10. Dezember - Hl. Melchiades

10. Dezember 2020
Quelle: Distrikt Österreich

Gedächtnis des hl. Melchiades, Papst und Martyrer

Der Nachfolger des heiligen Eusebius war der heilige Melchiades, ein Afrikaner, der am 2. Juli des Jahres 310 den Stuhl des heiligen Petrus bestieg. Die grausamen Christenverfolgungen hatten nunmehr ein Ende, das Morgenrot einer besseren Zeit brach an. In die Regierung dieses Papstes fallen die beiden bedeutungsvollen Ereignisse der Einnahme Roms durch Kaiser Konstantin und die Verkündigung des kaiserlichen Befehls zur Schonung der Christen.

Diesem Papst war es beschieden, den äußeren Sieg des Christentums über das Heidentum zu begrüßen. Zur Zeit seiner Wahl erließ der grausamste aller Christenverfolger, Galerius, ein Schreiben, durch welches er den Christen Duldung zusicherte. Eine abscheuliche Krankheit, die ihn gleich dem ehemaligen Tyrannen Antiochus befallen hatte, und die er wie dieser als Gottesstrafe für seine Frevel ansah, hatte ihn zu diesem Schreiben veranlasst. Bei lebendigem Leib von Würmern verzehrt, starb er bald danach in jammervoller Verzweiflung.

Nun teilten sich vier Kaiser das römische Reich: Licinius und Maximin herrschten im Orient, Maxentius und Konstantin der Große im Abendland. Maxentius, ein grausamer Tyrann und zügelloser Wüstling, verband sich mit dem ebenso verworfenen Maximin. Um sich gegen die von dieser Seite drohenden Gefahren zu schützen, gingen Konstantin und Licinius gleichfalls ein Bündnis ein.

Um einem Einfall des Maxentius zuvorzukommen, brach Konstantin, von Gallien kommend, in Italien ein.
An einem hellen Mittag erschien ein wunderbares Zeichen, ein lichtglänzendes Kreuz am Himmel, mit der Umschrift: „In diesem Zeichen wirst du siegen.“ Staunend sah es der Kaiser und sein ganzes Heer, Offiziere und Soldaten. In der darauffolgenden Nacht erschien ihm Christus mit dem nämlichen Zeichen und forderte ihn auf, ein Feldzeichen ganz nach dem Vorbild der himmlischen Erscheinung machen zu lassen und dasselbe fortan als Reichsbanner zu gebrauchen. Konstantin ließ gleich am anderen Tag dieses Feldzeichen verfertigen. Aus seiner Leibwache wählte er fünfzig der tapfersten und gottesfürchtigsten aus, welche dieses Banner tragen mussten.

Voll Vertrauen auf den göttlichen Schutz drang Konstantin unaufhaltsam vorwärts und gewann bei der Milvischen Brücke die entscheidende Schlacht, in welcher Maxentius den Tod fand.
Mit lautem Jubel wurde der Sieger vom römischen Volk empfangen.
Auf dem zum Andenken an diesen Sieg ihm errichteten, noch heute bestehenden Triumphbogen, ließ er der Mit- und Nachwelt feierlich verkünden, dass er Gott den Sieg verdanke. Noch schöner brachte er seinen Glauben und seine Dankbarkeit dadurch zum Ausdruck, dass er seiner Bildsäule, die auf dem Hauptplatz der Stadt errichtet wurde, das Kreuz in die Hand geben und die Inschrift daruntersetzen ließ: „Kraft dieses heilsamen Zeichens habe ich eure Stadt von der Tyrannei befreit und dem Senat wie dem römischen Volk ihre Freiheit und ihren ersten Glanz wiedergegeben.“

Im Anfang des Jahres 313 erließ er im Verein mit Licinius von Mailand aus ein neues Gesetz zugunsten der Christen, worin ausdrücklich allen Untertanen der freie Übertritt zur christlichen Religion gestattet wurde. Zugleich wurden durch dasselbe Gesetz auch alle früher der katholischen Kirche weggenommenen religiösen Versammlungsorte sofort unentgeltlich zurückgestellt und endlich die Kirchen oder Gemeinden als Korporationen besitz- und erwerbsfähig erklärt. Man kann sich denken, welche Freude bei dieser glücklichen Wendung der Dinge die Herzen der Katholiken und namentlich das Herz des Papstes erfüllte. Nach einer so stürmischen und langen Nacht war der vielverheißende helle Morgen angebrochen.

Während der Kaiser Konstantin der Kirche den Frieden von Seiten der weltlichen Gewalt gab, hatte diese in Nordafrika mit den Donatisten zu kämpfen. Sie erhoben sich gegen den rechtmäßig gewählten tadellosen Bischof Caecilian von Karthago und griffen auch die katholische Lehre an. Sie behaupteten, dass die Kirche nur aus Gerechten, nicht aber aus Sündern bestehe, ja dass sie durch die Duldung von Sündern in ihrer Mitte aufhöre, die wahre Kirche Christi zu sein. Ferner, dass der Priester im Zustand der Sünde kein Sakrament gültig spenden könne.

Melchiades hielt nun zur Schlichtung dieser Streitigkeiten eine Synode ab, auf welcher Caecilian freigesprochen, die Ankläger aber verurteilt wurden. Damit war jedoch die Ruhe nicht hergestellt. Im Gegenteil wurde der Streit noch erbitterter und dauerte ein ganzes Jahrhundert hindurch, bis es dem großen Heiligen Augustinus gelang, den größten Teil der Irrenden in die Kirche zurückzuführen.

Bald darauf starb Melchiades, der den Irrlehrern gegenüber ein wachsamer Oberhirte, seiner Herde gegenüber so gütig war, dass der hl. Augustinus ihn „einen sehr guten Mann, des christlichen Friedens Sohn und des christlichen Volkes Vater“ nennt.

Kirchengebet

Ewiger Hirte, schau huldvoll auf deine Herde. Behüte und Schütze sie immerfort durch Deinen hl. Martyrer und Papst Melchiades, den Du der ganzen Kirche als Hirten gewährt hast. Durch unseren Herrn.

Quellen: Chrysostomus Stangl, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden; Andreas Hamerle, Geschichte der Päpste; Schott-Messbuch