Übertragung der Reliquien des hl. Petrus Canisius in die Kathedrale von Freiburg/CH

07. Juni 2021
Quelle: Distrikt Deutschland

Als Petrus Canisius am 21. Dezember 1597 in Freiburg im Üechtland/Schweiz gestorben war, wurde er in der Stadtkirche St. Nikolaus, die damals noch nicht Kathedrale war, beigesetzt. Erst nach der Fertigstellung der Kirche des Kollegiums St. Michael wurde er 1625 dorthin umgebettet, wie es sein Wunsch gewesen war.

Nun, zur Feier seines 500. Geburtstages (8. Mai) und der Gründung der neuen zentraleuropäischen Ordensprovinz der Jesuiten wurde ein Teil der Reliquien des Heiligen am 26. April wieder in die Kathedrale übertragen.

Die Übertragung wurde notwendig, da das Kollegium seit den 1970er-Jahren keine kirchliche Schule mehr ist und in der Kollegiumskirche schon seit langer Zeit kaum mehr die hl. Messe gefeiert wird. Die Kirche ist meistens geschlossen, und der Besuch des Grabes des Heiligen war fast unmöglich. So ist dieser Tag der Umbettung eigentlich nicht ein Feiertag, sondern ein Zeuge des kirchlichen Niedergangs. Auch die Gründung der neuen Ordensprovinz der Jesuiten mag als Freudentag dargestellt werden, aber die Zusammenlegung der ehemals selbständigen Länderprovinzen wurde auch nur wegen des ständig kleiner werdenden Ordens notwendig. Beides würde dem Heiligen bitter weh tun, wenn er es hätte erleben müssen.

Das Kollegium St. Michael in Freiburg ist die letzte Schule, die der hl. Petrus Canisius gegründet hat (1581), und zwar auf einen strikten Befehl von Papst Gregor XIII. hin.

Es ist wichtig, aus der Geschichte zu lernen, um in der heutigen Kirchen­krise die richtigen Mittel zu ergreifen. Am Beispiel des hl. Petrus Canisius sehen wir, wie die Kirche damals auf den verheeren­den Glaubensabfall im Zuge der Refor­mation reagiert hat. Obwohl der Jesui­tenorden wegen Per­sonalmangels eigent­lich keine Priester senden wollte, hat der Papst sich doch durchgesetzt, so dass der Provinzial schließlich dem hl. Petrus Canisius den Auftrag zur Schulgründung in Freiburg erteilte. Um die Gründung möglich zu machen, hat der Papst persönlich für die finan­zielle Ausstattung der Schule gesorgt, indem er das durch einen Brand schwer beschädigte Prämonstratenser­kloster Marsens bei Bulle aufhob und dessen Güter dem Kollegium St. Michael übertrug. Noch heute gehören dem Kollegium drei Bauernhöfe und eine Alp im Kanton Freiburg.

Eine gute katholische Bildung und Ausbildung in der Glaubenslehre ist ein absolut unverzicht­barer Teil eines katholischen Wiederaufbaus. So hat der Hei­lige neben der Bemühung um katholische Schulen auch noch den ersten Schul­katechismus herausgebracht (daher der Name „Kanisi“ für den Kate­chismus). In diesem Zusammenhang muss auch erwähnt werden, dass Petrus Canisius maßgeblich beteiligt war an der Ansiedlung des ersten Druckers in der Stadt Freiburg. Katholische Schule, katholisches Presse­apostolat und Predigt zur Vertiefung des Glaubens des ein­fachen Volkes, wie es das Konzil von Trient gefordert hatte, dessen Theologe er auch gewesen war – das sind die Punkte, mit denen er nach der Reformation den katholischen Glauben wieder stärken wollte. Insgesamt hat Canisius im deutschen Sprachraum 18 Kollegien gegründet!

Dabei hielt der Heilige nicht viel von einer bloßen Konfessions­polemik. In einem Brief an den Ordensgeneral Acquaviva von Anfang Januar 1583 distanzierte er sich deutlich von dieser Art des Glaubenskampfes: „Jetzt möchte ich einige Fehler aufzählen, die unsere Seelsorge unter Häretikern stören und all unser Bemühen ergebnislos machen können. Solche Fehler sind Schroffheit und Härte, Wortstreitereien und Disputationen über den Glauben; denn die Häretiker werden immer widersprechen, und deshalb können sie nicht so sehr durch Reden als vielmehr durch das Beispiel zum wahren Glauben zurückgeführt werden.“

Dass das Wirken des hl. Petrus Canisius so offensichtlich von Gott gesegnet wurde, liegt aber sicher an seiner tiefen Verbundenheit mit Gott durch Betrachtung und Gebet. Professor Mariano Delgado von der Universität Freiburg zitiert anlässlich der Gründungsfeier der neuen Jesuitenprovinz vom 27. April aus einem Brief des Heiligen an einen Priester (wahrscheinlich ein Mitglied des Kapitels St. Nikolaus): Das Schlimmste in der Seelsorge sei, „wenn das Salz der Erde schal“ werde. Daher solle man das Stundengebet nicht „oberflächlich überfliegen, leichtsinnig und schnell zu Ende führen (…), gewohnheitsmäßig die vorgeschriebenen Gebete herunterleiern (…). Einige hindert eine übermäßige Sorge um zeitliche Dinge, andere die Zerstreuung durch die Studien; so besinnen sie sich nur widerwillig auf sich selber und auf den Dienst Gottes und können nicht in Ruhe das Geistliche besorgen.“

Nun ruht also ein Teil der Reliquien des hl. Petrus Canisius in der Heilig-Grab-Kapelle der Kathedrale in Freiburg, wo sie zusammen mit den Armreliquien des hl. Nikolaus von Myra und des hl. Bruders Klaus zur Verehrung ausgestellt sind. Die Reliquien der beiden Letzteren wurden bis jetzt im Domschatz aufbewahrt. „Neben der segnenden Hand von Nikolaus von Myra und der betenden Hand von Niklaus von Flüe werden wir die schreibende Hand von Petrus Canisius haben“, erklärt Frédéric Aeby, der Künstler des neuen Armreliquiars des hl. Petrus Canisius.

Quellen und weiterführende Links:

https://www.kath.ch/newsd/mit-leichenwagen-und-bahre-gelangt-die-reliqui...

https://www.freiburger-nachrichten.ch/die-reliquie-des-heiligen-petrus-c...

https://frapp.ch/de/articles/stories/heiliger-petrus-canisius-in-kathedr...

https://www.kath.ch/medienspiegel/dass-das-salz-nicht-schal-werde-das-sp...

https://www.kath.ch/newsd/der-heilige-canisius-zuegelt-mit-kleinem-neben...

https://www.kath.ch/newsd/warum-petrus-canisius-den-heiligen-nikolaus-ve...

https://www.jesuiten.org/news/neues-reliquien-denkmal-fuer-petrus-canisi...

https://www.nzz.ch/schweiz/ein-jesuit-wird-umgebettet-1.18055691

https://www.jesuiten.org/news/reliquien-des-hl-petrus-canisius-in-fribou...

https://www.csmfr.ch/www/Notre-college/Portrait