Gottesdienstordnung • Kirche St. Thomas v. Aquin • Sommer 2019

02 Juli, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Aus dem Vorwort der Gottesdienstordnung der Kirche St. Thomas v. Aquin / Graz, von Pater Elias Stolz.

Liebe Gläubige!

Das christliche Leben bringt im Alltag eine gewisse Monotonie mit sich, immer wieder wiederholen sich dieselben Abläufe und Handlungen.
Um dem Gewohnheitsmäßigen entgegenzuwirken, brauchen wir eine besondere Motivation, eine Begeisterung für unsere Berufung! Sie kennen es aus dem Alltag - Je mehr wir mit Eifer an eine Sache rangehen, desto leichter werden wir uns darin tun. Die Begeisterung ist gewissermaßen ein Motor, der uns antreibt. Für unsere Heiligkeit, vor allem für die Beharrlichkeit im Streben danach, ist also eine gewisse Begeisterung unabdingbar. Jeden Tag benötigen wir von neuem einen Anschwung, um nicht auf dem Weg zu ermatten.

Unser Voranschreiten muss von der stetigen Überzeugung getragen werden, dass wir noch nicht am Ziel angekommen sind. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Marathonläufer im letzten Abschnitt zusammenbrechen, da sie fälschlicherweise annehmen, es schon geschafft zu haben und innerlich aufgeben. Ähnlich wie diese müssen wir auch im geistlichen Leben ohne Rast weitergehen, denn wenn wir stehen bleiben, werden wir „zusammenbrechen“.

Nach dem hl. Augustinus besteht die Heiligung der Seelen in einer immer größer werdenden Sehnsucht nach Gott. Diese Sehnsucht ist nichts anderes als der heilige Eifer, die Begeisterung, die wir brauchen, um im Alltag nicht dem Druck der kleinen Schwierigkeiten zu erliegen. Unser geistlicher Kampf muss von dieser Begeisterung gezeichnet und genährt werden. Wenn wir fallen, soll uns das Sakrament der Buße neue Begeisterung schenken, uns anspornen, Gott mit neuer Freude zu lieben und zu suchen!

Der hl. Bernhard empfahl seinen Mönchen, im Geiste Novizen zu bleiben, damit meinte er, diese anfängliche Begeisterung nicht aufzugeben, sondern stets zu bewahren.
Was genau ist nun diese Begeisterung?

Hüten wir uns vor dem Strohfeuer, welches kurze Zeit auflodert, uns in seinem Bann zieht, aber sogleich wieder vergeht. Auch geht es nicht um eine rein natürliche, sondern um eine übernatürliche Begeisterung.
Man könnte sie definieren als eine Disposition jener Seele die das Gute sucht und ihr ganzes Vertrauen auf Gott gesetzt hat; sie erlangt dadurch ein hohes Ideal das sie ohne Rast und trotz aller Widerwärtigkeiten mit allen Kräften ersehnt und verfolgt.

Das Ideal spielt eine sehr wichtige Rolle in der Heiligung der Seelen, es ist die edelste Vorstellung die sich ein Mensch machen kann von der Vollkommenheit, die seinem Stande entspricht! Ein Mensch ohne Ideale ist arm, er kann nur ohne Freude ziellos umherirren.

Viele Menschen begnügen sich mit einem natürlichen und letztendlich bedeutungslosen Ideal, da sie das Wesentliche damit nicht erreichen werden. Natürliche Ideale sind auch wichtig und nützlich, aber sie reichen nicht aus wenn sie nicht dem übernatürlichen Ideal untergeordnet sind! Auch werden sie nie imstande sein, die menschliche Sehnsucht vollkommen zu stillen. Wer sich nur an natürlichen Idealen orientiert, wird immer unzufrieden sein, denn zu Gott hin sind wir erschaffen und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Ihm (Hl. Augustinus).

Welches Glück haben wir Christen, da unser Ideal unendlich groß ist. Wir sind Kinder Gottes, nehmen durch die Gnade an Sein eigenes Leben teil. Er selbst ist unser Ideal und wird uns im freudigen Eifer bestärken. Je mehr wir uns bemühen werden uns zu heiligen, desto größer wird diese Begeisterung in uns wirken!

Da wir für Gott erschaffen sind, dürfen und sollen wir Ihn über alles andere ersehnen, Er ist immer bereit uns Seine Gnade zu schenken um uns ganz an Sich zu ziehen!
Durch die Heiligung unserer Seelen wird Christus in uns nachgebildet. Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Wer diese Worte beherzigt und danach strebt, Christus in der Seele nachzuformen, wird immer diese Begeisterung in sich tragen.

Die begeisterte Seele ist optimistisch, überall wird sie das Gute sehen, ihr Vertrauen auf Gott setzen und nie den Mut verlieren.
Des Weiteren ist sie großherzig! Selbst in den unscheinbarsten Handlungen wird sie den unendlichen Wert erkennen, den diese durch die Liebe erhalten, denn auch die kleinste Handlung kann vor Gott groß sein! Großherzig sind diese Seelen auch in ihren Fehlern, da sie daraus lernen können und Nutzen ziehen. Sie werden Gott mehr lieben als wenn sie keine Fehler begangen hätten, da am Beginn ihrer Reue die Liebe steht! Großherzig sind diese Seelen auch in den großen Dingen, da sie all ihr Vertrauen auf Dem setzen, Der sie stärkt und in Ihm alles vermögen! Jedes Hindernis wird auf diese Weise in ein Mittel zur Heiligung verwandelt. Begeisterte Seelen sind schließlich innerlich erfüllt mit einer großen Freude und einem tiefen Frieden, da sie sich ihres Zieles stets bewusst sind. Ihre größte Sehnsucht ist das Ziel zu erreichen und bereits auf Erden auf ihn zuzusteuern.

Beten wir und bemühen wir uns täglich um diese heilige Begeisterung die uns stets anspornen soll, nach vorne zu schauen und auf Gott zu vertrauen!

Mit priesterlichem Segensgruß

Ihr P. Elias Stolz

Quelle: Gottesdienstordnung • Sommer 2019 • Kirche St. Thomas v. Aquin • Graz