Bedeutung des Herz-Jesu-Bundes

Bedeutung des Herz-Jesu-Bundes: Verwirklichung des sozialen Königtums Christi

„Das letzte Ziel des menschlichen Lebens wie auch der Gesellschaft ist Gott.'' Thomas von Aquin

Das letzte Ziel des menschlichen Lebens wie auch der Gesellschaft ist Gott. - Das ist die unverfälschte katholische Lehre, die wir in der Heiligen Schrift und in der ganzen Überlieferung vorfinden. Das ist der Grundsatz, der in der Antwort auf die erste Frage des Kate­chismus ausgeführt wird.

Vorbild des Herz-Jesu-Bundes Tirols

Die immerwährende katholische Lehre betont, daß nicht nur jeder Einzelne, sondern auch die Gesellschaft, das Land, der Staat letztlich in Gott ihren Zweck und Ziel zu sehen haben.

Nun, nicht jeder Mensch strebt so, wie er soll, nach seinem letzten Ziel. Einige suchen Gott wahrhaft und beharrlich, sie beten Ihn an und dienen Ihm treu und vorbildlich, andere sind eher lau oder gleichgültig oder so­gar gegenüber der Religion ganz feindlich eingestellt. Ähnlich gab es Staa­ten und Länder, die den einzig wahren Gott wirklich ehrten und öffentlich als ihren König anerkannten, andere Länder waren und sind religiös indif­ferent oder sie verfolgen sogar den wahren Glauben.

Und doch gilt es zu jeder Zeit: Das letzte Ziel des Staates ist Gott. - Ei­ne herausragende Erfüllung dieser Pflicht der Gesellschaft gegen den Schöpfer und Erlöser ist der Herz-Jesu-Bund Tirols, der ein eindeutiges Zeugnis für das soziale Königtum Christi darstellt.

Der Herz-Jesu-Bund Tirols ist also keineswegs nur irgendeine Art loka­ler Folklore, sondern eine konkrete, im eigenen Land verwurzelte und für die ganze Welt vorbildliche Verwirklichung des sozialen Königtums Christi.

Besonders uns traditionstreuen Katholiken muß der Herz-Jesu-Bund wahrhaft teuer sein. Die Treue zur echten katholischen Tradition führt uns wie selbstverständlich dazu, die Treue zum Herz-Jesu-Bund zu schätzen, sie zu unterstützen und aus ihr zu lernen. - Wer den Herz-Jesu-Bund nicht schätzen will, der versteht die Tradition nicht und stellt die eigene Katholizität in Frage.

Und es gilt auch: Nur wer die katholische Tradition bewahrt, kann auch wirklich den Herz-Jesu-Bund verstehen und hochachten. Ein trauriger Be­weis dafür ist das nachkonziliare Gebet zur Herz-Jesu-Gelöbniserneuerung. In ihm findet sich - im Unterschied zur klassischen Herz-Jesu-Bundeserneuerung - keine Erwähnung der Notwendigkeit unserer Sühne, kein Wort vom katholischen Glauben als dem alleinseligmachenden, kein Bekenntnis zum sozialen Königtum Christi, und was vielleicht am schlimm­sten ist, keine Verpflichtung zur Treue, das Wort „Treue" fehlt gänzlich. Somit ist dieser nachkonziliare Text keine Herz-Jesu-Bundeserneuerung, sondern vielmehr ein Akt der Treulosigkeit wie auch der Täuschung und Fälschung.

Dreifache Bedeutung

Betrachten wir nun etwas näher den Sinn und die Bedeutung des Herz-Jesu-Bundes. Der fromme Abt von Stams Sebastian Stöckl hat mit folgenden Worten zur Schließung des Bundes aufgerufen: „Das Herz Jesu ist unsere Hilfe und die Zuflucht zum Gottesherzen unsere Rettung. Dar­um stelle ich den Antrag, wir weihen unser Land dem Herzen Jesu. Wir schließen mit dem Herzen Jesu einen Bund."

Der fromme Prälat hat den Landesboten Tirols aus dem Herzen gespro­chen. Sie verstanden: Eine große historische Stunde ist gekommen, und so beschlossen sie einen Bund mit dem heiligsten Herzen Jesu, sie weih­ten das Land dem Erlöserherzen. (Dies geschah am 1. Juni 1796 in Bo­zen.) Dadurch wurde dem Lande Tirol wahrhaft eine Quelle des Segens und der Gnade geöffnet.

Worin besteht also genau die Bedeutung des Herz-Jesu-Bundes? Vor allem in drei Tatsachen: Es ist eine ganz große Ehre, ein besonderer Auftrag/Ruf, und eine außerordentliche Verbindung, die ein Volk an das Herz Jesu ketten kann (und dadurch eine Quelle größter Kraft).

Größte Ehre verpflichtet zum Dank

Erstens geht es um die Ehre: Vom Tiroler Herz-Jesu-Bund gilt (im abge;iteten Sinn) dasselbe Wort, das der Heiland einst zu den Apostelngesprochen hat: „Nicht ihr habt Mich erwählt, sondern Ich habe euch auserwählt" (Joh 15,16). - Eine solche Auserwählung bedeutet allerdings die höchste Ehre.

Es haben im wahrsten Sinn des Wortes nicht die frommen Tiroler das Herz Jesu zum Bundesherrn erwählt, sondern umgekehrt, der Herr hat das Tiroler Volk auserwählt und zur höchsten Ehre auserkoren. - So müs­sen die Tiroler in Wahrheit mit dem heiligen Apostel Johannes bekennen: „Von Seiner Fülle haben wir Gnade über Gnade empfangen" (Joh 1,10).

Der Heiland selbst hat die erwähnte Anregung in das Herz des from­men Abtes von Stams gelegt, der Prälat war nur ein Werkzeug des göttli­chen Herzens. Und der Herr gab wiederum die Gnade, daß dieser Antrag so freudig aufgenommen und die begeisterte Zustimmung des Tiroler Landes gefunden hat.

Jesus Christus war es also, der das Tiroler Volk gnädig in Seinen Bund aufgenommen hat. Es ist eine außerordentliche Ehre, die allerdings zur tiefsten Dankbarkeit verpflichtet. Welch einen innigen Dank schuldet das Land Tirol seinem Bundesherrn, dem heiligsten Herzen Jesu!

Erhabener Ruf - würdig wandeln

Zweitens: In dieser ehrenvollen Gnadenwahl Christi liegt ein überaus errlicher Ruf und Auftrag. - Dieser Ruf des göttlichen Herzens er­ geht an das ganze Tiroler Volk, darum gilt hier auch das Wort der Heiligen Schrift: „Er erleuchtete die Augen eures Herzens, damit ihr das versteht, wozu ihr berufen seid" (vgl. Ezech 1,18).

Der Ruf und Auftrag besteht darin, das Herz Jesu zum wahren Bundes­herrn zu haben, in vorbildlicher Weise das göttliche Herz zu verehren und Ihm ganz zu gehören. - Das stellt eine einmalige Quelle der Gnade und des Segens für das Tiroler Land und seine Bewohner dar. Es verpflichtet aber auch nach der Mahnung des heiligen Apostels Paulus: „Wandelt wür­dig [dessen], wozu ihr berufen seid" (Eph 4,1).

Aus dieser Mahnung ergibt sich auch das prägnante Wort eines guten Priesters, der betonte: Ein Tiroler, der das Herz Jesu nicht kennt und nicht liebt und nicht zum Mittelpunkt seiner Andacht macht, ist kein echter Tiro­ler. Wandelt also würdig dessen, wozu ihr berufen seid!

Stärkste Verbindung

Der dritte Punkt zeigt den tieferen Sinn des Herz-Jesu-Bundes: er ist eine ganz feste Bindung des Tiroler Volkes an das Erlöserherz Christi, an Gott selbst.

Schon das Wort „Bund" kommt von „binden". Durch einen Bund stehen sich zwei nicht bloß nahe, sondern sie werden förmlich aneinander ge­bunden, sie sind auf das innigste miteinander vereint.

Welch unschätzbare Gnade liegt also darin, aufs innigste an das Herz Jesu rechtlich gebunden zu sein, mit Ihm durch so starke Bande vereint zu sein!

Dieses Herz ist die Quelle aller Heiligkeit und der Feuerherd der göttli­chen Liebe. Und je näher einem Feuer, desto wärmer wird es dem Men­schen. Wenn das Tiroler Volk so nahe dem Heiligsten aller Herzen steht, wieviele Strahlen innigster Gottesliebe fluten dann über dieses Volk und spornen zur Erwiderung der höchsten Liebe an!

Quelle größter Kraft

Die Bindung an das Herz Jesu bedeutet auch die Quelle größter Kraft. Im allgemeinen setzt ein Bündnis immer Gefahr und Feinde voraus, gegen die man sich durch vereinte Kraft mit dem Bundesgenossen schüt­zen will. So ist der Bund ein Mittel der Kraft und Stärke gegen Feinde, ge­gen Not und Gefahr. Gewöhnlich verbindet sich der Schwache mit dem Starken, um bei diesem Obhut, Schutz und Hilfe zu finden. - Aus diesem Gedanken heraus hat ja auch das Land Tirol den Bund geschlossen, weil es wußte, im Herzen Jesu hat es die stärkste Hilfe und den besten Schutz.

Die Interessen des Tiroler Landes waren nicht nur die legitim zeitlichen (wie Schutz in Gefahr und Kriegsnot), sondern noch viel mehr die über­zeitlichen Interessen: die Güter des Glaubens, des einzigen Weges zum Heil (ohne den wahren Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen), wei­ters die Reinheit der Sitten besonders bei der Jugend, der christliche Geist in den Familien, die treue Haltung der Gebote, die Hochschätzung der Sa­kramente und des heiligen Meßopfers. - Zu diesem Zweck konnte sich das Tiroler Volk keinen besseren und stärkeren Bundesherrn wählen als das heiligste Herz Jesu.

Liebe Gläubige, die Betrachtung des Herz-Jesu-Bundes mahnt und er­mutigt uns vor allem zum folgenden: Seien wir eifrige Verehrer des Erlö­serherzens Christi, halten wir Ihm unerschütterliche Treue und erfüllen wir Tag für Tag gewissenhaft die Pflichten unseres Standes.

Unsere Rettung

Das ist der Weg zur Verwirklichung des sozialen Königtums Christi in nserer Umgebung. Unser Herr, der Bundesherr Tirols betonte doch: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden" (Mt 28,18). Er ist wahrhaft König des Himmel und der Erde und des Landes Tirol und jeder Familie und jedes Menschenherzens! Er ist und bleibt unser aller König in Zeit und Ewigkeit!

Mit wieviel Dankbarkeit und Begeisterung wollen wir also dem Heilig­sten Herzen Jesu treu bleiben, Ihm durch eine wahre Hingabe gefallen und dieses göttliche Herz aus unserem ganzen Herzen lieben! Denn es gilt, was Abt Sebastian Stöckl sagte: „Das Herz Jesu ist unsere Hilfe und die Zuflucht zum Gottesherzen unsere Rettung".