Die Verehrung des hl. Josef in der Volksfrömmigkeit - Teil 5

30. November 2021
Quelle: Distrikt Österreich
Kirche des Heiligen Josef des Schutzpatrons der Schreiner in Rom, Seitenaltarbild.

Beiträge zum Jahr des hl. Josef, 150 Jahre Schutzpatron der Kirche (8. Dezember 2020 – 8. Dezember 2021)

Ein sprechender Beweis für die überaus große Hochschätzung des hl. Josef ist die Gepflogenheit, die auf Johannes Gerson zurückführt, ihn mit Maria und Jesus zusammenzustellen zu einer „bewundernswerten und ehrwürdigen Dreifaltigkeit: Jesus, Josef und Maria“, die in gewissem Sinne ein irdisches Abbild der ewigen, ungeschaffenen Dreifaltigkeit sein sollte. Dieser eigenartige Gedanke wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder aufgegriffen, besonders auch vom hl. Franz von Sales, und zum Lob des hl. Josef verwendet. Gerson sah unseren Heiligen auch als Vorbild und Beschützer der christlichen Familie, auf Grund seiner Abstammung als Vorbild für den Adel, in besonderer Weise schließlich als Vorbild für das arbeitende Volk.

Der hl. Bernhardin von Siena betrachtete ausführlich die wahre Ehe Josefs mit Maria als Grundlage für alle seine Auszeichnungen, Gnaden und Tugenden. So wird er als „der Reinste in der Jungfräulichkeit, der Tiefste in der Demut, der Glühendste in der Gottesliebe, der Höchste in Betrachtung, der Sorgsamste für das Wohl aller, ganz nach der Art seiner jungfräulichen Braut“ gesehen. 

In Folge der zahlreichen Schriften der bekanntesten Prediger und Theologen der Zeit, die zu beigeisterten Verehrern des hl. Josef wurden, ist es nicht verwunderlich, dass im 15. Jahrhundert auch in breiten Kreisen des Laienvolkes eine Anrufung und Verehrung des hl. Josef begann. Die Volksgebetbücher nahmen allmählich auch Gebete zu seiner Ehre auf; vorerst sind es noch Anleihen aus den liturgischen Formularen der Kirche, Hymnen, Sequenzen oder Antiphonen mit einer entsprechenden Oration. 

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts hat sich bereits eine ganz eigene Andacht zum hl. Josef herausgebildet, es ist die Andacht zu den sieben Freuden und den sieben Schmerzen des hl. Josef. Der italienische Kapuziner Johannes von Fano ist der erste, der davon spricht. Es handelt sich hierbei um eine Nachbildung der entsprechenden Andacht zur schmerzhaften Gottesmutter, die ja damals sehr beliebt war.  

Bald entstanden, zunächst vor allem in Italien und Frankreich, zahlreiche Bruderschaften unter dem Namen des hl. Josef. Im 16. Jahrhundert wird er auch unter die Reihe der Zunftpatrone aufgenommen, vor allem der Zimmerleute und Schreiner. So hat sich etwa in Rom 1538 ein zunftähnliche Genossenschaft dieser Handwerker unter dem Namen des hl. Josef gebildet; sie erbaute später, im Jahre 1598, ihrem Patron eine Kirche über dem mamertinischen Kerker, die erste Josefskirche in der Hauptstadt der Christenheit: S. Giuseppe dei falegnami. Nicht zu vergessen ist auch das geistliche Schauspiel des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, dass sich besonders in Frankreich, England, aber auch im deutschen Sprachraum verbreitet hat und in dem natürlich auch der hl. Josef dargestellt wurde. 

Im 17. Jahrhundert wird Jean Jacques Olier sein Seminar unter das Patronat des hl. Josef stellen, der hl. Vinzenz von Paul tut dasselbe für die Priester der Mission. „In dieses geistige Klima hinein muss man die berühmten Festtagspredigten Bossuets einordnen. Die beiden Predigten, die der große Bischof dem heiligen Josef gewidmet hat, gehören zum Schönsten, was zu seiner Ehre geschrieben worden ist. … Josef wird mit den Aposteln verglichen, ohne dass der Versuch gemacht wird, ihm einen Vorrang zuzuerkennen. Die Berufung des einen und die Berufung der anderen ist nicht die gleiche; die Apostel waren auserwählt, um den Sohn Gottes zu offenbaren, Josef dagegen um ihn zu verbergen. Josefs wahre Größe ist sein verborgenes Leben.“ Zusammen mit der hl. Theresia von Ávila und dem hl. Franz von Sales gehört Bossuet zu denen, die am meisten beigetragen haben, um das wahre Antlitz des Nährvaters Jesu nahezubringen. Er betont, dass das Vorbild des hl. Josef die Christen anspornen soll, dass ihr Ruhm nicht in „glänzenden Beschäftigungen liegt, sondern darin, das zu tun, was Gott will. Wenn nicht alle die Ehre haben können, Jesus Christus zu predigen, so können doch alle die Ehre haben, ihm zu gehorchen, und dies ist der Ruhm des hl. Josef, es ist die grundlegende Ehre des Christentums. Fragt mich nicht, liebe Christen, was der hl. Josef in seinem verborgenen Leben getan hat. … In der Tat hat er nichts getan für die Augen der Menschen, denn er hat alles getan für die Augen Gottes. So lebte der gerechte Josef. Er sah Jesus Christus, und er schwieg. Er verkostete dies, und er sprach nicht darüber; er gab sich mit Gott allein zufrieden, ohne seinen Ruhm mit den Menschen zu teilen. Er erfüllte seine Berufung, weil er der Diener und Begleiter des verborgenen Lebens war, wie die Apostel die Diener des mitgeteilten Jesus Christus sind.“

Seit dem17. Jahrhundert wuchs die Popularität des Heiligen in außergewöhnlicher Weise, wozu sicher auch besonders beigetragen hat, dass sich ganze Staaten dem hl. Josef weihten, so wurde etwa Frankreich von König Ludwig XIV. dem hl. Josef anvertraut und schließlich stellte Kaiser Leopold I. alle Länder des Heiligen Römischen Reiches unter den besonderen Schutz des hl. Josef, besonders auch zum Dank für die Geburt eines Thronerben (späterer Kaiser Josef I.) und für die Befreiung aus der Türkennot.

Unter den verschiedenen Andachten der Volksfrömmmigkeit sei noch erwähnt, dass der hl. Josef ganz besonders als Patron der Sterbenden verehrt wird. In jeder Woche gibt es einen Tag, der auf besondere Weise ihm geweiht ist, nämlich den Mittwoch. Diese Übung besteht seit der Mitte des 17. Jahrhunderts und nahm ihren Anfang im französischen Benediktinerkloster Châlons. Der ganze Monat März ist, wie schon erwähnt, der besonderen Verehrung des Heiligen geweiht. „Besonders geläufig ist es seinen Verehrern, ihn täglich um drei Gnaden und Begünstigungen anzugehen: erstens um die Gnade, Jesus und Maria immer mehr von Herzen zu lieben, zweitens um die Gnade, das innere und äußere Leben, wie er getan, gut miteinander zu verbinden, drittens um die Gnade eines guten, erbaulichen und trostreichen Todes. Sein Leben zeichnet sich gerade in dieser dreifachen Hinsicht aus, und so scheint der Heilige auch von Gott besondere Macht erhalten zu haben, uns diese Gnaden zu vermitteln.“

Der hl. Josef gilt als der Meister des verborgenen Lebens. Dieses „Geheimnis des verborgenen Lebens enthält reiche Lehren. Wir sehen daraus, dass in den Augen Gottes nur das groß und wertvoll ist, was mit der Gnade Christi zu seiner größeren Ehre geschieht. Wir sind Gott wohlgefällig nur insoweit, als wir seinem göttlichen Sohne ähnlich sind. Möge St. Joseph uns Anteil erwirken an den Gnaden, die Christus uns durch sein verborgenes Leben uns verdient hat.“

Quelle: Pater Johannes Regele