Exerzitien der hl. Theresia vom Kinde Jesu – Der kleine Weg

23. August 2020
Quelle: Distrikt Österreich

Kennen Sie das Gefühl, wenn man kurz vor einem wichtigen geplanten Ereignis steht und einem dann Zweifel kommen? Soll ich jetzt wirklich? Warum habe ich mir das jetzt nur aufgebürdet? Eigentlich habe ich im Moment überhaupt keine Lust dazu. Warum nicht kurzfristig absagen, immerhin können sich Dinge im Leben ja ändern. 

Genau diese Gefühle waren es, die zwei Wochen vor Beginn der Exerzitien mein ständiger Begleiter waren. Einzig alleine das Wissen darum, dass man Entscheidungen nicht grundlos in einem Augenblick der Unruhe ändern soll und die Sicherheit, dass diese Exerzitien mir guttun werden, haben mich zu den thematischen Exerzitien über die heilige Theresia geführt. 

Manches im Leben kann einen so richtig aus der Bahn werfen – man fühlt sich komplett erschlagen von den Ereignissen und Wendungen des Lebens und versucht den Halt unter den Füßen nicht zu verlieren. Da sind Exerzitien ein wahrer Hoffnungsschimmer, um Ruhe und inneren Frieden wiederzugewinnen. Wie beutelt einen das Leben doch hin und her.

Man ist genau da angekommen, wo die hl. Theresia beginnt: Man sieht, dass man ganz arm und klein ist, schwach wie ein Kind, sodass man einfach aus eigener Kraft nichts schafft. Die Heilige sagt: Gott ist ALLES, wir sind NICHTS. Das Schöne ist, dass dies einen nicht deprimiert, wenn man ihren kleinen Weg kennenlernt. Gerade unsere Schwachheit ist es ja, die Gott herablässt, uns noch mehr an sich zu ziehen. Die heilige Theresia vergleicht das mit einem Aufzug: Statt mühsam Treppen bis in den 10. Stock zu steigen, ist es doch viel einfacher mit einem Aufzug (Lift) hinaufzufahren. Genauso ist es mit dem geistigen Leben und unserer persönlichen Beziehung zu Gott. Wir brauchen uns nicht mühsam und krampfhaft aus eigener Anstrengung von einer Stufe zur nächsten hanteln, sondern sollen den Aufzug benutzen: Dieser Aufzug sind die Arme Jesu – in seine Arme sollen wir uns werfen wie ein kleines Kind in die Arme des Vaters. Und es reicht, wenn wir ihm einfach sagen: Ich liebe dich! Ich liebe dich! Ich vertraue dir! Ich erwarte alles von dir! Wenn wir mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, dann rät die Heilige Folgendes: 1) die Schwierigkeiten im Lichte Gottes sehen, 2) sie annehmen und 3) sie aufopfern. So schwer fällt uns das oft, den Willen Gottes anzunehmen, und wir haben so wenig Vertrauen, dass der liebe Gott besser weiß, was gut für uns ist. Denen, die Gott lieben, gereicht ALLES zum Guten. Auch das Schwere und Leidvolle und Negative, wenn wir es annehmen. Und wenn wir es aufopfern. Dann können wir durch Gottes Gnade aus diesem scheinbar Schlechten etwas Gutes machen, nämlich Leid in Liebe umwandeln und Seelen retten. 

Da kommt bei dem einen vielleicht aber auch die Angst hoch, dass Jesus dann Dinge von einem verlangen wird, die man nicht schafft, die zu schwer sind, die man nicht erleiden kann. Zumindest mir ging es so. Die Antwort des Exerzitienpredigers P. Seifritz ist beruhigend: Aber Gott ist ja die Liebe! Alles schickt er aus Liebe, auch das Leidvolle. Und wenn er einem ein größeres Leid schickt, dann schickt er auch mehr Gnaden und mehr Kraft, es zu tragen. Er ist barmherzig. 

Sich ganz der barmherzigen Liebe Jesu auszuliefern ist der Höhepunkt der Exerzitien, denn mit der Weihe vereint man sich ganz mit dem Herzen Jesu, da ist sein Herzschlag mein Herzschlag, seine Liebe meine Liebe. Denn es geht um das, was wirklich im Leben zählt: Liebe! Liebe! Liebe allein!

Sind diese Exerzitien auch etwas für Sie? Auf jeden Fall! Jedem, egal wo er im Leben gerade steht, sind sie anzuempfehlen. Auch wenn man sie schon einmal gemacht hat. Aus Eigenerfahrung kann ich bestätigen, dass Einen ganz andere Dinge berühren: War es im ersten Jahr vor allem die Erkenntnis, dass Gott mich unendlich liebt, und dass ich ihn liebe, sobald ich sage: Ich will dich lieben!, auch wenn keine spürbaren Gefühle vorhanden sind. So war es jetzt beim zweiten Mal mehr die Antwort auf seine Liebe, nämlich, dass ich ihm mit jedem Herzschlag, ob ich daran denke oder nicht, sage, dass auch ich ihn liebe. 

Ein Bekannter hat mir die Frage gestellt, wie ich denn zu solchen Einkehrtagen komme? Es gibt nur eine Antwort: Es ist die Gnade Gottes!

Quelle: Eine Exerzitienteilnehmerin

 

Dieser Kurs mit Pater Seifritz wird auch im Jahr 2021 angeboten: 
Thematische Exerzitien für Männer u. Frauen: „Der kleine Weg der hl. Theresia von Lisieux“ 
Mo. 16.08. – Sa. 21.08.2021 im Exerzitienhaus Schloss Jaidhof