Der Marsch für die Familie

30. Juli 2020
Quelle: Distrikt Österreich

Am 13. Juni 2020 fand in Wien der „Marsch für die Familie“ statt. Zusammen mit P. Regele nahm ich bei dieser Veranstaltung mit etwa 300 Personen, die sich für diesen guten Zweck beim Stephansdom eingefunden hatten, teil und lauschte den mutigen und klaren Ansprachen der verschiedenen Referenten. Als letzter Redner sprach noch P. Regele als Vertreter unserer Priesterbruderschaft St. Pius X. Auf der Gegenseite, abgeschirmt von einem Großaufgebot an Polizisten, lärmten 400 - 500 „Antifaschisten“, besser gesagt „Anarchisten“ mit Sprechchören und Plakataufschriften wie: „Kein Gott - kein Staat - kein Patriarchat“ oder dem blasphemischen Slogan: „Hätte Maria abgetrieben, wäret ihr uns erspart geblieben.“ 

Nach den Reden formierte sich der Marsch vom Stephansplatz über den Graben zum Ballhausplatz. Die Teilnehmer trugen dabei Schilder mit familienfreundlichen Aufschriften. Die Polizei hatte währenddessen alle Hände voll zu tun, um die Gegendemonstranten zurückzudrängen und die Seitengassen der Marschroute rechtzeitig abzuriegeln, um ein Vordringen der Antifa-Demonstranten zu verhindern. Am Ballhausplatz folgte der Abschluss der Kundgebung und P. Regele spendete allen Teilnehmern noch den Segen. Nicht ungefährlich gestaltete sich die Auflösung der Veranstaltung, da die Gassen und Plätze rund um den Ballhausplatz von Gegendemonstranten belagert waren. Gott sei Dank kam es aber zu keinen weiteren Zwischenfällen. 

Als kleine Kostprobe der am Stephansplatz gehaltenen Reden hier nun die Worte von P. Johannes Regele, der als Doktor der Molekularbiologie und Priester der „Piusbruderschaft“ dem Publikum vorgestellt wurde. Der Inhalt wird hier in der schriftlichen Fassung etwas ausführlicher formuliert:

 

Liebe Freunde!

Papst Pius XI. belehrt uns in seinem großen Rundschreiben über die Ehe (Enzyklika „Casti connubii“ aus dem Jahre 1930) über wesentliche Wahrheiten des christlichen Lebens. Vor allem gibt er uns auch klare Anweisungen, wie vorzugehen ist, um wieder auf den rechten Weg zu gelangen, der von Gott vorgegeben ist.

„Hier ist nun vor allem jener unumstößliche Satz ins Gedächtnis zu rufen, zu dem sich jede gesunde Philosophie und noch viel mehr die Theologie feierlich bekennt: Was von der rechten Ordnung abgewichen ist, kann auf keinem anderen Weg in seinen ursprünglichen und seiner Natur gemäßen Stand zurückgeführt werden als durch Rückkehr zu den Gedanken Gottes, die (so lehrt der Doctor Angelicus) das Maß alles Rechten und Richtigen sind.“

Wir werden von den Päpsten der alten Zeit eingehend über die Schöpfungsordnung belehrt, leider wird das seit Jahrzehnten unterlassen. 

„Es ist ein von Gott gegebenes Gesetz, dass wir den Nutzen und die heilsamen Wirkungen der von Gott und der Natur stammenden Einrichtungen um so stärker erfahren, je mehr sie in ihrem ursprünglichen Zustand unversehrt und unverändert verbleiben. Denn Gott, der Schöpfer aller Dinge, hat sehr wohl gewusst, was der Natur und der Erhaltung der einzelnen Dinge dienlich ist, und er hat sie alle nach seiner Idee und seinem Willen so gestaltet, dass jedes von ihnen in seiner Weise sein Ziel erreicht. Wenn aber menschliche Unüberlegtheit oder Bosheit es unternimmt, die so fürsorglich getroffene Ordnung der Dinge zu ändern oder zu verwirren, dann beginnt auch das, was weise und zweckvoll eingerichtet ist, zu schaden, oder es hört wenigstens auf, Nutzen zu bringen, entweder weil es die Nutzkraft durch die Änderung verloren hat oder weil Gott selbst auf solche Weise den Stolz und die Vermessenheit der Menschen strafen will.“

Die Ehe wurde bis vor fünf Jahrzehnten immer mittels des Hauptzweckes der Ehe definiert, nämlich der Fortpflanzung. Die eheliche Liebe ist eine sekundäre Aufgabe. Das ergibt sich aus der Natur des Menschen. Das Naturrecht wurde und wird, wie kaum etwas anderes, missachtet, Tag für Tag missbraucht in Staat und Religion. Leider auch in der katholischen Kirche, wo man beim II. Vatikanischen Konzil („Gaudium et Spes“) die klassische Definition aufgegeben hat und beabsichtigte, künftig etwas anderes zu lehren, nämlich: dass es keinen Hauptzweck mehr gibt, sondern dass Fortpflanzung und eheliche Liebe etwas Gleichwertiges seien. Hier liegt der allertiefste Grundirrtum. Betrachten wir einfach kurz zwei entsprechende Canones des alten und neuen Kirchenrechtes:

Die FRÜHERE LEHRE: „Erstrangiger Zweck der Ehe ist die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft; zweitrangiger die gegenseitige Hilfe und die Heilung des Begehrens.“ – CIC (1917) c. 1013 § 1

Die NEUE LEHRE: „Der Ehebund, durch den Mann und Frau unter sich die Gemeinschaft des ganzen Lebens begründen, welche durch ihre natürliche Eigenart auf das Wohl der Ehegatten und auf die Zeugung und die Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet ist, wurde zwischen Getauften von Christus dem Herrn zur Würde eines Sakramentes erhoben.“ – CIC (1983) c. 1055 § 1

In einer Ansprache an den Verband katholischer Hebammen Italiens am 29. Oktober 1951 griff Papst Pius XII. die klassische Lehre der Kirche mit sehr klaren Worten auf: 

„Wahr ist nun aber, dass die Ehe als Natureinrichtung nach dem Willen des Schöpfers zum ersten und innersten Zweck nicht die persönliche Vervollkommnung der Gatten hat, sondern die Weckung und Aufzucht neuen Lebens. So sehr auch die anderen Zwecke von der Natur gewollt sind, so stehen sie doch nicht auf dem gleichen Höhegrad wie der erste, und noch weniger sind sie ihm übergeordnet; sie sind ihm vielmehr wesentlich untergeordnet.“

Erzbischof Lefebvre berichtet in seinem Buch „Ein Bischof spricht“ über ein Ereignis während des Konzils: Der irische Dominikaner und Kardinal Michael Browne, 80. Nachfolger des hl. Dominikus als Generalmagister des Dominikanerordens, erhob sich beim Konzil und sprach:

„Caveatis -Hütet Euch! … Wenn wir diese neue Definition der Ehe annehmen, dann handeln wir gegen die ganze Überlieferung der Kirche und wir werden den Sinn der Ehe entstellen. Wir haben nicht das Recht dazu!“

Die Passage in „Gaudium et Spes“ wurde dann ein wenig ‚geglättet‘, um die Aufregung zu beschwichtigen.

Die katholische Kirche muss zur Verteidigung des Naturrechtes, der von Gott gegeben Ordnung, zurückkehren und die Gläubigen oft darüber belehren. Nur so wird man die großen Wunden in der Gesellschaft langfristig heilen können. Wir sind als Katholiken niemals Revolutionäre, unser Programm ist die Rückkehr zur von Gott gegebenen Ordnung. Nur auf diesem Weg gelangen wir auch zum wahren inneren und äußeren Frieden, der ja die Ruhe in der Ordnung ist, wie es Gottes heiligstem Willen entspricht.

Soweit die Ansprache von P. Regele. Wer sich für die weitere Informationen und die Reden beim "Marsch für die Familie" interessiert, findet sie bei "Gloria.tv" unter folgenden Internetlinks:

Gloria Global am 15. Juni 2020

Marsch für die Familie, Wien, 2020

Fotos: © Alfred Nechvatal

Quelle: Bericht von Pater Klaus Wilhelm