59. Wer lehrt, daß die Messe Opfer und Mahl sei?

2018
Quelle: Distrikt Österreich

100 Fragen zur aktuellen Lage der Kirche

Es ist eine heute bei vielen katholischen Theologen verbreitete Theorie, daß die Messe ein Mahl sei, bei dem sich ein Opfer vollziehe. Das Erste sei also das Mahl, aber – so sagen sie – es gäbe in diesem Mahl auch ein Opfer, das darin bestände, daß sich Christus uns zur Speise gäbe. Diese Hingabe Christi an uns im Mahl sei also der Opfercharakter, der sich in der Messe fände.

Dies hat aber mit der katholischen Lehre nichts zu tun, sondern hier wird die wahre Ordnung ins Gegenteil verkehrt. Ein Opfer besteht in der Hingabe an Gott und nicht an einen Menschen. Christus hat sich am Kreuz seinem Vater dargebracht und nicht uns. Hätte die neue Theorie recht, so würde das Meßopfer uns und nicht Gott dargebracht werden.

Diese Theorie wird z. B. im Abschlußbericht des ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen vertreten. Dieser Arbeitskreis tagte von 1976 bis 1982. Von katholischer Seite nahmen daran unter anderen Kardinal Hermann Volk, Karl Lehmann, Walter Kasper und Kardinal Ratzinger teil. Hier heißt es: «Das sichtbare Zeichen für die Opferhingabe Jesu Christi in der Eucharistiefeier und unser Einbezogenwerden in diese Selbsthingabe ist ... das Mahl ... Dies bedeutet vielmehr, daß im vollzogenen Mahl sich das Opfer der Selbsthingabe Jesu Christi vergegenwärtigt und realisiert. Deshalb ist die herkömmliche, erst nach dem Konzil von Trient prinzipiell durchgeführte Unterscheidung der Eucharistie in Sakrament einerseits und Opfer andererseits theologisch unbrauchbar, weil sie die Grundstruktur verstellt. Im Anbieten seiner selbst als Speise findet Jesu Christi Hingabe auf der Ebene des liturgischen Zeichens ihren Ausdruck.»[154] Man sieht, daß hier wirklich etwas Neues unter Ablehnung der traditionellen Theologie gelehrt wird. Die Darlegungen des ökumenischen Arbeitskreises verstoßen gegen das tridentinische Dogma, das die Lehre verurteilte, nach der das Opfer der Messe darin bestehe, «daß uns Christus zur Speise gegeben werde.»[155]

[154] Lehmann / Schlink (Hrsg.): Das Opfer Jesu Christi und seine Gegenwart in der Kirche. Herder 1983. S. 223 f. Hervorhebung im Original.
[155] DH 1751.

Quelle: Katechismus zur kichlichen Krise, Pater Matthias Gaudron, Sarto-Verlag, 2017, 4. Auflage