„Geh auch du in meinen Weinberg!“ - Bedeutung der geistlichen Berufungen

02. Januar 2021
Quelle: Distrikt Österreich

Mit Nachdruck betont unser Generaloberer als wichtiges Anliegen des bis Gründonnerstag dauernden Gebetskreuzzugs die Berufungen: „Lassen Sie uns beten, erflehen wir vom Himmel viele Arbeiter für den Weinberg des Herrn, viele heilige Priester. Unsere Seminare müssen immer voll sein! Die Seelen leiden Hunger, und es gibt nicht genug Priester, um sie zu sättigen!“

Die Frage der Priester- und Ordensberufung ist für die Kirche und die ganze menschliche Gesellschaft in der Tat von elementarer Bedeutung. Mit der Qualität des Priester- und Ordensstandes steht und fällt die Kirche. Dies ist eine historische Tatsache. Immer, wenn es genügend eifrige und hingabebereite Priester und Ordensleute gab, erstarkte die Christenheit, die Menschen bekehrten sich, die Missionen blühten auf, und der gesellschaftliche Frieden breitete sich aus. Wenn hingegen der Priesterstand von seiner Höhe herabsank, die Gottgeweihten lau wurden und verweltlichten, war dies ein Vorbote für den Verfall des Glaubens und der Sitten in der ganzen Christenheit. Die gesellschaftliche Zerrüttung und der Unfriede ließen dann nicht lange auf sich warten.

Besonnene Päpste und Bischöfe begannen in Krisenzeiten immer mit der Reform des Priesterstandes, indem sie für gute Berufungen, eine solide priesterliche Ausbildung sorgten und die Priester zu einem heiligen Leben anhielten. Es gab nie ein anderes Rezept. Erzbischof Lefebvre ließ sich von dieser Weisheit der Kirche inspirieren, als er die Priesterbruderschaft gründete mit dem Ziel, eine neue Generation von Priestern und Ordensleuten heranzubilden. Seinen Weg müssen wir treu weitergehen. Alle gesellschaftlichen Übel können letztlich nur so überwunden werden.

Damit soll nicht gesagt werden, dass nur die Gottgeweihten von Bedeutung seien, die übrigen Christen aber bloß eine „quantité négligeable“. Gewiss nicht! Woher sollen denn die Priester kommen? Sie fallen ja nicht vom Himmel. Nein, in aller Regel kommen sie aus guten katholischen Familien. Das Samenkorn einer Berufung bedarf eines geeigneten Umfeldes, damit es gedeihen kann, und das sind in erster Linie die guten Familien.

Ganz besonders ist hierbei die junge Generation gefordert. Für jeden jungen Menschen werden irgendwann im Leben folgende Fragen auftauchen: Wie wird mein Lebensweg aussehen? Welchen Stand soll ich erwählen? Bin ich für die Ehe berufen oder zum gottgeweihten Leben? Welche Pläne hat Gott mit mir und meinem Leben?

Der junge Mensch kann zweifach reagieren. Er kann diese Fragen ernst nehmen, indem er gewissenhaft über sie nachdenkt, um das Licht Gottes bittet, um Rat anfragt und am besten ignatianische Exerzitien macht. Oder aber, er verdrängt diese Fragen, weil sie ihm unangenehm sind, weil sie ihm seine bereits gemachten Pläne durchkreuzen könnten. Wer dies tut, begeht einen gewaltigen Fehler. Er läuft große Gefahr, einen falschen Weg einzuschlagen und dem Willen Gottes zu widerstehen. Und so wird er sein Lebensglück verspielen. Denn wer gegen den Willen Gottes den falschen Weg in einer missratenen Berufung wählt, kann nicht glücklich werden. Und er fügt sich und anderen nicht geringen Schaden zu. Die Standeswahl ist eine zu wichtige Lebensfrage, als dass man es hier an Klugheit und Besonnenheit fehlen lassen dürfte. Im folgenden Artikel sei die Herrlichkeit der so oft verkannten geistlichen Berufung näher beschrieben, als Anregung für all jene, die sich der Standeswahl zu stellen haben, aber auch für uns alle, eifrig in diesem heiligen Anliegen zu beten.

Von Herzen wünsche ich Ihnen ein gesegnetes neues Jahr! Gott schenke Ihnen christlichen Optimismus und frohe Zuversicht! Die Gottesmutter helfe Ihnen, geborgen unter ihrem Schutzmantel, die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen!

Ihr Pater Stefan Frey

Quelle: Mitteilungsblatt • Distrikt Österreich • Januar 2021