe dieser Zeitschrift hatte Hamish Fraser ein kleines Heft mit dem Titel „Schisma-Erklärung“ beigelegt. Diese Schisma-Erklärung „Weg von Rom“ entstand durch Kardinal Hume und den englischen Bischöfen. Hamish Fraser bemerkt am Schluß: „In England befinden wir uns in der gleichen Lage, wie die englischen Katholiken zur Zeit der anglikanischen Reform während der Herrschaft von König Heinrich VIII.“ Das ist eine schwerwiegende Aussage. Bei Autoren wie Hamish Fraser handelt es sich nicht um Menschen, die übertreiben oder für urteilslos gehalten werden könnten. Michael Davis vertritt die gleiche Ansicht wie Hamish Fraser.

Der deutsche Episkopat hat vor kurzem ein Dokument über die Mischehen herausgegeben. Dieses Dokument besagt, daß Mischehen zwischen Protestanten und Katholiken entweder vor einem Pastor oder vor einem katholischen Priester geschlossen werden können. Für die Eltern besteht die Möglichkeit, ihre Kinder entweder bei den Protestanten oder bei den Katholiken erziehen zu lassen. Das gleiche gilt bei der Ausübung der Religion. Diese Bischöfe sind nicht mehr katholisch! Sie stellen den Protestantismus und den Katholizismus auf die gleiche Ebene, mit der Begründung, es sei die gleiche Religion und der gleiche Glaube. Es ist nicht das gleiche. Diese Bischöfe verstoßen gegen die entsprechenden Canones des bisherigen Kirchenrechts. Das neue Kirchenrecht hat eine Exkommunikation abgeschafft. Dagegen exkommuniziert das alte Kirchenrecht Eheleute, die ihre Ehe vor einem Pastor schließen.

Am letzten Sonntag gab es in der Schweiz eine Abstimmung über die Frage der Ehe. Die Schweizer Bundesregierung ließ alle Schweizer über ein neues Ehegesetz abstimmen. Ein abscheuliches Gesetz, das sogar die natürliche Struktur der Ehe zerstört, nicht nur das Ehesakrament. Der Frau ist es freigestellt, den Namen ihres Mannes anzunehmen. Außerdem ist die Frau berechtigt, in einer eigenen Wohnung, getrennt von ihrem Mann zu leben. Wenn die Frau bei ihrem Mann im Haushalt arbeitet, kann sie ein Gehalt verlangen. Die Kinder haben die Möglichkeit, sich an einen Sonderrichter zu wenden, um gegen ihre Eltern vorzugehen, wenn sie etwas zu beklagen haben. Was wird unter solchen Umständen aus der christlichen Ehe?

Die Bischöfe haben gegen diese neue Bestimmung nicht Partei ergriffen und fördern dadurch die Zerstörung der Ehe. Es wird auch nicht mehr von Ehe gesprochen. In den Dokumenten der Bischöfe wird das Wort „partenaria“ verwendet, das gleichgestellte Partner bedeutet, die miteinander einen Vertrag über ihr gemeinsames Leben schließen. Beinahe wäre dieses Gesetz nicht verabschiedet worden, da nur eine knappe Mehrheit für diese Einführung war. Wenn die Bischöfe dagegen Partei ergriffen hätten, wäre das Gesetz sicher nicht durchgegangen. Nun wurde es verabschiedet. Gegen dieses Gesetz habe ich in der Schweiz Predigten und Vorträge gehalten, um die Schweizer wachzurütteln. Ich habe die Schweizer darauf aufmerksam gemacht, daß die freimaurerische Regierung im Begriff ist, die Ehe zu zerstören. Dabei ist doch die Schweiz ein traditionstreues Land.

Auch in Rom habe ich bei Kardinal Gagnon dagegen interveniert. Der Kardinal sagte zu mir: „Ich weiß! In Bukarest wurde diese Frage während eines Treffens der verantwortlichen Innenminister der Staaten erörtert. Dabei wurde gefordert, daß die Gesetzgebung der Ehe in allen Ländern geändert wird. Diese Änderung wurde zuerst in Kanada durchgeführt. Jetzt ist die Schweiz diesem Entschluß gefolgt.“

Bitte beachten Sie, daß die Bischöfe diese Tatsache akzeptiert haben. Diese Bischöfe kann man nicht mehr als katholisch bezeichnen, wenn sie ein Übereinkommen akzeptieren, das die Ehe zerstört.

Sie kennen die Lage in Frankreich. Die Katechismen entsprechen nicht mehr dem katholischen Glauben, so daß diese sogar von Kardinal Ratzinger in Rom gerügt wurden. Trotzdem hat sich nichts geändert. Diese Katechismen befinden sich immer noch in den Händen der Kinder. Auch diese Bischöfe können nicht mehr katholisch sein, die den Kindern einen Katechismus in die Hand geben, der nichts über die Erbsünde, die Engel, das Fegefeuer, die Jungfräulichkeit der allerseligsten Jungfrau Maria und viele andere Dinge lehrt.

Über den holländischen Episkopat schweigen wir lieber. Offensichtlich hat der holländische Episkopat den Glauben verloren. In Holland wird nicht mehr gebeichtet. Die Menschen kommunizieren trotzdem.

Kardinal Gagnon sagte in einem Interview für den „Wanderer“, daß der Episkopat der Vereinigten Staaten offensichtlich schismatisch ist. Diese Aussage zeigt deutlich, daß auch dort eine ernste Situation herrscht. Sie werden mich fragen, was Rom dagegen unternimmt. Auch Kardinal Gagnon wurde diese Frage während seinem Interview gestellt. Darauf sagte Kardinal Gagnon: „Rom ist auf dem Weg in ein Schisma.“ Rom bedeutet nicht das ewige Rom und die Kirche aller Zeiten. Es bedeutet vielmehr das Rom, das mehr oder weniger besetzt wird.

Von Hamish Fraser gibt es ein kleines Heft mit dem Titel „Is catholic-jewish dialogue possible?“ – „Ist ein Dialog zwischen Katholiken und Juden möglich?“ Dieses Heft hat er anläßlich eines Artikels über die Beziehungen zwischen Christen und Juden im Osservatore Romano veröffentlicht. Wenn man diesen Artikel im Osservatore Romano liest, traut man seinen Augen nicht. Der Artikel wurde von Kardinal Willebrands, dem Präfekten des Sekretariates für die Einheit der Christen, gemeinsam mit der jüdisch-christlichen Kommission verfaßt. Sie verstehen sicher, was ein Artikel von Kardinal Willebrands bedeutet. Anscheinend ist dieser Artikel das Ergebnis einer zweijährigen Arbeit. Der Papst gratulierte Kardinal Willebrands zu diesem Artikel vor einer Abordnung der B’nai Brith aus New York, die nichts anderes als eine Abordnung von jüdischen Freimaurern darstellt. Diese Loge ist ausschließlich Juden vorbehalten. Nur Juden können in diese Organisation aufgenommen werden. Die B’nai Brith zählt 120.000 Mitglieder. Merkwürdigerweise werden etwa alle sechs Monate Delegierte der B’nai Brith in Rom empfangen. Da es sich bei diesem Artikel um die Juden handelte, empfing der Papst aus diesem Grund eine Abordnung der B’nai Brith in Rom. Er machte ihnen Komplimente und beglückwünschte sie zu diesem Artikel.

In diesem Artikel wird ausdrücklich erwähnt, daß die Katholiken ebenso den Messias erwarten, wie die Juden von heute. Wir erwarten Unseren Herrn als Richter. Er wird kommen, um uns zu richten. Wir erwarten Unseren Herrn nicht mehr als den Messias. Als Messias war Unser Herr bereits auf Erden. Ich verstehe nicht, wie man so etwas behaupten kann. Allerdings zeigt diese Aussage deutlich, was in Rom vorgeht. Warum wird eine solche Rücksicht auf die Juden genommen, daß man darüber den katholischen Glauben aufgibt? Anscheinend stehen wir wirklich vor großen Geheimnissen. Wir befinden uns in einer sehr gefährlichen und schmerzlichen Periode. Ich glaube nicht, daß die Synode eine Änderung bringen wird.

Diese Tatsachen habe ich nicht erfunden. Auch diesen Artikel von Kardinal Willebrands habe ich nicht verfaßt. Inzwischen wurde dieser Artikel in allen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Ich habe auch nicht die Erklärung der Bischöfe von England, Deutschland und der Schweiz erlassen.

Was können wir unternehmen? Die Antwort finden wir beim hl. Athanasius. Er sagte seinerzeit zu den Katholiken, die in der Gefahr schwebten, arianisch zu werden: „Bewahrt die Tradition!“ Wenn wir die Kirche erhalten wollen, müssen auch wir die Tradition bewahren. Sollten wir deswegen exkommuniziert oder geschlagen, vielleicht auch lächerlich gemacht, oder als Rückständige, als Menschen von gestern oder als Fossilien betrachtet werden, uns darf nichts davon abbringen, den katholischen Glauben zu bewahren.

Wir haben unsere Wahl gegen die Säkularisierung und gegen die neue zerstörende Ausrichtung der Kirche getroffen. Ebenso sind wir gegen alle Modernisten, die seit Jahrhunderten von den Päpsten verurteilt wurden. Bekennen wir uns zur Vergangenheit der Kirche. Wir wollen keinen Bruch mit der Vergangenheit. Außerdem wollen wir nicht zu den Personen gehören, die die Kirche zerstören.

Nehmen wir uns die beiden heiligen Päpste, Papst Pius V. und Papst Pius X., zum Vorbild. Beide Päpste hielten an der Heiligen Messe und an der wahren Liturgie aller Zeiten fest. Sie haben Katechismen geschaffen – den Katechismus des Konzils von Trient des hl. Papst Pius V. und den Katechismus des hl. Papst Pius X. – und bis zum Tod gegen die Irrlehren gekämpft. Der hl. Papst Pius V. war der Sieger von Lepanto über die Muselmanen. Der hl. Papst Pius X. siegte über die Modernisten. Nehmen wir uns diese beiden letzten heiligen Päpste zum Vorbild. Sie waren die einzigen Päpste, die seit dem Konzil von Trient kanonisiert wurden. Folgen wir ihrem Rat, ihren Katechismen, ihrer Liturgie, ihrer Dynamik und ihrer besonderen Gnade für den Kampf gegen die Irrlehren der Feinde der Kirche. Bewahren Sie Ihre Familien in diesem Geist und vor allen Irrtümern, die Sie umgeben.

Wir Priester müssen das Priestertum fortsetzen und der Kirche durch die Seminare zum Nachwuchs verhelfen. Diese Aufgabe wollen wir erfüllen. Danken wir dem lieben Gott für die vielen Berufungen. In den letzten fünfzehn Jahren durfte ich zweihundertfünfzig Priesterweihen vornehmen, davon einhundertzweiundsechzig Priesterweihen für die Bruderschaft. Die restlichen Priester wurden für andere Kongregationen und Gesellschaften geweiht. Es gibt noch Hoffnung.

Wunderbare Beispiele finden wir in den Martyrern während der Reformation. Heilige haben ihren Glauben gegen ihre ganze Umgebung bekannt. Lieber vergossen sie ihr Blut, als ihren katholischen Glauben aufzugeben. Folgen wir den Beispielen dieser Heiligen und Martyrer, die der Kirche und der Göttlichkeit Unseres Herrn Jesus Christus immer treu waren. Unser Herr hat gesagt: „Selig, die Verfolgung leiden, um der Gerechtigkeit willen.“ Seien auch wir glücklich, wenn wir Verfolgungen um der Ehre Gottes und des Heils der Seelen willen erleiden müssen.