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10. August - Tagebuch des Mesners Ambros

10. August, 2018

10. August

Heute am Laurentiustag haben wir Kirchenvisitation durch den hochwürdigen Herrn Dekan gehabt. Er hat’s ziemlich genau genommen; das muß ja schließlich auch sein. Sogar den Kirchenspeicher hat er nachgeschaut, ob er auch entrümpelt sei. ‘s ist ja wahr, früher sind da droben manchmal Raritäten aufgehoben worden, daß der heilige Florian schwere Arbeit gehabt hätte, wenn’s einmal ans Brennen gegangen wär. Jetzt steht nur noch eine einsame Luftschutzsandkiste auf dem Speicher. Hoffentlich brauchen wir sie nicht. Nachdem der Herr Dekan den Tabernakel, den Taufstein, die Weihwasserstande, die heiligen Ölgefäße gemustert hatte, ließ er sich auch die Kirchenwäsche und die Paramente zeigen; dann wollte er wissen, ob und wie die Geräte feuer- und diebessicher aufbewahrt seien, kurzum, er ist hinter alles gekommen. Dann hat er sogar den Pfarrer beiseitegeschickt und mich gefragt, ob ich zufrieden sei oder ob ich eine Klage hätte. Ich hab ihm gesagt, ich könne ihm nur Gutes berichten, die Herren seien gut zu mir und wir täten fest Zusammenhalten. Dann hat er mir ein Lob gespendet, das ich aber wegen meiner angeborenen Demut nicht hierherschreiben kann, und zum Schluß hat er mich ermahnt, den heiligen Laurentius zum Vorbild zu nehmen; der sei auch ein Kirchendiener (Diakon) gewesen und sei mit seinem Vorgesetzten Sixtus (der allerdings ein Papst war) durch dick und dünn gegangen; sogar sterben habe er mit ihm wollen. So müsse ein Mesner unter allen Umständen zu seinem Pfarrer halten. — Ich glaub, wir kriegen einen ganz guten Bericht. Und heut abend hat mich der Pfarrer zu einer Flasche Wein eingeladen und hat mir zugetrunken mit den Worten: „Ein herzliches Vergelt’s Gott, Ambros, für deine gewissenhafte Arbeit das Jahr über; ohne deinen Fleiß wäre die Visitation nicht halb so gut verlaufen. Prosit!” — Ich tat allen Mesnern im Lande wünschen, sie hätten so einen verständigen Prinzipal. — Als ich übrigens heimgegangen bin, sind ganze Schwärme Sternschnuppen über den Himmel geschnuppt; es können auch nur halb soviel gewesen sein; man sagt bei uns „Laurentiustränen”.

Quelle: Albert Krautheimer, Tagebuch des Mesners Ambros, 3. Auflage 1956, Badenia Verlag Karlsruhe