Drittorden: Rundbrief Nr. 44

12 Februar, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

44. Rundbrief für den Dritten Orden der Priesterbruderschaft St. Pius X. im österreichischen Distrikt.

Liebe Mitglieder, Postulanten, Interessenten und Freunde des Dritten Ordens vom hl. Pius X.,

die Ablegung der Profess, die ich in den letzten Rundbriefen skizziert habe und etwas näher zu beschreiben bemüht war, ist ein religiöser Akt, weshalb die Ablegung des Versprechens nicht zu Unrecht als „heilige“ Profess bezeichnet wird. Sie ist auch eine liturgische Handlung, d.h. sie geschieht im Auftrag und nach Maßgabe der Kirche und ihrer Vorschriften, außerdem in der Regel während der Feier der Hl. Messe. Und schließlich zielt die Profess ihrer inneren Gestaltung und ihrem inneren Gehalt nach auf ein dauerhaftes, konstantes und für die gesamte verbleibende Lebenszeit eingegangenes Versprechen zum Dienste Gottes hin. Deshalb müssen bei dem Versprechen auch die wesentlichen Elemente des Dritten Ordens und seiner Ziele, direkt oder indirekt, einzeln aufgezählt oder summarisch, Erwähnung finden: Der Zweck, das Patronat, die Verbindung zum und die Bindung an den Hauptorden bzw. bei uns an die Priesterbruderschaft St. Pius X., sowie der den Dritten Orden beseelende Geist und die Verpflichtungen, die zum Ziel hinführen helfen.

Zunächst wird die Bindung, die das Drittordensmitglied bei seinem Eintritt durch die Ablegung des Versprechens eingeht, durch ihre Art und Weise der feierlichen Zeremonie und der dabei verwendeten Formeln und Gebete als religiöser Akt gekennzeichnet. Es geht um Gott. Das letzte Ziel auch und besonders das letzte Ziel des Drittordensmitglieds ist Gott für seine Seele, seine Seele bei Gott und Gott in der Seele. Deshalb nennt die Regel 1 von den Regeln für den Dritten Orden der Priesterbruderschaft St. Pius X.  als Ziel der Gründung dieses Dritten Ordens und damit auch aller jener, die ihm beitreten, die eigene Heiligung. Weil es dabei um ein übernatürliches Ziel geht, um jene andere unsichtbare und nur mit Hilfe der Gnade erreichbare Welt Gottes und Seines Reiches, deshalb bedarf es auch einer religiösen Handlung, eines heiligen Geschehens, mit der sich der Sodale bewusst und bereitwillig dieser übernatürlichen Bestimmung hingibt und weiht. Dies ist wahrhaft ein heiliges Geschehen, eine große, heilige Tat, die uns unserer eigentlichen Berufung zum ewigen  Gottesreich einen nicht geringen und sogar einen entscheidenden Schritt näherbringt.

Dieser Schritt geschieht aber nicht aus eigener Vollmacht und Befugnis, sondern auf Einladung und nach Prüfung der heiligen Kirche. Daher erweist sich die Professablegung zugleich auch als liturgisches Geschehen. In einer Kirche oder Kapelle – von Sonder- und Notfällen abgesehen -, vor der Kirche und mit dem Segen der Kirche übernimmt der Sodale Pflichten und Aufgaben für die Sache der Seele, nämlich für die eigene und die ihm anvertrauten Seelen, für die Sache der Kirche, für die Sache des Glauben. Angesichts der Schwere dieser Anforderungen in unserer Zeit der Krise für Glaube, Kirche, Sitte und Gesellschaft stützt er sich gemäß Regel 2 auf das Vorbild und Beispiel des heiligen Papstes Pius X. als Patrons und (vgl. Regel 5) auf den Beistand der Gottesmutter, des hl. Joseph, auf die Treue zur Tradition der Kirche und ihrer Lehre, auf den römischen Katechismus, auf die gesunde kirchliche Theologie im Geiste des hl. Thomas von Aquin und vor allem auf die überlieferte Liturgie und dort speziell auf ihr Zentrum, das hl. Messopfer. In diesem Geiste bindet sich der Professe zugleich an die Priesterbruderschaft, an ihr Werk, ihr Ziel, ihr Streben und auch an ihre Gnaden, Verdienste, Gebete (vgl. Regel 3), den gemeinsamen heiligen Eifer für Gott, für das Königtum Jesu Christi, für die Kirche und die Seelen.  Damit ist der Dritte Orden vom hl. Pius X. wie die Priesterbruderschaft selbst ein Werk von der Kirche, für die Kirche und in der Kirche.

Wenn Sie, liebe Mitglieder und Freunde des Dritten Ordens vom h. Pius X. , diese Art der Bindungen bedenken, die der Professe als Akt religiöser und zugleich kirchlicher Hingabe an Gott und um Gottes Willen an die Kirche, die Seelen, an die großen Anliegen des Heilswerkes Christi insgesamt auf sich nimmt und eingeht, dann werden Sie auch verstehen, dass solch ein Versprechen seinem Charakter, seiner Prägung nach eigentlich auf eine dauerhafte, beharrlich-treue und lebenslange Verbindung hingeordnet ist. Selbstverständlich – der Dritte Orden ist ja kein erster oder zweiter, hat auch keine Gelübde und gibt bei der Profess keine Zeitspannen der Gültigkeitsdauer an – kann jemand wieder austreten oder sich abwenden vom Dritten Orden oder der Bruderschaft. Gerade wegen der Aufnahmebereitschaft für viele Gläubige und Interessenten, für viele Laien in der Welt sind die Bindungen wie die Pflichten sehr moderat gefasst; von den Verpflichtungen können vielerlei Umstände wie berufliche, familiäre, entfernungsmäßige und vor allem auch gesundheitliche, altersbedingte Gründe bis zu einem gewissen Grad und manchmal sogar weitgehend entschuldigen. Wenn aber ein Mitglied regelrecht austritt oder sich faktisch dadurch trennt, dass es die Beziehungen zum Dritten Orden und der Priesterbruderschaft abbricht, so bleibt doch immer auch eine gewisse Verletzung seines Versprechens als Wunde zurück, weil diese Bindung ja in religiöser Form und auf Grundlage derselben Ziele, derselben Gesinnung und derselben Treuehaltung eingegangen und bislang fortgeführt worden war, was nun quasi aufgekündigt wird. Den Eintritt und die Mitgliedschaft in einen Orden soll aber genau diese Zielbestimmung, diese Festigkeit und Treue auszeichnen, die berechtigen zu sagen, dass hier wahre Diener Gottes, des Ewigen und Unveränderlichen, am Werke sind.

Aus all dem kommt es uns vom Dritten Orden des hl. Pius X. darauf an, die Zeremonie der Professablegung wie die spätere Treue zu ihr, den Eifer für sie fernerhin als eine heilige und bedeutende Aufgabe unseres Lebens zu betrachten. Es geht um keine Kleinigkeit oder um ein religiöses, frommes Anhängsel, nicht einmal nur um eine der sehr vielen Weihegebete, Vorsätze und guten Absichten, wie viele fromme Katholiken sie oftmals im Leben ablegen. Hier geht es um einen Einschnitt, eine Umgestaltung und Neuausrichtung unseres Standes, unserer Lebensbahn und unserer Glaubenspraxis. Eine Ordensberufung ist eine große Gnade, und speziell in unserer Zeit eine hohe Auszeichnung, eine Veredelung für Herz und Seele, aber auch Verantwortung, Auftrag und Berufung. Diese sollen und wollen wir schätzen, wie die Kirche und der Liebe Gott selbst dies schätzt, auf dass wir treu und eifrig gemäß Seiner Berufung und in Seinem Dienste mit Seiner Gnade jenes Ziel erlangen, welches hier auf Erden in diesseitigem Weinberg des Herrn beginnt und im jenseitigen von Gottes Güte in Seinen Reichtümern ihre Erfüllung finden wird: Die eigene Heiligung, das Heil der uns anvertrauten Seelen, was aber nach der Heilsordnung selbstverständlich in erster Linie und als Grundlage zunächst die Verherrlichung Gottes bedeutet, den Triumph des göttlichen Herzens Jesu und des unbefleckten Herzens Mariä, das Königtum Christi, die Erneuerung der Kirche als Heilswerkstätte des Herrn und das ewige Leben für möglichst viele Seelen in der seligen Anschauung Gottes im Reiche Gottes.

Ihr

Pater Waldemar Schulz

Wien, den 2. Februar 2019, Mariä Lichtmess