Eine Missionsreise auf die Fidschi-Inseln

27. Dezember 2020
Quelle: FSSPX Spirituality

Fidschi ist ein Inselstaat im Südpazifik. Der isolierte Archipel mit seinen 332 Inseln liegt etwa 1.200 km nördlich von Neuseeland und 3.100 km östlich von Australien. Die beiden Hauptinseln Viti Levu und Vanua Levu umfassen fast neun Zehntel der Landesfläche, die insgesamt nicht mal halb so groß ist wie die Schweiz.

Etwa die Hälfte der 800.000 Einwohner gehört verschiedenen protestantischen Bekenntnissen an. 30% sind Hindus (indischer Abstammung) und 6% Muslime.  Nur 10% der Menschen sind Katholiken. Diese gehören zum im Jahr 1966 errichteten Erzbistum Suva.

Ein Mönchspriester des Benediktinerklosters Unserer Lieben Frau von Guadalupe in Silver City (im US-Bundesstaat New Mexico) hat auf Bitten des Distriktoberen der Priesterbruderschaft St. Pius X.  für Australien und Neuseeland aushilfsweise eine Missionsreise auf die Fidji-Inseln unternommen und folgenden kleinen Bericht veröffentlicht.

Das, was einem am meisten auffällt, wenn man zum ersten Mal auf die Fidschi-Inseln fliegt, ist die absolute Schönheit von Gottes Schöpfung: das blaue, klare Wasser, die weißen Sandstrände, das satte Grün der vielfältigen Landschaft, die Berge und Hügel. Es lässt einen an den Anfang der Schöpfung zurückdenken: „Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte“ (Gen 2,8). Alle Dinge in Fidschi scheinen von der Schönheit, Größe und Liebe unseres himmlischen Vaters zu sprechen, der all dies zu seiner Ehre und zur Erbauung unserer Seelen geschaffen hat.

Rotuma

Rotuma ist ein kleine Eiland, das etwa 650 km nördlich von Vanua Levu, der zweitgrößten Insel der Fidschis, liegt. Das 45 Quadratkilometer große Territorium ist so weit entfernt, dass es für viele Vorräte vom fidschianischen „Festland“ abhängig ist.

Zum Zeitpunkt meines Eintreffens mit dem Flugzeug hatte wegen des schlechten Wetters schon lange kein Schiff mehr auf Rotuma anlegen können. Die Vorräte der Bevölkerung waren dadurch knapp, vor allem der Treibstoff, der für den Betrieb der Strom-Generatoren erforderlich ist. Diese Generatoren werden gebraucht, um Trinkwasser aus Tiefbrunnen zu pumpen.

Die Insel wird nur einmal die Woche durch ein Flugzeug angeflogen, dessen Landung sich immer zu einem geselligen Beisammensein der Menschen ausweitet. Auf Rotuma gibt es sieben Dörfer. Jedes hat seinen eigenen Häuptling. Auf der Insel leben etwa 2.000 Seelen, die in ihrer Mehrheit Katholiken oder Methodisten sind. Die Patres der Gesellschaft Mariens (Maristen), gegründet von dem französischen Priester Jean-Claude Colin (1790–1875), waren die ersten katholische Missionare in Ozeanien, dieser riesigen geographischen Region, die Australasien, Melanesien, Mikronesien und Polynesien umfasst. 7500 Inseln erstrecken sich über 70 Millionen Quadratkilometer Meeresfläche.

Maristen-Missionare

Die ersten Maristen-Missionare betraten am 1. August 1844 die Fidschi-Insel Namuka-i-Lau. 1846 erreichten sie Rotuma. Für die Maristen war die Bildung der Einheimischen wichtig, deshalb gründeten sie Schulen, bauten Kirchen und unterrichteten die Menschen über den christlichen Glauben. Sie brachten der Bevölkerung auch handwerkliche Fertigkeiten – Schreinerei und Steinmetz-Arbeiten – bei. Die ersten Ordensschwestern kamen im Jahr 1882 auf die Fidschi-Inseln. Diese ersten elf französischen Missionarinnen waren Tertiarinnen der Maristen, die sich erst später zu einer eigenständigen Kongregation zusammenschlossen, den Missions-Schwestern der Gesellschaft Mariens.

Ich blieb eine Woche lang in Rotuma, zelebrierte täglich die Hl. Messe und hielt Katechismus und Predigten für eine Gruppe von 30 Gläubigen. Sie waren glücklich, einen Priester unter sich zu haben, und nahmen die Wahrheiten des Glaubens begierig auf. Bislang können Patres der Priesterbruderschaft St. Pius X. nur zweimal im Jahr nach Rotuma kommen, um die Sakramente zu spenden und die überlieferte Messe zu feiern.

Es scheint mir, dass eine ständige Präsenz eines Missionars zur größeren Ehre Gottes reife Frucht bringen könnte. Die Einheimischen mit ihrer einfachen Lebensweise sind ein Feld, das reif ist zur Ernte. [A. d. Red.: Obwohl die Insel Rotuma seit 1881 politisch zu Fidschi gehört, ähnelt die einheimische Kultur eher der der polynesischen Inseln im Osten, z.B. Tonga und Samoa. Aufgrund ihres polynesischen Aussehens und ihrer unverwechselbaren Sprache bilden die Rotumaner heute eine erkennbare Minderheit innerhalb der Republik Fidschi.]

Unsere Liebe Frau vom Sieg

Zeugen dieser Fruchtbarkeit sehen wir in der Missionskirche Unsere Liebe Frau vom Sieg, die zwischen den Dörfern Juju und Pepjei liegt. Die älteren Rotumaner erinnern sich an den Eifer der Missionare für das Heil der Seelen. Sie erinnern sich an die Organisation und Ordnung der Missionsstation, die Jung und Alt gleichermaßen im Glauben förderte.

Mir wurde gesagt, es gebe unter den Einheimischen die Rede, dass die Maristen-Patres nicht mehr auf die Insel kommen würden, auch nicht sporadisch. Wie sich die Dinge geändert haben!

Suva

Suva war die nächste Anlaufstation der Priesterbruderschaft St. Pius X., die ich besuchen durfte. Sie liegt auf der Hauptinsel von Fidschi, Viti Levu. Mit 40 bis 50 Gläubigen ist dort die größte der drei Gruppen, die unregelmäßig auf den Fidschis aufgesucht werden.

Zurzeit kann die Bruderschaft die Sakramente nur alle zwei Monate in Suva und – als drittem Ort – in Nakavu (auch im Süden von Viti Levu) spenden. Wie ich bereits erwähnt habe, haben die Menschen hier nicht viele Mittel zur Verfügung. Wenn man sie jedoch bitten würde, eine Kollekte in anderer Form zu bringen, hätten sie sicher eine Fülle von Fisch, Huhn, Obst und Gemüse anzubieten! Etwas, das mir bei dieser kleinen Missionsreise aufgefallen ist, ist die Begeisterung und der Enthusiasmus, mit der alle zur Ehre Gottes singen. In den meisten Gemeinden, die ich auf meinen Reisen als Priester besucht habe, wird gesungen, ja, aber nicht so wie auf den Fidschi-Inseln. Alle singen, und alle singen laut. Ich habe den Gesang ihrer „Version“ des Lourdes-Lieds aufgenommen, und man konnte unter ihnen allen ein kleines Kind hören, das mit ganzem Herzen und ganzer Seele singt. Es war herzergreifend schön!

Nakavu

Am Abend des Sonntags, an dem ich die Insel besuchen durfte, fuhren wir in das Dorf Nakavu, das etwa anderthalb Stunden westlich von Suva liegt. Am Ende der Reise war die Brücke, die vor dem Dorf über einen Fluß führt, so unterspült, dass wir das Wasser auf Steinen überqueren und die verbleibende Meile zu Fuß zurücklegen mussten. Diese Dorfbewohner haben nicht viel, aber sie sind glücklich. Ihre Häuser sind manchmal kaum besser als das, was wir als einen Schuppen bezeichnen würden. Das kann uns die Augen öffnen dafür, welche Dinge wirklich für das Leben notwendig sind. Nach der Heiligen Messe, zu der wunderschön gesungen wurde, wurde ich mit einer traditionellen Willkommens-Zeremonie begrüßt, wie die Einheimischen sie pflegen.

Nach dem Abendessen wurde ich von vielen Gemeindemitgliedern zurück zu der unterspülten Brücke begleitet, wo wir unseren Fahrer trafen, der uns zurück nach Suva brachte.

Erbitten wir Berufungen!

Diesen Menschen den Glauben und die wahren Sakramente zu bringen, ist dank der Spenden großzügiger Wohltäter der Mission möglich, denn die Seelen auf diesen Inseln sind sehr arm. Es gibt so viel mehr, was wir tun könnten, wenn die Missionare der Bruderschaft nur die Mittel dazu hätten. Unsere mögliche Hilfe für diese Missionen ist aber nicht nur materieller Natur, sie muss zuerst geistlicher Natur sein.

Unsere Gebete sind nicht nur für das Seelenheil unserer katholischen Brüder und Schwestern am anderen Ende der Welt von Bedeutung. Wir müssen für Missionsberufe beten.

Angenommen, wir hätten alles Geld der Welt, dann würde es wenig helfen, wenn nicht ein Priester, ein Ordensbruder oder eine Ordensschwester gesandt werden könnte. Beten Sie, liebe Katholiken, beten Sie für Berufungen – und Sie, die Sie jung sind, denken Sie an den lieben Gott und seinen Plan, und denken Sie an diese Seelen auf den Fidschi-Inseln.