Gottesdienstordnung • Priorat Maria Hilf • August - September 2019

22 August, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Aus dem Vorwort der Gottesdienstordnung des Priorates Innsbruck, 
von Pater Joseph Stannus.

Ihre Werke folgen ihnen nach“ (Offb. 14,13)

Liebe Gläubige,

ein Prinz und ein Bauer kamen zur gleichen Zeit bei der Himmelstüre an. Als der hl. Petrus ihre Namen im Buch des Lebens fand und beiden Einlass gewährte, war ihre Freude grenzenlos. Die Schutzengel nahmen sie sofort am Arm und führten sie durch die großen goldenen Tore. Von allen Seiten hörten sie gewaltige und zugleich exquisite Musik, etwas wie die Marienvesper von Monteverdi, mit der Zärtlichkeit von deutschen Weihnachtsliedern.

Sie kamen bald zu einem marmornen Palast in einem guten Viertel unweit von der glänzenden Hauptstraße, und der Prinz war nicht wenig überrascht, als ein Engel dem Bauern hier seinen Wohnsitz zuwies, ihm die Schlüssel überreichte. Der Prinz wünschte dem Bauern „Ewiges Wohlergehen!“ und schon zog er mit seinem Schutzengel weiter, neugierig auf das, was Gott in seiner Liebe ihm vorbereitet hatte.

Der Schutzengel führte den Prinzen ein wenig weiter (im Himmel sind Distanzen schwierig abzuschätzen) zu einer hölzernen Hütte umgeben von Wald, meisterhaft gebaut, mit einigen Fenstern und Verzierungen, oben ein Tiroler Schindeldach, aber das Ganze eher kompakt, ausreichend ohne Zweifel, aber doch eher auf der kleineren Seite.

Klagen waren im Himmel unangebracht. Jammern wollte der Prinz überhaupt nicht. Er war sich ja bewusst, es hätte alles auch ganz anders ausgehen können, und er kannte den Vers: „Allezeit preisen will ich den Herrn!“ (Ps. 33,2). Er wusste, alles ist Barmherzigkeit, wenn es um die Belohnung des Himmels geht, und deshalb versuchte er innerlich den ignatianischen Gleichmut zu erwecken. Er wusste, das Wesentliche im Himmel ist die Anschauung Gottes. Alles andere ist nebensächlich. Er erlaubte sich aber doch die Frage, sein Schutzengel stand noch da: „Wie kommt es denn, dass der Bauer einen großen, geräumigen Palast erhält, mit polierten Mauern, und ich hingegen, obwohl ich doch aus dem Adel bin (oder zumindest war) einen Schießstand (das war natürlich übertrieben, aber er wollte den Kontrast ein wenig betonen) bekomme? Ich bin ganz überzeugt von der Gerechtigkeit der himmlischen Beschlüsse. Nur hätte ich gerne ein wenig Einblick in der Vorgehensweise, um sie besser zu verstehen, und sie auch von ganzem Herzen preisen zu können. Es würde mir auch sehr Leid tun, wenn der Verwaltung ein Fehler unterlaufen wäre, wenn sie die Häuser irrtümlicher Weise vertauscht hätten.“

Der Schutzengel sagte, um die Frage sachlich beantworten zu können, müsse er sich mit dem Bauamt in Verbindung setzen, aber er sei sicher, Fehler kämen ja nicht vor, der (ehemalige) Prinz würde eine ganz zufriedenstellende Antwort bekommen. Irdische Titeln hätten keine Bedeutung im Himmel, das sei ihm doch klar, aber er würde auch einsehen, dass die Häuser immer richtig - auch in diesem Fall - zugeteilt werden.

Sehr schnell (der Prinz hatte kaum Zeit gehabt seine Bleibe zu umschreiten) war sein Schutzengel wieder da, und zeigte ihm eine Liste: „Da, auf der Liste siehst du den Grund. Der Leiter des Bauamts hat ihn mir jetzt erklärt. Er hat die Bau-Engel geschickt, sie sollten für dich und den Bauer Franz die Häuser fertigstellen, so schön wie möglich. Nur gibt’s bei den himmlischen Wohnungen die eine Einschränkung: das Material, das für den Bau verwendet wird, muss der zukünftige Himmelsbewohner zu Lebzeiten hinaufschicken. Jedes gute Werk, das er tut, entspricht einem Stein oder einem Brett oder einem Dachziegel bei seinem Haus. Je nach der Herzensgesinnung, je nach der Reinheit der Absicht des Bewerbers ist die Qualität des Materials größer oder eben minder. Und schau, bei dir war eben Holz da. Fichtenholz ist wetterfest. Du brauchst dich nicht sorgen, dass es verfaulen könnte. Und wirklich, für das, was du hinaufgeschickt hast, ist das Haus sehr schön geworden.“

Der Prinz erinnerte sich an seine eher seltenen Werke, seine wenigen Opfer, seine schwankende Andacht, und wusste ganz genau: „Hoheit und Pracht ist das Wirken des Herrn, seine Gerechtigkeit bleibt ewig bestehen!“ (Ps. 110, 3).

Liebe Gläubige, es kommt nicht auf unser irdisches Ansehen, auf unseren Erfolg in den Augen der Mitmenschen an. Es kommt auf die gute Absicht an, auf den Eifer mit dem wir gute Werke vollbringen. Wenn die Himmelfahrt Mariens ein so großes Fest ist, dann weil Maria einen unaussprechlichen Lohn empfängt für ihr irdisches Wirken, für ihre ausnahmslose Zustimmung zu den Wünschen Gottes, für die reine Absicht, die sie bei allen ihren Handlungen hatte. Die Muttergottes hat nie ein gutes Werk verweigert, sie hat immer die Ehre Gottes und die Rettung der Seelen als Ziel gehabt. Und deswegen ist ihre Himmelfahrt ein schwindelerregender Aufstieg, ein Triumphzug ohne gleichen, die Himmelfahrt Christi ausgenommen.

Mit September fängt eine neue Etappe an. Die Ferienzeit geht zu Ende, das Schuljahr fängt neu an. Pater Angelo Citati wird die Stelle von Pater Victor Pasichnik im Priorat Innsbruck einnehmen (schon ab dem 15. August). Erfreuen wir uns einer neuen Gelegenheit gute Werke zu tun, Verdienste zu sammeln, damit die Bauleitung des Himmels über Material verfüge, damit im Himmel auf unserem Platz mehr als nur Stroh vorhanden ist. Und natürlich geht es nicht nur um einen bequemen Platz, sondern um die Ehre, die wir dabei Gott bringen!

Wir wünschen Pater Pasichnik großen Erfolg im neuen Wirkungsfeld (Osteuropa, mitunter auch Russland). Wir bleiben ihm sehr dankbar für sein eifriges und freundliches Wirken unter uns, für die ersten Früchte seines Priesterlebens, die er uns geschenkt hat. Wir heißen Pater Citati herzlich willkommen, der die Arbeit im österreichischen Weinberg fortsetzen wird. Die Geschichte des guten Bauern und des Prinzen, soll uns anspornen, die neuen (oder neu-beginnenden) Aufgaben mutig anzugehen.

Mit priesterlichem Segensgruß

P. Joseph Stannus

Quelle: Gottesdienstordnung  • August - September 2019 • Priorat Maria Hilf • Innsbruck