Predigt zur Heimatprimiz von P. Lukas Lipp

13 Juli, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

Predigt von Pater Andreas Steiner anlässlich der Heimatprimiz von P. Lipp am 7. Juli 2018 in der Pfarrre Imsterberg.
 

Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung des Melchisedech!

Lieber Pater Lukas,

das ist der Tag, den der Herr gemacht hat, und es ist Dein Tag. Wir sind alle gekommen, um ihn mit Dir zu feiern. Der Tag Deiner feierlichen Heimatprimiz; der Höhepunkt im Leben des Priesters, zusammen mit der Priesterweihe. Du feierst Dein Erstlingsopfer in Deiner Tiroler Heimat, gemeinsam mit Deiner Familie und Verwandten, Deinen Studienkollegen, allen Gläubigen und Gästen aus nah und fern. Und Du feierst es hier in Imsterberg, in der Pfarrkirche zu Ehren der Sieben Schmerzen Mariens. Als Festmesse hast Du das Heiligste Herz Jesu gewählt. Damit hast Du selber, lieber Lukas, alles ausgewählt, worüber es sich zu reden lohnt am Tage der Primiz: Berufung und Priestertum, das Heilige Messopfer, die Rettung der Seelen und die Herzen Jesu und Mariens.

1. Was heißt Berufung?

Zunächst einmal muss man festhalten: Es ist ein langer Weg dahin.

Als kleiner Junge an der Volksschule in Reutte und später im Gymnasium, da warst Du schon Ministrant und auch Jugendgruppenleiter. Den ersten zarten Ruf hast Du verspürt durch den Kontakt mit dem heiligen Franziskus, nämlich durch die Franziskanerpatres in Reutte.

Doch wie so oft im Leben junger Menschen war dieses erste Verlangen nach dem Priestertum noch zu schwach, der Ruf zu leise, das Drängen zu wenig kraftvoll. Also bist du vom kleinen Reutte in die große weite Welt hinaus, nach Innsbruck, um dort Medizin zu studieren. Da hat der liebe Gott nochmals angeklopft, diesmal durch die Jugendlichen der Priesterbruderschaft St. Pius X.

Ihr seid durch Andalusien gewandert, mit dem Rucksack und ganz auf Gottes Vorsehung vertrauend. Der Glaubenseifer und die Begeisterung der KJB haben dich fasziniert, und so hast Du Dich an den Ruf der ersten Kindheit erinnert. Du tratest 2009 ins Priesterseminar ein und stehst heute, neun Jahre später, als Pater Lukas Lipp am Hochaltar.

Jetzt wissen wir, dass der Weg zum Priestertum ein langer ist, dass es auch Umwege und Verzögerungen geben kann. Dieser Weg heißt Berufung, und die Vorsehung Gottes fügt diese Berufung bei jedem Menschen anders.

So hat Jesus zu Petrus gesagt: Petrus, Was machst Du da? Fischen? Hier, am See Genezareth? Das ist nichts für Dich, komm, ich mache Dich zum Menschenfischer. Und zum Zöllner Matthäus: Was sitzt Du hier am Schreibtisch und rechnest die Einfuhrsteuer und die Ausfuhrlizenzen aus? Komm mit, Du sollst mein Jünger sein. Und zum heilige Paulus: Was machst Du da, Paulus? Christen verfolgen? Sie töten? Zeig mir das Schreiben in Deiner Hand! Einen Verfolgungsbefehl für die Christen in Damaskus? Ich zeige Dir, was Du machen sollst: Du wirst das Christentum nicht verfolgen, sondern auf der ganzen Welt ausbreiten!

Das ist das Eigentümliche des Rufes Gottes: Er kann völlig unerwartet ohne jede Vorankündigung wie ein Blitz das Leben des Menschen verändern.

Du, lieber Lukas, hast in Deinem Fall genau richtig geantwortet. Denn wenn Gott ruft, dann darf keine irdische Stimme Dich zurückhalten. Die Antwort ist radikal, ist unwiderruflich, ist ohne faule Kompromisse.

Wenn Gott ruft, kann man nicht sagen: Ja, ich diene Gott schon, so mit 70% meines Herzens. Den Rest behalte ich für mich, oder für meine Freundin, meine Freunde oder meine persönlichen Pläne.

Die Antwort auf die Berufung ist ganz oder gar nicht!
Paulus fiel vom Pferd und blieb stumm liegen. Johannes und Petrus lassen den Vater mitsamt seinen Netzen stehen und liegen und folgen Jesus nach. Der Zöllner verlässt sofort seinen Zahltisch und ist Jesu Jünger.

Die Berufung ist radikal, weil Gott alles gebührt.

Warum ist die Berufung so kompromisslos? Weil der Priester ein Mann Gottes ist. Er ist herausgenommen aus dem gewöhnlichen Leben und hineinversetzt in das Allerheiligste Gottes.

So kommen wir zur nächsten Frage:

2. Was ist ein Priester?

Der Priester ist ein zweiter Christus. Er tut das, was Christus getan hat.

Wenn der Priester ein zweiter Christus ist, dann muss man natürlich fragen: Wer ist Christus? Da zeigt sich heute leider eine große Verwirrung selbst unter Katholiken. Die einen sagen, er ist ein gewöhnlicher Mensch, die anderen ein erleuchteter Meister, wieder anderen er ist einer unter vielen Religionsstiftern.

Die Antwort gibt Petrus, der erste Papst selbst, als Jesus ihn fragt: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ - „Du bist Jesus Christus, der Sohn Gottes.“

Deswegen steht Jesus eben nicht auf einer Stufe mit Mohammed, Buddha, Bagwan und Zarathustra. Diese Religionsstifter sehen sich alle als erleuchtete Meister. Jesus aber ist der Sohn Gottes.

Das ist der Unterschied!

Und daraus folgt: Die von Jesus Christus gestiftete Kirche ist der einzige Weg zum Vater. Jesus sagt: Niemand kommt zum Vater, als durch mich.

Genau das ist der Wesenszug des Priesters: Er ist ein Mann des Glaubens. Stellen Sie sich vor, Pater Lipp hätte neun Jahre Ausbildung absolviert, vier Semester Philosophie, sechs Semester Theologie, um dann am Ende zu sagen: Ja, ich glaube das selber alles nicht so genau.

Der Priester muss innerlich zutiefst überzeugt sein, der Glaube an den Gottessohn muss ihn entzünden, er muss ihn umwandeln. Dann, und nur dann, wenn dieser Glaube so groß wird, dass Du, lieber Lukas, mit dem heiligen Paulus sagen kannst: „Nicht mehr ich lebe, Christus lebt in mir“, dann wird auch nach außen sichtbar, was du am Tag Deiner Priesterweihe geworden bist: Ein zweiter Christus.

3. Was ist die Aufgabe des Priesters?

Das zu tun, was Christus getan hat.

Der Heiland ist für die Sünden der Welt am Kreuz gestorben. Genau darin besteht die wichtigste Handlung des Priesters: das Messopfer.

Wir sind heute hier versammelt in der Wallfahrtskirche Sieben Schmerzen Mariens. Ein Dank gilt ganz besonders Pfarrer Stefan Müller, der es ermöglicht hat, dass Du hier deine Heimatprimiz feiern kannst. So manch anderer Neupriester hat keine Kirche bekommen, musste ein Festzelt aufbauen oder musste in einen Veranstaltungssaal ausweichen.

Du darfst in einer Kirche zelebrieren und da sieht jedermann sofort: Dies ist das Haus Gottes. Es ist gebaut für das Hochheilige Messopfer, das Messopfer der katholischen Kirche. Das waren die Worte des Bischofs, als er Dir die Hände gesalbt hat, als er Dir den Kelch überreicht hat: Empfange die Gewalt, Gott das Opfer darzubringen.

Die katholische Definition der Messe lautet: Es ist die unblutige Erneuerung des Kreuzesopfers Jesu Christi. Unblutig bedeutet, dass Jesus natürlich nicht bei jeder Messe aufs neue leiden und physisch sterben muss. Er ist einmal gestorben und hat ein für alle Mal alle Sündenschuld bezahlt. Aber dieser höchste und wichtigste Augenblick der Menschheitsgeschichte ist so gnadenbringend und wertvoll, dass Jesus Christus am Abend vor seinem Leiden Brot nahm, es brach und zu seinen Jüngern sagte: Das ist mein Leib. Tut dies, sooft ihr es tut, in meinem Gedenken. Das ist das Messopfer. Jesus Christus wird wahrhaft und wirklich auf dem Altar gegenwärtig und opfert sich dem himmlischen Vater zur Vergebung der Sünden.

Durch Deine Worte, lieber Lukas, wird es geschehen, Du, Lukas Lipp, wirst sagen: Das ist mein Leib. Und in diesem Augenblick wird die Hostie der Leib unseres Herrn Jesus Christus. Erst wenn man das versteht, wenn man das weiß, begreift man, warum das Messopfer am Hochaltar dargebracht wird; weil hier Gott im Mittelpunkt steht, und erst in zweiter Linie der Mensch. Gott Vater empfängt aus der Hand des Priesters aufs neue das vollkommene Opfer der Liebe, der Hingabe seines Sohnes, aber dieses Mal aus der Hand des Priesters, aus Deinen heiligen und gesalbten Händen.

Aber das Volk ist nicht passiv irgendwo im Kirchenraum: Im Gegenteil, es hat Anteil am Messopfer, es opfert mit Dir gemeinsam die vollkommene Opfergabe. „Betet Brüder, dass mein und euer Opfer wohlgefällig werde bei Gott, dem allmächtigen Vater“, wirst Du gleich beten.

Das ist die tiefe Bedeutung der Primizbraut; du hast ja heute gleich mehrere. Sie bringen eine Krone an den Altar, um allen Menschen heute, hier in Imsterberg zu zeigen: Wir Gläubige haben Anteil am Opfer des Priesters, wir schauen gemeinsam mit ihm zu Gott hin und bringen all unsere Sorgen, Nöte, Leiden und Freuden und vereinigen sie mit dem vollkommenen Opfer, das der Priester am Altar darbringt.

Aus dem Heiligen Messopfer des Priesters am Altar folgt nämlich die Rettung der Seelen, das Heil der Menschen.

Dieses Heil wird heute oft falsch interpretiert. Man denkt an ein schönes langes Leben, Gesundheit, eine schöne Gemeinschaft, ein tolles Miteinander, keine Armut, aufeinander Zugehen, füreinander Dasein und gegenseitige Hilfe.

Gott wird heute immer mehr umfunktioniert zum Erfüllungsgehilfen der innerweltlichen Gemeinschaft. Gebet ist so etwas Ähnliches wie die Münze für den Cola-Automat. Ich werfe eine Münze ein, dafür hat der liebe Gott dann meine Wünsche zu erfüllen.

Das Heil des Menschen besteht darin, dieses Leben auf Erden gerecht und heilig zu leben, um einsteins zur Anschauung Gottes zu gelangen. Oder wie die erste Frage im Katechismus lautet: Wozu sind wir auf Erden? Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und so einst in den Himmel zu kommen. Und der Priester ist der Mann, der den Menschen diesen Weg ermöglicht.

Du wirst taufen, Lukas, und damit das Leben der Gnade und Heiligkeit in die Seelen ausgießen. Du wirst Beichte hören, und damit die Menschen heilen, wenn sie eine schwere Sünde begangen haben, wenn sie die Gnade Gottes verloren haben, oder auch wenn sie einfach Stärkung brauchen bei lässlichen Sünden und Unvollkommenheiten. Du wirst die Kommunion spenden, um so den Menschen die tägliche, geistliche Nahrung zu geben, die höchste Nahrung, den Leib des Herrn. Du wirst die Ehen einsegnen, damit die Menschen vor Gott in heiligem Band als Vater und Mutter eine Familie gründen können. Du wirst am Sterbebett sein, um den Menschen beizustehen, wenn dieser kurze, irdische Weg vollendet ist und sie ins Vaterhaus heimkehren.

Damit kommen wir zum Abschluss. Denn bei all dem wird es einen Leitstern für dich geben; etwas wie den Polarstern, der am Himmel leuchtet und dir immer den Weg zeigt:

4. Das Heiligste Herz Jesu

So sollst Du auch sein, lieber Lukas. Die Darstellungen des Herzens Jesu zeigen eine Flamme, welche brennt. So soll dein Herz auch entflammt sein. Es soll brennen in der Sorge um die Seelen, um ihre Rettung, um ihnen beizustehen und die Quellen der Gnade zu öffnen.

Hier, im Heiligen Land Tirol, muss man niemandem erklären, was das Herz Jesu ist. Das Tiroler Volk hat seit über zweihundert Jahren einen Bund mit dem Herzen Jesu geschlossen, es ist ihm geweiht, als erstes Land der Welt. In wieviel Nöten hat das Herz Jesu nicht schon das Land Tirol gerettet. Nach den Wirren des Protestantismus waren es die Jesuiten und Kapuziner, welche durch das Herz Jesu die Menschen zum Glauben zurückführten. Als eine fremde Macht das Land bedrohte, da versammelte sich das Volk am 3. Juli 1796 in der Pfarrkirche zu Bozen, um einen Bund mit dem Herzen Jesu zu schließen.

Lieber Lukas, Deine erste Stelle wird nicht hier in Tirol sein, sondern im fernen Amerika. Nimm diesen Schatz mit in die fremde, neue Welt. Es wird dein ganzes Apostolat fruchtbar machen, und natürlich auch die Gottesmutter. Die Sieben Schmerzen Mariens vom Imsterberg erinnern uns daran, dass die Rettung der Seelen nicht kostenlos, nicht gratis ist. Wir müssen für sie bezahlen, so wie das Herz Jesu am Kreuz bezahlt hat.

Aber mit diesen beiden Stützen zur Seite, dem Heiligsten Herzen Jesu und dem Unbefleckten Herzen Mariens, wirst du ein guter Priester, wird die heutige Heimatprimiz hier in Imsterberg der Beginn eines fruchtbaren Priesterlebens sein.

Möge die unfehlbar weise Vorsehung Gottes Dir das gewähren. Wir alle beten heute an Deinem Festtag darum.

Amen.

(Anmerkung: Pater Steiner fiel leider krankheitsbedingt aus, weshalb Pater François Berthod (Subregens) für Ihn die Predigt vortrug.)