Ein Tag - fast - wie im Paradies: Fronleichnam im Schloss Jaidhof

16. Juni 2021
Quelle: Distrikt Österreich

Fronleichnam im Schloss Jaidhof

Die Wetterprognose für den Fronleichnamstag war gar nicht günstig, Regen war angesagt. Jedoch: der hl. Petrus hörte die Gebete der Gläubigen und so brach am Morgen des 3. Juni ein wunderschöner, warmer und sonniger Frühsommertag in Jaidhof an. Ein tiefblauer, klarer Himmel spannte sich über das südliche Waldviertel, das Laub der Bäume zeigte noch immer das zarte Grün des Frühlings und das frisch gemähte Gras rund um das Schloss wirkte, als hätte jemand einen überdimensionalen Teppich ausgelegt. Der Hauptaltar vor dem Schloss war festlich geschmückt, ebenso die vier Sakramentsaltäre auf dem Schlossgelände, die Blumenteppiche waren hingebungsvoll gelegt worden, alles war bereit für das Fest und auch die Festgäste trafen ein und füllten die Bankreihen. Schon seit nahezu 800 Jahren feiern die Katholiken die heiligen Geheimnisse des Leibes und Blutes unseres Herrn Jesus Christus mit dem schönsten Fest des ganzen Kirchenjahres. So soll auch heute in tiefer Ehrfurcht unserem Herrn und Heiland gegenüber, in Dankbarkeit und Freude, dieses Fest zu Ehren des Allerheiligsten Altarsakramentes gefeiert werden.

Vor der Herz-Jesu-Statue im Schlosspark hält der Prozessionszug und die Priester und alle Anwesenden weihen sich knieend erneut dem Herzen Jesu. Inmitten der Krise, in der wir leben, könnten kaum passendere Worte gefunden werden, als dieses Gebet beinhaltet: „Du sollst über unseren Verstand herrschen durch die Einfalt unseres Glaubens!“ Worte, als wären sie für uns und die Probleme unserer Zeit geschrieben worden. Wenn ER über unseren Verstand herrscht, dann können wir den Weg gar nicht verlieren, Er wird uns immer Orientierung sein durch alle Wirrnisse und Verwirrungen dieser Zeit, die uns ganz besonders im letzten Jahr zusetzten.

Das Lied „Ein Haus voll Glorie schauet“ begleitet danach den Prozessionszug: Kreuz- und Fahnenträger, Ministranten, Pfadfinderinnen und drei Kinder, die heute ihre erste hl. Kommunion empfangen dürfen, ziehen in festlicher Formation in Richtung Altar, gefolgt von den Klerikern und Priestern. Die goldfarbenen, festlichen Messgewänder des Zelebranten, des Diakons und Subdiakons glänzen in der Sonne und runden den festlichen Rahmen ab.  

Ein levitiertes Hochamt im tridentinischen Ritus mitfeiern zu dürfen, ist immer eine besondere Gnade. Die festlichen Zeremonien, verbunden mit den feierlichen Gesängen der Gregorianik, tragen die Seele förmlich zu Gott empor, lassen Ihn erahnen in all Seiner Herrlichkeit, lassen förmlich spüren, wie Er den Vorhang zwischen Himmel und Erde für kurze Zeit aufreißt während des hl. Messopfers. Wie in vielen seiner Texte drückt der hl. Thomas von Aquin in meisterhafter Form das aus, was der gläubige Katholik in seiner Seele fühlt, wie hier in der Sequenz von Fronleichnam: „Lob erschalle, Lob ertöne, Gott genehm, voll hoher Schöne, sei des Herzens Jubellaut. Denn das Fest wird heut begangen, von des Tages Glanz umfangen, der uns dieses Pfand vertraut.“

Fotos vom Fronleichnamsfest im Schloss Jaidhof

Der Zelebrant, Hochwürden P. Stefan Frey, fasst es in seiner Predigt so zusammen: „Es gibt nichts Würdigeres als dieses hochheilige Sakrament, weil es ja Gott enthält, die unendliche Würde, die göttliche Majestät, den König der Könige!“ Die Sonne strahlt vom Himmel und das fast überirdisch helle Licht des späten Frühlings liegt über dem Schlosshof und den Hunderten Feiernden. 

Das Hochamt ist zu Ende und die Prozession beginnt, eine Kinderschar geht dem Baldachin voraus und streut dem Heiland in der festlich geschmückten Monstranz Blumen auf Seinen Weg.  Die Zeremonien an den vier Altären folgen dem sehr feierlichen Ritus der Diözese St. Pölten und in die Hymnen, die der Chor singt, mischen sich Hunderte Vogelstimmen des Waldes. An allen vier Altären wird der Eucharistische Segen gespendet, nachdem zuvor um geistliche, aber ebenso um weltliche Gaben gebetet wurde: um eine gute Ernte, um Abwenden aller Gefahren, um irdische Gaben, um Befreiung von allen Gefahren des Leibes und der Seele. 

Die letzte Station ist bei der Josephskapelle, von da kehrt die Prozession zum Hauptaltar zurück, das feierliche Te Deum wird gesungen und der abschließende Eucharistische Segen wird gespendet. Eine eindrucksvolle und tief bewegende liturgische Feier ist zu Ende, deren alleiniges Ziel es ist, unserem Herrn und Erlöser mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln die Ihm allein gebührende Ehrfurcht, Verehrung und Liebe zu zeigen, in unseren Gebeten und Gesängen, in den Zeremonien, eingebettet in einem festlich geschmückten Rahmen. Und sollte jemand am Schluss auf die Uhr geblickt haben: Nahezu fünf Stunden waren vergangen, aber sie vergingen wie im Fluge, wie gerne hat man dem Herrn diese Zeit geschenkt!

Nun aber verteilen sich die Menschen im großen Schlosshof sowie im Park, suchen den Schatten unter den Bäumen, plaudern mit Freunden, lernen neue Leute kennen und lassen diesen wunderbaren Junitag festlich und friedlich ausklingen.  Kinder plantschen im Springbrunnen und die Jugendlichen, aus deren Mitte die Töne eines Akkordeons erklingen, diskutieren über ihre Zukunft. Es ist ein Tag – fast – wie im Paradies, und das inmitten einer krisengeschüttelten Welt, einer verblendeten Gesellschaft, die, wie man so oft den Eindruck hat, ihrem Untergang entgegentaumelt, und das, weil sie Gott, ihren Schöpfer und Erlöser, aus ihrer Mitte verbannt hat.

Die Emmausjünger fragten sich rückblickend, nachdem der Herr mit ihnen ein Stück ihres Weges gegangen war: Brannte nicht unser Herz? Auch wir durften unseren Herrn und Heiland heute in der Prozession begleiten und am Abend dieses Tages dürfen auch wir uns diese Frage stellen: Brannte nicht auch uns unser Herz aus Ehrfurcht und Liebe zu Ihm, Den wir verborgen im Allerheiligsten begleitet haben?  Noch lange wird uns die Erinnerung an dieses Fronleichnamsfest Kraft geben, wird dieser Tag in uns nachklingen.  Wie dankbar müssen wir für das Geschenk des Glaubens sein, für die Würde, die der Heiland uns verliehen hat durch das Allerheiligste Sakrament des Altares, welches das allergrößte Gut ist, das wir hier auf Erden haben.

Sehen Sie hier ein Video vom Fronleichnamsfest:

Hören Sie hier die Predigt des Distriktoberen P. Stefan Frey: