Erkenne, wer es Dir gegeben hat!

22. Juli 2022
Quelle: Distrikt Österreich

Nun sprach Gott: „Lasst uns den Menschen machen nach Unserem Bilde, Uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels, über das Vieh und über alles Wild des Feldes und über alles Gewürm, das auf dem Erdboden kriecht!“

Und Gott schuf den Menschen nach Seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf Er ihn, als Mann und Frau schuf Er sie. Und Gott segnete sie.

(Genesis 1, 26-27)


Erkenne es, wer es dir gegeben hat, dass du bist, dass du atmest, dass du denkst, dass du ― was das Höchste ist ― Gott erkennst, dass du das himmlische Reich, die Gleichstellung mit den Engeln, das Schauen der Herrlichkeit erhoffst, welches jetzt noch in Spiegeln und Rätseln erfolgt, dereinst aber vollkommener und reiner sein wird! Erkenne, wer es dir gegeben hat, daß du Gottes Sohn und Erbe Christi und gottähnlich bist.

Woher kommt dir all das, wer hat es dir gegeben? Oder ― um von dem Geringeren und dem Sichtbaren zu reden ― wer hat dir die Möglichkeit gegeben, zu schauen die Schönheit des Himmels, den Wandel der Sonne, die Scheibe des Mondes, die Zahl der Sterne, die hier überall sich offenbarende, der Leier gleiche Harmonie und Ordnung, den Ablauf der Stunden, den Wechsel der Jahreszeiten, den Kreislauf der Jahre, die gleiche Verteilung von Tag und Nacht, die Erzeugnisse der Erde, das Luftmeer, die weite Fläche des bald entfesselten, bald ruhigen Meeres, die Tiefe der Flüsse, die Strömungen der Winde? Wer gab dir die einen Tiere zur Zähmung und Dienstbarmachung, die anderen zur Nahrung? Wer hat dich zum Herrn und König über die ganze Erde aufgestellt? Wer hat den Menschen den Vorrang in allem verliehen?

Gregor von Nazianz (329-390 n. Chr.), Orationes, XIV. Rede