Das Leiden Christi und das Grabtuch Jesu. Teil 3

07. April 2020
Quelle: Distrikt Deutschland

In diesen gnadenreichen Tagen der Vorfasten- und besonders in den Tagen der Fastenzeit betrachtet die Kirche besonders das Leiden unseres Herrn Jesus Christus. Diese Leiden Christi, der zweiten Person des dreieinen Gottes, der für uns Mensch geworden ist um leiden zu können, um zu leiden zur Sühne für unsere Sünden, findet seinen Ausdruck im Turiner Grabtuch. Das Grabtuch trägt das Abbild des gekreuzigten Christus und zeigt bis heute die Qualen, die der Heiland für uns ertragen hat.

Lesen Sie heute den dritten Teil der Artikelreihe über das Turiner Grabtuch, die uns anregen kann, die Leiden unseres Erlösers zu betrachten um uns so auf das Fest der Auferstehung vorzubereiten.

II. Die Aussagen des Grabtuchs zum Leiden Jesu

Was die religiösen Aspekte des Grabtuches von Turin betrifft, so sollen fünf Hauptpunkte näher beleuchtet werden:

  1. Der Tod des Mannes des Grabtuches von Turin
  2. Hinweise für die Gottheit Christi auf dem Grabtuch von Turin
  3. Hinweise für die Auferstehung auf dem Grabtuch von Turin
  4. Das Grabtuch von Turin und die anderen monotheistischen Religionen
  5. Das Grabtuch als hervorragendes Mittel zur Neuevangelisierung

1. Der Tod des Mannes des Grabtuches von Turin

Wenn man den Ärzten Glauben schenken darf, so ist der Mann des Grabtuches von Turin an einer Perikardtamponade gestorben. Bei einer solchen Todesart stößt der Sterbende immer einen gellenden Schrei aus, sobald die Herzwand zerreißt und sich das ganze Blut in den Herzbeutel ergießt. Ein solcher Schrei ist bei den Synoptikern erwähnt (Mk 15,37; Mt 27,50; Lk 23,46). Aber schon im Psalm 22 spielt der Psalmist auf ein krankes Herz an: „Wie Wasser bin ich hingeschüttet, und alle meine Gebeine haben sich zertrennt; wie Wachs ist geworden mein Herz, es ist zerschmolzen inmitten meiner Eingeweide.“ (Ps 22,15)

Christus ist also nicht eines langsamen, qualvollen Erstickungstodes gestorben, wie ihn sonst die Gekreuzigten erdulden mussten, sondern innerhalb von Sekunden - und bei vollem Bewusstsein - an einer Perikardtamponade, einer Herzruptur

Sogar Pontius Pilatus wunderte sich, dass er schon tot war (Mk 15,44)

Die Osterlämmer wurden um drei Uhr nachmittags geschächtet, und ihr Blut, das während des Sterbens austrat, hatte Sühnefunktion. Von den Evangelien her wissen wir, dass Jesus genau zu dem Zeitpunkt stirbt, in dem auch die Osterlämmer geschlachtet werden. Er wird von Anfang an als das wahre Osterlamm bezeichnet (1 Petr 1,19; 1 Kor 5,7). Daher hat sein Herzblut, das im Sterben in den Herzbeutel fließt, höchste Sühnefunktion. Jedoch wurde dieses Sühneblut erst sichtbar, als das Herz mit einer Lanze durchbohrt wurde.[5] Übrigens ist diese Todesart, die Perikardtamponade, der Grund dafür, dass bei der Herzöffnung Blut und Serum aus der Herzwunde fließen. Denn das im Herzbeutel angesammelte Blut koaguliert nicht, sondern zersetzt sich in Blut und Serum. Johannes berichtet daher als Augenzeuge, denn ein medizinischer Laie kann solche Symptome nicht erfinden. Dieser reichliche Blutfluss, der aus dem Herzen strömte, ist übrigens der Hauptbeweis, dass der Mann des Grabtuches, Jesus, bereits am Kreuz gestorben war. Denn sonst gäbe es keinen solchen Blutaustritt. Dieses Faktum ist der Haupttodesbeweis gegen alle abstrusen Hypothesen, dass Jesus die Kreuzigung überlebt habe. Wenn Jesus noch gelebt hätte, wie die beiden mit ihm gekreuzigten Schächer, dann hätte ihm der „Exactor mortis“, der Soldat, der für den geregelten Ablauf der Hinrichtung verantwortlich war, die Beine zerschlagen. Aber am Grabtuch ist - so wie es in den Evangelien steht: „Sie zerschlugen ihm daher die Beine nicht.“ (Joh 19,33) - nichts davon zu sehen.

Die „transverberatio“, der Herzeinstich, war nicht ein Gnadenstoß, sondern der Beweis, dass der Gekreuzigte bereits tot war. Das Grabtuch bestätigt also in verblüffender Weise die historische Wahrheit der Evangelien.

Diese überraschend schnelle und unvorhersehbare Todesart ist ebenso ein Hinweis, dass der Mann des Grabtuches, Jesus, wahrhaft sowohl der „Gottesknecht“ (Is 52,13 - 53,12) als auch das „Lamm Gottes“ ist (Joh 1,29), denn im Aramäischen werden beide Begriffe mit dem Wort „talia“ wiedergegeben, wie es der Heilige Vater in seinem Buch „Jesus von Nazareth“ betont hat.[6]

Der Arzt Luigi Malantrucco[7] ist der Meinung, dass der psychische Stress am Ölberg und die physische Schwächung durch das Blutschwitzen einen Myokardinfarkt hervorgerufen haben. Denn am Ölberg hat Jesus die Sünden der gesamten Welt auf sich geladen, er hat innerlich gekämpft und gerungen, um den Willen des Vaters zu erfüllen. Er sah vorher, dass viele sein Selbstopfer ablehnen würden, er sah alle Profanierungen der heiligen Eucharistie voraus, er sah voraus, was mit seinem mystischen Leib, der Kirche, im Laufe der Jahrhunderte geschehen würde. All das trug dazu bei, dass ihm das Herz brach.

Angesichts dieses Herztodes und dieses Sühnetodes müsste man auch die Herz-Jesu-Verehrung, die in den letzten Jahren oft vernachlässigt wurde, wieder neu überdenken. Ebenso müsste man die Sühnemessen am ersten Freitag, dem monatlichen Herz-Jesu-Freitag, und die Heilige Stunde am Donnerstagabend angesichts dieser letzten wissenschaftlichen Erkenntnisse in einem neuen Licht betrachten.

Viele fragen sich, weshalb der Vater diesen grausamen und qualvollen Tod gefordert hat. Wir müssen aber in erster Linie bedenken, dass Christus sein Blut freiwillig aus Liebe zu uns vergossen hat. Dieser Tod war kein Schicksalszwang, kein Zufall, kein Justizirrtum, sondern ein völlig freiwilliges Sühneopfer Christi, das man allerdings nur im Lichte des Alten Testamentes verstehen kann. Im Buch Lev 17,11 lesen wir, dass Gott den Menschen das Blut als Mittel zur Sühne gegeben hat. Aus diesem Grund wurden im Tempel Tieropfer dargebracht, insbesondere am großen Versöhnungstag, dem „Yom Kippur“, um Gott mit seinem Volk einmal im Jahre zu versöhnen und um die Vergebung der Sünden zu erbitten. Der heilige Paulus spielt auf diesen alten Versöhnungsritus an, wenn er das freiwillige Sühneopfer Christi mit dem Sühneopfer des „Yom Kippur“ vergleicht. Bei dieser heiligen Handlung des Alten Testamentes besprengt der Hohepriester die „kapporeth“, die Sühneplatte, mit dem Blut eines Stieres und eines Ziegenbockes (Lev 16,14f). Die „kapporeth“ war der goldene Deckel der Bundeslade, in der sich die zwei Gesetzestafeln befanden, „das Zeugnis” bzw. der Dekalog. In Röm 3,25 und auch in Heb 9 lesen wir, dass Christus für uns zur blutbefleckten „Sühneplatte” geworden ist. Aus dieser Sicht heraus müssen wir auch den Augenblick der heiligen Wandlung in der heiligen Messe verstehen, in dem der Priester den Wein in das Blut Christi verwandelt.[8]

 

Anmerkungen:

[5] Joh 19,34: „einer der Soldaten öffnete seine Seite mit einer Lanze und sogleich floss Blut und Wasser heraus.“

[6] Ratzinger, Josef, Benedikt XVI: Jesus von Nazareth, Freiburg, Herder, 2007 p.48

[7] Malantrucco Alessandro, figlio di L. M. : La doppia morte di Cristo, AAVV: Atti del Convegno sulla Santa Sindone, Orvieto 2000

[8] Wallner, P.Karl Josef OCist: Sühne heute aktuell, Mödling, St. Gabriel