Der heilige Klemens Maria Hofbauer - Stadtpatron von Wien

14. März 2020
Quelle: Distrikt Österreich

(Festtag: 15. März)

Über einem Seitenaltar der Kirche Maria am Gestade in der Wiener Innenstadt ruhen in einem Reliquienschrein die Gebeine des heiligen Klemens Maria Hofbauer, der als „Apostel von Wien“ hochverehrt wird. Oft pilgern die Wiener dorthin, um sich seine Hilfe zu erbitten: namentlich wenn es sich um die Bewahrung des katholischen Glaubens und um die Förderung des katholischen Lebens handelt.

Unser Heiliger wurde am 26. Dezember 1751 zu Taßwitz im deutschen Gebiet von Südmähren geboren. Er war das neunte von zwölf Kindern. Der Vater betrieb die Landwirtschaft und eine Fleischhauerei. Im Sakrament der Taufe wurde der Heilige für den Himmel geboren und erhielt den Namen Johannes. Noch war er nicht sieben Jahre alt, da starb der Vater. Die Mutter nahm den kleinen Johannes an der Hand, führte ihn vor ein Kreuzbild und sprach: „Schau, der ist jetzt dein Vater, gib acht, dass du auf dem Weg gehest, der Ihm wohlgefällt”. Diese mütterliche Mahnung nahm sich Johannes wohl zu Herzen. Er wuchs als frommer Knabe heran, liebte das Gebet, übte sich eifrig in Selbstüberwindung, tat den Armen gern Gutes, und arbeitete fleißig.

Johannes wäre freilich gerne Priester geworden; aber es fehlten die Mittel zum Studium. So entschloss er sich, in dem benachbarten Znaim die Bäckerei zu erlernen. Jeden Morgen hatte er den Kunden in der Stadt das Gebäck zuzutragen. Bei diesen Gängen begleitete ihn gern das fünfjährige Söhnlein seiner Meistersleute. Um schneller vorwärts zu kommen, nahm der starke Bursche manchmal den Kleinen auf den Arm und trug ihn. Als das die Leute sahen, lachten sie und sagten: „Schaut, schaut: der heilige Christoph kommt!“ Der Bäckerlehrling, der die Legende vom heiligen Christophorus nicht kannte, erzählte zuhause die Rede der Leute. Die Meisterin erklärte ihm, der heilige Christoph sei ein Riese gewesen, der einmal das Jesuskind auf seinen Schultern über den Strom getragen habe - daher führe er auch den Namen „Christophorus“, das heißt: „Christusträger“. Da seufzte Johannes: „Oh, wäre ich ein heiliger Christoph und könnt‘ ich den Heiland in meinen Händen tragen”.

Nach vollendeter Lehrzeit kam er in das Kloster Bruck etwas südlich von Znaim. Bald nahm ihn der Abt des Klosters als Diener auf und gab ihm Gelegenheit, die Lateinstudien zu machen. Nach dem Tode seines Wohltäters musste Hofbauer sein Studium aufgeben und erwählte nun das Einsiedlerleben in einem Walde am Flusse Thaya. Aber auch von seiner so lieb gewordenen Waldeseinsamkeit musste er bald Abschied nehmen, da die Einsiedeleien staatlich aufgehoben wurden. Er ging nach Wien und trat in eine Bäckerei in der Johannesgasse gegenüber dem Ursulinenkloster in der Inneren Stadt als Gehilfe ein. Täglich ministrierte er im Dom zu St. Stephan.

Nach drei Jahren ging er mit einem braven Kameraden, Peter Kunzmann, als Pilger nach Rom. Den ganzen Weg machten sie zu Fuß, betend und fromme Lieder singend.

Nachdem sie die römischen Heiligtümer besucht hatten, kehrten sie wieder nach Wien an ihre bisherige Arbeitsstätte zurück. Doch der unkirchliche Geist des sogenannten „Josephinismus“, der damals in Wien herrschte, vertrieb die tief kirchlich gesinnten jungen Männer wieder, und sie wandten sich abermals nach Rom. Von dort gingen sie nach dem wildromantisch gelegenen Tivoli und baten den dortigen Bischof, sich bei einem Marienkirchlein als Einsiedler niederlassen zu dürfen. Der Bischof bewilligte es, und Hofbauer erhielt bei der Einkleidung den Namen Klemens.

Der Ruf Gottes bewog ihn bald, dieses Heiligtum, wo es sich so gut betete, wieder zu verlassen und nach Wien zurückzukehren, um die unterbrochenen Studien fortzusetzen. Durch eine glückliche Fügung Gottes erfuhren drei adelige Schwestern, die sich an dem frommen Ministranten zu St. Stephan erbaut hatten, seine Sehnsucht nach dem Priestertum und unterstützten ihn mit Geldmitteln, sodass er Theologie studieren konnte. Aber der unfromme Geist und die unkatholische Lehre, welche damals als Folge des „Josephinismus“ die geistlichen Bildungsanstalten in Österreich beherrschten, veranlassten ihn abermals, Rom aufzusuchen, um sich dort auf das Priestertum vorzubereiten. Auch diesmal nahm er einen guten Freund, namens Thaddäus Hübl, mit. Am Tage der Ankunft in Rom beschlossen die beiden Pilger, am nächsten Morgen in jene Kirche zu gehen, von wo sie zuerst Gebetläuten hören würden. Als sie nun am anderen Tage zum Angelus läuten hörten, führten die Klänge sie in ein Kirchlein, wo eben eine Anzahl Priester aus der vom heiligen Alfons Maria Liguori gestifteten Kongregation des Allerheiligsten Erlösers («Redemptoristen») zur Morgenandacht versammelt waren. Die tiefe Frömmigkeit in diesem Gotteshause zog die beiden österreichischen Pilger so an, dass beide um die Aufnahme baten und als Novizen eingekleidet wurden. Nach Ablegung der Gelübde wurde der heilige Klemens 1786 zum Priester geweiht.

Pater Hofbauer hätte nun am liebsten den Orden, der bisher nur in Italien gewirkt hatte, nach Wien verpflanzt. Da aber zu jener Zeit in Österreich viele Klöster aufgehoben wurden, war an eine Neugründung nicht zu denken. Deshalb zog der Heilige mit Pater Hübl weiter nach Norden und blieb schließlich in Warschau. An der dortigen Kirche Sankt Benno führten die beiden österreichischen Redemptoristen ein Leben apostolischer Armut und entfalteten bald eine äußerst gesegnete Wirksamkeit. Am meisten war dem Heiligen darum zu tun, die Jugend für ein religiöses und sittliches Leben zu gewinnen. Wie später der heilige Don Bosco, so las auch Pater Hofbauer verwahrloste Waisenknaben von der Straße auf, behielt sie bei sich und pflegte sie an Leib und Seele, um sie zu tüchtigen Menschen und braven Christen heranzuziehen. Das nötige Geld erbettelte sich der Heilige in der Stadt. Über zwanzig Jahre lang wirkte Pater Hofbauer mit anderen Priestern, die sich ihm anschlossen, mit wunderbarem Erfolg in Warschau. Doch erlitt er auch viele Anfeindungen und Verfolgungen, und wurde zuletzt samt seinen Ordensgenossen aus Polen vertrieben.

Die zwölf letzten Jahre seines Lebens (1808 bis 1820) verbrachte der Heilige in Wien. Äußerlich hatte er eine ganz bescheidene Stellung. Er war zuerst Kirchendirektor an der ehemaligen Minoritenkirche Maria Schnee in der Innenstadt von Wien. Hier wohnte er in einem dort angebauten kleinen Haus. Die fromme, von tiefster Ehrfurcht gegen das Allerheiligste Sakrament zeugende Art, wie er den Gottesdienst, besonders das Vierzigstündige Gebet feierte, machte auf alle Besucher dieser Kirche einen tiefen Eindruck. Nach fünf Jahren wurde der Heilige Kirchendirektor und geistlicher Leiter der Ursulinen in der Johannesgasse in Wiens Innenstadt. Als Beichtvater der Schwestern lag ihm am meisten am Herzen, sie mit wahrhaft religiösem, klösterlichem Geist zu erfüllen. Der Gottesdienst bei St. Ursula wurde so feierlich und würdevoll gehalten wie sonst nirgends in der Stadt. Wenn Pater Hofbauer predigte, gab es einen solchen Zulauf, dass nicht nur die Kirche gefüllt war, sondern die Leute bis auf die Straße hinaus standen.

Er predigte so schlicht, dass auch ungebildete Leute ihn gut verstehen konnten. Aber seine Persönlichkeit und die felsenfeste Glaubensüberzeugung, die aus seinen Worten sprach, machte auf seine Zuhörer einen so tiefen Eindruck, dass sich viele Weltkinder und Sünder seinem Beichtstuhl nahten und sich aufrichtig zu einem echt religiösen Leben bekehrten. Nicht nur einfache Menschen aus dem Volk, sondern auch berühmte Männer der Kunst und Wissenschaft (unter vielen anderen der Philosoph und Rechtsgelehrte Adam Müller, die Dichter und Denker Friedrich Schlegel, Clemens von Brentano, Joseph von Eichendorff), Staatsmänner (zum Beispiel Joseph von Pilat, der Vertraute des großen Staatskanzlers Fürst Metternich), und Kirchenfürsten (wie der spätere Kardinal Othmar Rauscher) – um nur einige wenige zu nennen – waren Schüler und Beichtkinder des Pater Hofbauer gewesen.

Besonders zog der Heilige die jungen Leute an sich. Tag für Tag kam eine ganze Schar junger Männer zu ihm. Es herrschte in diesem Kreis ein munterer Ton. Alle fühlten sich wie Kinder bei ihrem herzensguten Vater. Das einfachste Wort aus seinem Munde – und sie waren von einem Feuer der Begeisterung für das Wahre, Gute und Schöne durchglüht.

Außer den jungen Leuten waren ihm auch die Kranken ans Herz gewachsen. Bis in die entlegensten Vorstädte Wiens wurde der Heilige gerufen, um den Kranken und Sterbenden beizustehen. Unterwegs pflegte er den Rosenkranz zu beten; und er sagte, es sei ihm um einen Kranken nicht bange, wenn er am Wege zu ihm den Rosenkranz beten könne.

Am Donnerstag, den 9. März 1820 ging er noch zu Fuß in die Italienische Kirche, um die Heilige Messe zu feiern, das letztemal. Am 14. März spendete ihm sein Freund Dr. Franz Schmid die Sterbesakramente. Am 15. März um 11 Uhr begannen seine Freunde die Sterbegebete zu verrichten. Da hauchte, um 12 Uhr, Pater Hofbauer noch vernehmlich die Worte: „Betet - es läutet der Angelus!” Die Anwesenden beteten den Englischen Gruß. Während des Gebetes verließ die Seele von Pater Hofbauer den Leib, um heimzugehen zu ihrem Herrn und Schöpfer.

NB.: Kaiser Franz Joseph verwendete sich persönlich bei Papst Leo  XIII. für die Seligsprechung von Klemens Maria Hofbauer, die am 29. Januar 1888 erfolgte. Papst Pius X. hat ihn dann am 20. Mai 1909 heiliggesprochen und am 14. Januar 1914 zum „Stadtpatron von Wien“ erklärt.

Quelle: Josef Minichthaler — Heilige in Österreich; Verlag Tyrolia 1935