Deinen Heiland, Sion, preise!

16. Juni 2022
Quelle: Distrikt Österreich
Messbuch aus dem Jahr 1750, Messformular vom Fronleichnamsfest

Lauda Sion Salvatorem (Sequenz von Fronleichnam)

 

Deinen Heiland, Sion, preise,

Lobe Ihn in Wort und Weise,

Der dir Hirt und Führer ist.

 

Was du kannst, das sollst du wagen;

Ihm gebührend Lob zu sagen,

Man vergebens sich vermisst.

 

Brot, des Lob das Lied verkündet,

Das, lebendig, Leben zündet,

Beut sich heute festlich dar.

 

Dass Er es im heiligen Saale

Den zwölf Brüdern gab beim Mahle,

Ist ohn' jeden Zweifel wahr.

 

Lob erschalle, Lob ertöne,

Gott genehm, voll hoher Schöne,

Sei des Herzens Jubellaut.

 

Denn das Fest wird heut begangen,

Von des Tages Glanz umfangen,

Der uns dieses Pfand vertraut.

 

Neuen Königs Tafelrunde,

neues Lamm im Neuen Bunde

Hat des alten End' gebracht.

 

Neues treibt das Alte fort,

Schatten scheucht der Wahrheit

Und das Licht verbannt die Nacht.

 

Was beim Mahl durch ihn geschehen,

Das hieß Christus uns begehen

Zum Gedächtnis Seinem Tod.

 

Treu befolgend heilige Lehren,

Weihen, unser Heil zu mehren,

Wir als Opfer Wein und Brot.

 

Wie des Christen Glaube lehret,

Brot in Christi Fleisch sich kehret,

Und in Christi Blut der Wein.

 

Sehen kannst du es nicht, noch fassen,

Starker Glaube wird es nicht lassen

Trotz Natur und Augenschein.

 

Unter beiderlei Gestalten,

Die als Zeichen nur hier walten,

Birgt sich göttliche Substanz.

 

Blut als Trank und Fleisch als Speise

Christus ist auf beide Weise

Bei uns ungeteilt und ganz.

 

Wer Ihn aufnimmt, bei ihm weilt,

Hat Ihn voll und ungeteilt,

Ungebrochen, unbrechbar.

 

Einer nimmt und tausend nehmen,

Gleichviel stets, soviel auch kämen,

Immer bleibt Er, was Er war.

 

Gute kommen, Böse kommen,

Doch nicht jedem will es frommen,

Leben bringt es und Todesbann.

 

Bösen: Tod; den Guten: Leben;

Sieh das Gleiche wird gegeben,

Doch nicht Gleiches man gewann.

 

Wird die Hostie gespalten,

zweifle nicht! Lass Glauben walten!

Jedem Teil bleibt erhalten

Doch des ganzen Vollgehalt.

 

Brechen kann man nur das Zeichen,

Doch nie dessen Sein erreichen;

Nichts von Christus kann da weichen,

Weder Zustand, noch Gestalt.

 

Sieh, das Brot, der Engel Gabe,

Wird den Pilgern hier zur Labe,

Wahrhaft ist es der Kinder Habe,

Nicht den Hunden werft es hin.

 

Längst im Bild war es vorbereitet:

Isaak, der zum Opfer schreitet,

Osterlamm zum Mahl bereitet,

Manna nach der Väter Sinn.

 

Guter Hirt, Du wahre Speise,

Dich barmherzig uns erweise:

Nähre uns auf unsrer Reise;

Deine Güter, Jesu weise

Uns im wahren Lebensland.

 

Du, der alles weißt und leitet,

Hier im Todestal uns weidet:

Dort, wo licht Dein Reich sich breitet

Sei uns Los und Tisch bereitet

In der Heiligen Verband.

Amen. Alleluja.

 

Hl. Thomas von Aquin, im Jahr 1264 verfasst, stellt dieser Text die Lehre der Kirche zur Realpräsenz in der heiligsten Eucharistie dar.

 

Hier finden Sie alle Betrachtungen zur hl. Eucharistie im Monat Juni►