Der kleine Toni: Nur kein Sünde!

22. Mai 2018
Quelle: Distrikt Österreich

Pius X. war der Meinung, daß es heilige Kinder geben werde, wenn man die Bestimmungen seines Dekretes umsetzen, und den Kindern im rechten Alter die Hl. Kommunion reichen werde. Ein Beispiel dafür, daß er recht hatte, ist das Leben des kleinen Antonio, kurz Toni genannt, dessen Liebe zur Hl. Eucharistie wirklich erstaunlich ist.

Nur keine Sünde!

Frau Marina war eine fromme und kluge Mutter. Sie ließ nichts außer acht, das zarte Herz ihres Lieblings zu veredeln. Darum erzählte sie dem Kinde mit Vorliebe biblische Geschichten, an die sie kurze Belehrungen knüpfte. Toni fand solches Gefallen daran, daß er schließlich nichts anderes mehr hören wollte. Einmal begann die Mutter, ihm ein Märchen zu erzählen.

„Ach, Mama,“ sagte er da, „erzähl mir lieber vom Jesuskind. Die Märchen sind doch alle erlogen.“

Ein anderes Mal sprach sie vom bitteren Leiden des göttlichen Heilandes. Toni war damals drei Jahre alt, und das Kruzifix an der Wand hatte ihn schon öfters zu der Frage veranlaßt, warum denn der liebe Jesus am Kreuze hänge.

Die hellen Tränen rannen dem Kleinen über die geröteten Wangen, als er von all den Peinen hören mußte, die der liebe Heiland ausgestanden, bis er endlich seine Seele aushauchte.

„Aber, Mama, jetzt leidet Jesus nicht mehr, gelt?“ fragte er ängstlich. „Jetzt ist er doch bei den Engelein im Himmel?“

„Gewiß, Kind, jetzt ist er im Himmel. Aber wenn die Menschen böse sind und Sünde tun, so tut ihm das sehr wehe.“

„O, ich will nicht böse sein. Ich habe ihn sehr lieb. Noch lieber als dich, und dich hab' ich doch so gern! - Nein,“ fuhr er gleich darauf fort, „ich will nicht, daß das Jesuskind über mich weint.“ Und mit weitgeöffneten Augen fragte er plötzlich: „Mama, sag, tu ich dem Heiland weh?“

„Nein, Toni, die kleinen Kinder tun ihm nicht weh.“

„Aber die Großen, warum tun die es, wenn er doch für sie gestorben ist? Sag es mir doch, Mama, damit ich ihm nie weh tu!“

„Durch eine Sünde tut man ihm weh.“

„Was ist das, Mama - eine Sünde?“

„Das wirst du alles später hören, wenn du größer bist. Vorläufig genügt es zu wissen, daß du noch keine Sünde tun kannst.“

„Aber wenn ich größer bin und tu dann eine Sünde!? Schrecklich, Mama! Lieber will ich doch sterben!“

„Kind, mach dir darüber keine Sorgen. Bete nur alle Tage zur lieben Gottesmutter:

Liebe Himmelsmutter mein,
halt mein Herz von Sünden rein!
Eher lasse sterben mich,
als durch Sünd' betrüben dich!“

So lernte Toni die Sünde hassen, ehe er sie kannte. Er lernte aber auch, sich ganz innig an die liebe Gottesmutter anklammern. Er wurde ein echtes Marienkind.

Quelle: DER KLEINE TONI, Antoninho Martinez de la Pedraja, Ein Junge, der Jesus liebhatte, P. Heinrich Strake SVD, Missionsdruckerei Steyl, 1940