Bericht vom KJB Herbsttreffen

09 November, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

KJB Herbsttreffen in Wien am Samstag, 5. Oktober 2019.

Anstatt herbstlicher Wanderungen im Waldviertel oder aufregender Rätselrallys traf sich heuer die KJB Österreich an einem verregneten Oktobersamstag im Hof der wenig idyllischen Expedithalle im 10. Wiener Gemeindebezirk. Der Ortswechsel lohnte, denn es erwartete uns eine spannende Vortragsreihe zum Thema „Weisheit und Verblödung“, an der renommierte Psychiater aus Österreich und Deutschland ihr Wissen teilten. Bereits der erste Vortrag von Dr. Michael Winterhoff griff diverse fatale Fehlentwicklungen in der Bildungspolitik auf. Als Kinderpsychiater unterließ er es auch nicht, auf die verschiedenen Stadien der Kindesentwicklung einzugehen. Angefangen beim Säugling und der ersten Vertrauensbindung bis zum trotzigen Teenager erläuterte er die Schnittstellen, an denen Eltern und Erzieher die meisten Fehler begehen und die Jugendlichen so aus falsch verstandener Nächstenliebe auf den Holzweg laufen lassen. Die Schulen tragen laut Winterhoff durch verschiedene Bildungsexperimente wie Freie Stillarbeit, Freie Studien und eine Fülle sinnloser Projekte auch nicht gerade zur geistigen Entwicklung der Jugend bei. Daher sein Appell an alle Eltern und Erzieher: Seid Vertrauenspersonen, aber bleibt Vorgesetzte! Übt nicht euer Amt als Trainer und Mentoren aus, die Gruppendynamik der Lerngruppen ist noch kein Garant für produktives Lernen!

Nach einer kurzen Pause führte Dr. Raphael Bonelli das Auditorium in die Welt der Tiefenpsychologie ein. Unter dem Titel „Wo Es war, soll Ich werden“ spannte er einen weiten Bogen von Sigmund Freud bis zur aktuellen Psychoanalyse und brachte damit die Hirne zum Glühen. Dennoch schaffte er es am Ende, durch zahlreiche Grafiken und seine enthusiastische Performance dem Zuhörer eine Idee zu vermitteln, wie der Mensch vom beinahe animalischen Unterbewusstsein zur höchsten Weisheit gelangt.

Nach der verdienten Mittagspause wurde es tagesaktuell: Psychotherapeut Prof. Manfred Spitzer sagte der „Smartphone-Pandemie“ den Kampf an. Zunächst führte er die zahlreichen physischen Beeinträchtigungen, die Smartphones vor allem auf Kinder ausüben, ins Feld. Die äußern sich in einer Verschlechterung der Sehkraft, Schlafstörungen, diversen Haltungsschäden und orthopädische Problemen. Eltern, die Kinder einer extensiven Smartphone Nutzung aussetzen, riskieren darüber hinaus schwerwiegende Lernstörungen des Nachwuchses. Als Wissenschaftler belegte Herr Spitzer alle Auswirkungen mit detaillierten Studien, die einen tatsächlich den Ernst der Lage vor Augen führten. Seine Ausführungen dürften den Zuhörern noch länger in Erinnerung bleiben, und sich hoffentlich auch auf ihr Smartphone-Nutzungsverhalten auswirken.

Das KJB-Treffen endete mit der Hl. Messe zum Herz-Mariä-Sühnesamstag und einem gemütlichen Abend im Priorat in der Fockygasse.

Die erwähnten Vorträge sind im Internet abrufbar unter: https://rpp-institut.org/

Quelle: Heribert Gerstner