Das Leiden Christi und das Grabtuch Jesu. Teil 2

06. April 2020
Quelle: Distrikt Deutschland

In diesen gnadenreichen Tagen der Vorfasten- und besonders in den Tagen der Fastenzeit betrachtet die Kirche besonders das Leiden unseres Herrn Jesus Christus. Diese Leiden Christi, der zweiten Person des dreieinen Gottes, der für uns Mensch geworden ist um leiden zu können, um zu leiden zur Sühne für unsere Sünden, findet seinen Ausdruck im Turiner Grabtuch. Das Grabtuch trägt das Abbild des gekreuzigten Christus und zeigt bis heute die Qualen, die der Heiland für uns ertragen hat.

Lesen Sie heute den zweiten Teil der Artikelreihe über das Turiner Grabtuch, die uns anregen kann, die Leiden unseres Erlösers zu betrachten um uns so auf das Fest der Auferstehung vorzubereiten.

In diesen gnadenreichen Tagen der Vorfasten- und besonders in den Tagen der Fastenzeit betrachtet die Kirche besonders das Leiden unseres Herrn Jesus Christus. Diese Leiden Christi, der zweiten Person des dreieinen Gottes, der für uns Mensch geworden ist um leiden zu können, um zu leiden zur Sühne für unsere Sünden, findet seinen Ausdruck im Turiner Grabtuch. Das Grabtuch trägt das Abbild des gekreuzigten Christus und zeigt bis heute die Qualen, die der Heiland für uns ertragen hat.

Lesen Sie heute den zweiten Teil der Artikelreihe über das Turiner Grabtuch, die uns anregen kann, die Leiden unseres Erlösers zu betrachten um uns so auf das Fest der Auferstehung vorzubereiten.

I. Die Geschichte des Grabtuches Jesu Christi

Obwohl einige Wissenschaftler noch immer - vor allem wegen der unseriösen Radiodatierung des Leinens im Jahre 1988 - verbissen an einem mittelalterlichen Zeitpunkt für die Entstehung des Grabtuches von Turin festhalten, gibt es doch etliche Grabtuchforscher, die von der Echtheit des Grabtuches von Turin als dem wahren Leichentuch Christi überzeugt sind.

 

Die offizielle, datierbare Geschichte des Grabtuches (ital. Santa Sindone) beginnt zwischen 1353 und 1356, als das Tuch in Lirey, einer kleinen Grafschaft südöstlich von Paris, ausgestellt wird. Von diesem Zeitpunkt an bis heute ist die Geschichte des Grabtuches lückenlos überprüfbar.

 

Vor dem 14. Jahrhundert gibt es allerdings künstlerische Darstellungen, vor allem Abbildungen des Leichnams Christi, die der Darstellung des Mannes auf dem Grabtuch bis in Detail ähneln. Sehr oft zeigen diese Darstellungen den Leichnam in ein Leichentuch eingehüllt und sind dem Abbild auf der Sindone so ähnlich, dass ein gemeinsamer Ursprung angenommen werden muss.

Z.B. befindet sich in Klosterneuburg ein Altar aus dem 12. Jahrhundert, der einen hohen künstlerischen Seltenheitswert hat. Es ist der so genannte „Verduner Altar“ von 1181, der in der „Champlevé-Technik“, einer besonderen Emailtechnik, hergestellt ist. Auf einem seiner Bilder sieht man die Grablegung Christi. Dort hält der Leichnam Jesu die Hände wie auf dem Grabtuch von Turin über dem Unterleib gekreuzt. Es fehlen sogar die Daumen wie auf dem Grabtuch von Turin.

Alle diese Darstellungen, die das Grabtuch von Turin zum Vorbild zu haben scheinen, sind viele älter als das von der Radiokarbondatierung ermittelte Entstehungsdatum des Grabtuches.

In den Evangelien wird das Leichentuch Christi zwar erwähnt, aber seine Spuren verlieren sich bald nach dem 9. April des Jahres 30, dem von den Wissenschaftlern errechneten Datum der Auferstehung Christi. Das Grabtuch scheint im Dunkel der Geschichte der ersten Jahrhunderte zu verschwinden, taucht aber im 6. Jahrhundert wieder in Edessa, dem heutigen Sanli Urfa, in der Osttürkei auf.

Wie kann man dieses Schweigen über das Grabtuch deuten?

Aus Sicherheitsgründen und um die religiösen Gefühle der Juden nicht zu verletzen, die ja jede bildliche Darstellung Gottes strikt ablehnen (Ex 20,4f), wurde das Leichentuch Christi höchst wahrscheinlich am Ende des ersten Jahrhunderts bzw. zu Beginn des zweiten Jahrhunderts nach Edessa gebracht.

Diese Hypothese stützt sich auf die so genannte „Abgarlegende“, die in verschiedenen Varianten aus dem 4. bzw. 6. Jahrhundert überliefert ist.

Vielleicht war Edessa der Ort, wo man die Sindone so gefaltet hat, dass man nur das Antlitz des Gekreuzigten sehen konnte. Es wurde deshalb auch „Tetradiplon“, das zweimal vierfach gefaltete Tuch, genannt.

Aber einige Münzen - wie die Münze des Basilius I. aus dem neunten Jahrhundert (869)[1] - lassen darauf schließen, dass das Grabtuch schon in der vollen Größe bekannt war, weil der rechte, scheinbar verdrehte Fuß auf die in der damaligen Zeit nicht erkannte perspektivische Verkürzung hinweist. Tatsächlich scheint auf dem Grabtuch das rechte Bein, das über dem linken gekreuzt ist, kürzer zu sein.[2]

Die Künstler des ersten Jahrtausends verstanden aber weder die Seitenverkehrung noch das realistische Detail der perspektivischen Verkürzung. Daher weisen die orthodoxen Kreuze auf diese nicht verstandene perspektivische Verkürzung hin, indem der rechte Fuß kürzer als der linke gemalt ist und das Suppedaneum (Fußholz) nicht waagrecht, sondern schief dargestellt wird. Es ist denkbar, dass diese byzantinische S-Kurve (Curva bizantina) unsere gothische S-Kurve beeinflusst hat.

Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass das Bild des Grabtuches für die Beendigung des Bilderstreites, des Ikonoklasmus, im 8. und 9. Jahrhundert ausschlaggebend war.

Im 10. Jahrhundert gelangte die Sindone endgültig nach Konstantinopel. Gregor der Referendar lieferte eine ausführliche Beschreibung des Grabtuches und führte ausdrücklich an, dass „man das aus der Seite herausspritzende Blut sah“.[3]

Auch die aus dieser Zeit stammenden Darstellungen des toten Christus, dessen Halbfigur aus dem Grabe herausreicht und der die Hände über dem Leib gekreuzt hat, haben einen Bezug zum Grabtuch von Turin. Diese Darstellungen werden „Imago Pietatis“ genannt.

Während des vierten Kreuzzuges verschwand das Grabtuch auf mysteriöse Weise aus Konstantinopel und tauchte erst zwischen 1353 und 1356 wieder in Lirey in Frankreich auf. Es gibt zahlreiche Hypothesen darüber, wie das Grabtuch nach Frankreich gelangt ist. Vielleicht war es im Besitz der Templer, die fast alle gefoltert und verbrannt wurden, weil sie ein bärtiges Männerantlitz (das man allerdings nie bei ihnen gefunden hat) verehrt haben sollen. Der erste nachweisliche Besitzer in Frankreich war der Standartenträger und Kreuzfahrer Geoffroy de Charny, der nie verraten hat, wie er in den Besitz dieses Tuches gelangt war.[4] 1453 gelangte das Grabtuch in den Besitz der Herzöge von Savoyen und wurde in einer Kapelle in Chambéry aufbewahrt, wo es 1532 beinahe verbrannt wäre. Es wurde danach von Klarissen kniend mit goldenen Nadeln geflickt. 2003 wurden die von den Klarissen aufgesetzten Flickflecken und das unter das Grabtuch gelegte Stützleinen in einer so genannten „Restaurierung” wieder entfernt.

1578 überführte Herzog Emmanuel Filibert von Savoyen das Grabtuch von Chambéry nach Turin. Offiziell, um die beschwerliche Reise des heiligen Karl Borromäus über die Alpen von Mailand nach Chambéry abzukürzen, inoffiziell, da er seinen Regierungssitz nach Turin verlegen wollte. Seit 1578 wird das Grabtuch in Turin aufbewahrt.

1983 vermachte der letzte König von Italien, Humbert II., das Tuch dem Vatikan, es blieb aber in Turin.

1997 wäre das Grabtuch fast einem Brand zum Opfer gefallen, konnte aber zu den beiden großen Ausstellungen 1998 und 2000 unbeschädigt der Öffentlichkeit gezeigt werden.

 

Anmerkungen

[1] Moroni Mario: L’icona di Cristo nelle monete bizantine, in: Le icone di Cristo e la Sindone, a.c. di Coppini Lamberto/Francesco Cavazzuti, San Paolo, Milano 2000, p.143

[2] Il grande libro della sindone a cura di:Pier Luigi Baima Bollone et alii, Ed. San Paolo, Milano 2000

[3] Bulst, Werner/Pfeiffer, Heinrich: Das Turiner Grabtuch und das Christusbild, Bd. II, Josef Knecht, Frankfurt am Main 1991, p.143

[4] Barbesino Francesco/Morono Mario: Lungo le strade della Sindone, ricerca dei possibili itinerari da Gerusalemme a Torino, Edizioni San Paolo, Milano 2000