Denke Gedanken des Friedens!

17. Dezember 2020
Quelle: Distrikt Österreich
Erzbischof Marcel Lefebvre mit Kindern vom Eucharistischen Kinderkreuzzug, November 1983

Gott will uns froh und fröhlich sehen. Sind wir Katholiken frohe, friedvolle und innerlich ruhige Menschen? Von den ersten Christen heißt es in der Apostelgeschichte: „Täglich verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in den Häusern das Brot und genossen ihre Speise in Frohsinn und Schlichtheit des Herzens. Sie priesen Gott und waren beim ganzen Volk beliebt. Der Herr aber führte ihnen täglich die zu, die das Heil erlangen sollten.“ (Apg 2,45ff)

Unsere Sehnsüchte, unsere Sorgen gehen immer wieder auf das Irdische, auf das Weltliche. Deswegen wollen wir drei Ebenen betrachten, an denen wir arbeiten können, um den Frieden und den Frohsinn des Herzens zu erlangen, zu stärken:

Auf der ersten Ebene betrachten wir die Beziehung zu Gott. Was trennt mich von Gott? Es sind Gedanken der Angst, der Sorge, des mangelnden Vertrauens.
Was macht mir Angst? Belastet mich die Vergangenheit, mein Schicksal? Habe ich Angst vor der unsicheren Zukunft? Diese Gedanken lähmen mich im Alltag. Sie sind eine subtile Form von Unglauben und Zweifel. Ich sage indirekt: „Gott, du kannst mir nicht helfen. Ich kenne meine Bedürfnisse besser als du. Warum stillst du sie nicht, wenn du siehst, wie sehr ich leide und mich ängstige?“

Aber die unbegründete Angst und Sorge kommt vom Teufel. Das Einzige, was wir fürchten dürfen, ist die Sünde, denn sie raubt uns die Verbindung zu Gott.
In Gott aber ist Friede: „Die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. ... Wer Furcht hat, ist in der Liebe noch nicht vollendet.“ (1 Joh 4,18)
 

Auf der zweiten Ebene betrachten wir die Beziehung zu uns selbst. Bin ich unzufrieden mit mir selber? Verfalle ich in Gedanken des Selbstmitleids, des Perfektionismus, der Depression, des Narzissmus? Schon in den Schriften des Alten Testaments werden wir ermutigt stark zu sein: „Ein männlicher Mut erträgt sein Leid, seine Krankheit; doch ein gebrochenes Gemüt, ein zerschlagener Geist – wer kann ihn aufrichten?“ (Sprüche 18,14)

Die dritte Ebene, die uns Friede und Frohsinn rauben, sind unsere Mitmenschen. Dabei sind wir selbst schuld. Gedanken der Bitterkeit, der Unversöhnlichkeit, des Neids, der ungesunden Konkurrenz, des Grolls, des Hasses nähren Unzufriedenheit und Trübsinn. Ziehen wir uns wie lichtscheue Gestalten in unsere eigenen vier Wände zurück?


Der hl. Evangelist Johannes schrieb seinen Gläubigen vor 2000 Jahren und weil sich die menschliche Natur nicht ändert, gilt es auch heute noch: „Wenn jemand sagt: ‚Ich liebe Gott!‘, aber seinen Bruder hasst, so ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er vor Augen hat, kann Gott nicht lieben, den er nicht vor Augen hat.“ (1 Joh 4,20)

Und der hl. Paulus schrieb an die Gläubigen in Ephesus: „Alle Bitterkeit und Heftigkeit, Zürnen, Zanken und Lästern, überhaupt alle Bosheit bleibe fern von euch. Seid vielmehr gegeneinander gütig und barmherzig und vergebt einander, wie auch Gott euch in Christus vergeben hat.“ (Eph 4,31f)

Mit welchen Prinzipien und Hilfen kann ich mich von diesen negativen Gedanken lösen?

Erstens müssen wir unsere Gedanken wahrnehmen und reinigen. Prüfen wir uns: Was belastet mich? Mit welchen Gedanken, Versuchungen und Lügen plagt mich der Teufel? Neid, Eifersucht, Unreinheit, Verbitterung? Wir müssen diesen Gedanken widersagen und sie rausschmeißen. Ein Kirchenvater empfiehlt uns auf die Einflüsterungen des Teufels regelrecht zu spucken. 

Legen wir diese schlechten Gedanken Christus zu Füßen: auf den Altar in der hl. Messe, beim Empfang der hl. Kommunion, in der hl. Beichte. Er ist unser Erlöser und Heiland. Er will heilen und Fesseln lösen!

Sprechen wir aber auch mit unseren Vertrauten über diese Belastungen und Sorgen, über die Versuchungen. Wir dürfen dies nicht in uns hinein „fressen“, bis unsere Seele vergiftet ist und nicht mehr atmen kann.

Vergessen wir eines nie: Die Vergangenheit ist abgeschlossen. Wir überlassen sie der Barmherzigkeit Gottes und denken nur mit Gelassenheit und Ruhe daran. Es bringt uns nicht weiter in der Vergangenheit zu grübeln und damit zu hadern. Der Teufel nutzt dies aus: „Schau, was du in dem Augenblick getan hast; das verzeiht dir Gott nie“ oder „Dieser Mensch hat dir das angetan, obwohl er doch ein Christ ist. Dem kannst du niemals verzeihen!“

Hören wir auf, um uns selbst zu kreisen. Selbstmitleid ist der Spezialkleber der Hölle. Das Ich steht im Zentrum. „Was mir nicht alles passiert und widerfahren ist, wie konnte Gott das zulassen.“ Denken wir an Job im Alten Testament: „Gott hat es gegeben. Gott hat es genommen. Der Name des Herrn sei gepriesen.“ – Sorge du Herr! Loslassen von sich selbst, vom eigenen Urteil. Vom sich Vergleichen mit anderen. Wir müssen uns selbst nehmen, wie wir sind und dabei auf die anderen mit Herzlichkeit und Güte zugehen. Der Freundliche und von sich selbst Losgelöste hat keine Scheu beim anderen nicht gut anzukommen. Er geht zwanglos und unbefangen hinaus in die Welt. Durchbrechen wir unsere eigenen Mauern. Das ist reifes und gelebtes Christentum.

Üben wir die Dankbarkeit: Wer dankbar ist, ist demütig. Er lässt sich helfen. Wir Menschen haben das Talent die negativen Seiten, die Misserfolge, die Enttäuschungen vor Augen zu haben. Freuen wir uns doch über all die guten natürlichen und übernatürlichen Gaben Gottes: Über die schöne Landschaft, den Wohlstand, unsere Familie, die Möglichkeit zu arbeiten, die körperliche Schönheit und Gesundheit. Und pflegen wir dies auch. Wir sind keine Jansenisten, die sich nichts gönnen dürfen oder wollen. Wir bestehen aus Leib und Seele. Gott hat die Welt gut geschaffen. Schätzen und nutzen wir die übernatürlichen Gaben: Leben wir aus dem hl. Messopfer, aus der Wahrheit. Nutzen wir die Befreiung durch die Beichte!

Freue dich! Du bist ein Kind Gottes. Was soll passieren? „Macht euch keine Sorgen, sondern bringt in jedem Gebet und Flehen eure Anliegen mit Dank vor Gott.“, ruft der hl. Paulus den Philippern zu. „Freundliche Worte sind wie Honigseim, süß für die Seele, gesund für den Leib.“, steht im Buch der Sprüche (Spr 16,24)

Betrachten wir Gottes Geheimnisse. Nähren wir uns mit positiven Gedanken, über uns selbst und über den anderen!

Der Mensch legt mit seinen hinderlichen Gedanken und Gefühlen im Voraus alles fest. Aber wenn er sich offen Gott überlässt, kann Gott frei wirken und gestalten. Wenn wir offen, mit freiem Geist und mit einem Lächeln aus dem Herzen auf die Menschen zugehen, dann verlaufen Begegnungen positiv.

Freut euch allezeit im Herrn! Noch einmal sage ich: Freuet euch. Lasst alle Menschen eure Güte erfahren! (Phil 4,4f)

Quelle: Pater Markus Buchmaier