Der kleine Toni: Immer wieder hin zum Heiland

2018
Quelle: Distrikt Österreich

Pius X. war der Meinung, daß es heilige Kinder geben werde, wenn man die Bestimmungen seines Dekretes umsetzen, und den Kindern im rechten Alter die Hl. Kommunion reichen werde. Ein Beispiel dafür, daß er recht hatte, ist das Leben des kleinen Antonio, kurz Toni genannt, dessen Liebe zur Hl. Eucharistie wirklich erstaunlich ist.

Von nun an ging Toni jeden Tag zur heiligen Kommunion. Kaum graute der Morgen und rührte sich jemand im Hause, hörte man auch bald seine helle Stimme: „Es ist Zeit, Tante!“

Seine Tante Katharina schlief nämlich nebenan, und da sie jeden Morgen zur heiligen Messe und Kommunion zu gehen pflegte, so war Toni ihr ständiger Begleiter.

Die Tante hatte Mitleid mit dem Kleinen, weil er morgens so früh aus dem Bett mußte. Sie meinte, er täte besser daran, weiterzuschlafen. Deshalb versuchte sie, sich morgens möglichst leise zu erheben und anzukleiden. Aber das war ein eitles Beginnen. Toni mochte anscheinend noch so tief schlafen, er hörte sie immer. „Warte ein wenig, Tarite, gleich bin ich da!“ schallte es dann aus seinem Zimmer. Oder auch: „Anená,“ - so nannte er zärtlich seine Tante - „geh doch nicht ohne mich! Ich will doch auch den lieben Heiland empfangen!“

Als er das eine Reihe von Tagen so getan hatte, nahm ihn die Mutter eines Abends ins Gebet.

„Hör mal, Toni,“ sagte sie, „das geht nun doch nicht! Du kannst doch nicht immer kommunizieren, ohne zu beichten.“

„Aber ich habe doch keine Sünde getan!“ verteidigte er sich.

„Ich glaub's dir,“ antwortete die Mutter, „aber so kleine Fehler wirst du doch wohl haben.“

„Ja, gewiß“, bekannte er mit einer wahren Armsündermiene. „Aber ich bete immer vor der heiligen Kommunion die Reue. Und der liebe Heiland verzeiht mir dann alles. Mama, laß mich doch nur weiter kommunizieren!“

So ließ man ihn denn gewähren. Aber schließlich kamen den Eltern andere Bedenken. Toni schlief nicht mehr! Das innige Verlangen, das er hatte, den lieben Heiland im Sakrament zu empfangen, und die große Sehnsucht, die ihn erfüllte, raubten ihm allen Schlaf, und seine Gesundheit wurde zusehends schwächer. Deshalb mußten die Eltern seinem frommen Eifer Einhalt tun und ihm die Kommuniontage verringern. Nur an Sonn- und Festtagen und am ersten Freitag des Monats durfte er gehen.

Quelle: DER KLEINE TONI, Antoninho Martinez de la Pedraja, Ein Junge, der Jesus liebhatte, P. Heinrich Strake SVD, Missionsdruckerei Steyl, 1940