Coronavirus-Pandemie - Eine Geißel Gottes?

20. März 2020
Quelle: Distrikt Österreich

Am Coronavirus scheiden sich die Geister. Inwieweit hängt die gegenwärtige furchtbare Epidemie mit dem Walten Gottes zusammen? Ist sie eine Strafe für die Sünden der Menschen, oder ist sie bloß eine Folge des blinden Wirkens der Naturkräfte und des Versagens der Menschen? Gegensätzlicher könnten selbst unter Bischöfen die Antworten nicht ausfallen. Ein italienischer Bischof behauptete kürzlich: „Eines ist sicher: Dieses Virus wurde nicht von Gott gesandt, um die sündige Menschheit zu bestrafen. Es ist eine Auswirkung der Natur in ihren stiefmütterlichen Zügen.“ Ein Schweizer Bischof hingegen wurde von einem kirchlichen Mitarbeiter öffentlich als „Horrorclown“ beschimpft, weil er es wagte, daran zu erinnern, dass Gott die Menschheit zwar züchtigt, sich ihrer aber auch erbarmt, indem Er ihr übernatürliche Heilkräfte schenkt, wie es etwa in Lourdes geschieht. Darum sei es nicht nachvollziehbar, warum man die dortigen Heilbäder schließe, sei es doch durch das Lourdes-Wasser noch nie zu einer Ansteckung gekommen.

Wie wichtig ist es, die gegenwärtige Not im Lichte des von Gott geoffenbarten Glaubens zu beleuchten, damit wir die Ruhe und Besonnenheit bewahren, aber auch die richtigen Entscheidungen treffen!

Gott ist der Herr der Geschichte

Gott existiert nicht nur, sondern kümmert sich auch um seine Geschöpfe, die Er aus dem Nichts ins Dasein gerufen hat. Alles, was in der Geschichte je geschieht, ist durch Ihn von Ewigkeit her vorhergesehen, geordnet und gelenkt. Rein gar nichts ist seiner Vorsehung entzogen. Es gibt keinen einzigen Menschen auf Erden, für den Gott nicht sorgen würde. Darum werden wir von Jesus nachdrücklich gemahnt, uns nicht um unser Leben zu ängstigen. Wenn Gott doch sogar für „die Vögel des Himmels“ und „das Gras des Feldes“ Sorge trägt, um wie viel mehr für uns „Kleingläubige“ (Mt 6,25).

Wenn aber Gott als liebender Vater für all seine Geschöpfe aufs Beste sorgt, warum lässt Er denn Naturkatastrophen und Unglücksfalle zu? – Bei allem, was Gott tut, hat Er in seiner unendlichen Weisheit und Güte seine Gründe und Absichten. Diese zu erforschen, ist Aufgabe des vernunftbegabten Geschöpfes: „Wer in den Werken Gottes den Grund nicht entdeckt, warum Gott sie tut, wird in seiner Gemeinheit und Niedrigkeit einen ausreichenden Grund finden, um zu erklären, warum seine Untersuchungen vergeblich sind“ (hl. Gregor d. Gr.).

1) „Gott belohnt das Gute und züchtigt das Schlechte, weil Er unendliche Gerechtigkeit ist.“

So lehrt der Katechismus des hl. Pius X. Ein Blick in die Heilige Schrift genügt, um uns zu vergewissern, dass diese Glaubenswahrheit nicht nur für jeden einzelnen Menschen gilt, sondern auch für Gemeinschaften. Wie oft drohte Gott dem israelitischen Volk mit Strafgerichten, falls es nicht von seinen Sünden ablasse und zu Ihm zurückkehre? Aber Ebenso oft zog Er auch seine strafende Hand zurück und erbarmte sich seines Volkes, sobald es Ihn reumütigen Sinnes um Erbarmen anrief. Als der König David aus Stolz gegen den Willen Gottes eine Volkszählung veranstaltet hatte, „sandte der Herr die Pest über Israel ..., und es starben aus dem Volk siebzigtausend Mann“ (2 Sam 24,15). Sobald David um Verzeihung gefleht und auf Geheiß des Propheten Gad ein Opfer dargebracht hatte, „zeigte sich der Herr gnädig gegen das Land, und die Plage wurde von Israel weggenommen.“ „Der Herr erbarmte sich über das Elend und sprach zu dem Engel, der das Volk schlug: Genug, ziehe deine Hand zurück.“ Die Urteile Gottes sind ein tiefer Abgrund, sagt der Psalmist. Ganz werden wir darum die Ratschlüsse Gottes erst in der Ewigkeit verstehen können.

2) Die Heimsuchungen Gottes sind Aufrufe zur Bekehrung

„Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe“, spricht der Prophet Hesekiel (33,11). Wenn Gott die Menschen auf Erden züchtigt, hat Er immer deren Heil im Auge. Solange wir Menschen ans Irdische verhaftet oberflächlich dahinleben, kommen wir oft gar nicht auf die Idee, unsere „Maulwurf-Perspektive“ aufzugeben, die Augen zu Gott zu erheben, nach Ihm zu fragen und ein Ihm wohlgefälliges Leben anzu- streben. Darum muss Gott uns mit heilsamen Erschütterungen heimsuchen. „Not lehrt beten“, sagt das Sprichwort.

3) Gott ist der „Allerbarmer“

Gott wäre nicht die personale Liebe und die ewige Güte, wenn Er sich nicht immer erbarmen würde, insbesondere wenn die Menschen aufrichtigen Herzens Ihn um Hilfe anrufen. Es kann niemals einen Grund geben, jemals an Gott zu zweifeln oder gar zu verzweifeln. Gott verlässt uns nie, wenn nur wir Ihn nicht verlassen. Und hätten wir das Unglück, Ihn verlassen zu haben, wäre es nie zu spät, zu Ihm zurückzukehren. Wir ruhen geborgen in Seiner Hand, und ohne Ihn kann uns kein Haar gekrümmt werden (Lk 21,18).

Ein wahrer Christ verliert auch in Zeiten höchster Not das Gottvertrauen nicht, ist Er doch Gottes sicher, denn „denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Besten“ (Röm 8,28).

Ahmen wir den Gebets- und Bußeifer früherer Generationen nach! Und solange es uns nicht vergönnt ist, in öffentlichen Bittprozessionen und Gottesdiensten unseren Herrn und Heiland um Erbarmen anzuflehen, hindert uns niemand, im Familiengebet oder einsam in der Kirche uns in Glaube, Hoffnung und Liebe Gott hinzugeben. Und vergessen wir nicht, für alle jene zu beten, die von der Coronaepidemie in besonderem Maß betroffen sind: Erkrankte und Sterbende, Ärzte und Krankenhelfer. Wo die Not am größten, ist Gott am nächsten! Kyrie eleison!

Von Herzen wünsche ich Ihnen eine gesegnete Fastenzeit, eine Zeit wahrer Geisteserneuerung, die Ihre Seelen empfänglich macht für die Gnade und Herrlichkeit des auferstandenen Heilandes Jesus Christus!

Im Gebet mit Ihnen allen innig verbunden,

Ihr P. Stefan Frey
 

Zum Bild:
Die Engelsburg (Castel Sant’Angelo) verdankt ihren Namen einem wunderbaren Eingreifen Gottes zur Zeit einer Pestepidemie in Rom. Es war der hl. Papst Gregor, der bei einer Bußprozession mit der römischen Bevölkerung Gott bat, die Stadt von der Pest zu befreien. Am Ort der heutigen Burg erschien der hl. Erzengel Michael dem Papst und verkündete das Ende der Pest, welches auch eintrat. Auf der Burg steht bis heute eine Bronzestatue des Erzengels Michaels, welche aus dem Jahr 1753 stammt.