Gottesdienstordnung • Priorat Maria Hilf • Dezember 2019/ Jänner 2020

03 Dezember, 2019
Quelle: Distrikt Österreich

Aus dem Vorwort der Gottesdienstordnung des Priorates Innsbruck, 
von Pater Joseph Stannus.

Lasst uns nach Bethlehem gehen und schauen, was da geschehen ist, und was der Herr uns verkünden ließ! Und sie kamen eilend.“ (Lk 2,15)

Liebe Gläubige,

es naht das Weihnachtsfest. „Lasst uns nach Bethlehem gehen!“ So haben damals die Hirten gesprochen. Das soll auch unser Wunsch sein in den Tagen vor dem Fest. 

„Nach Bethlehem gehen“, das haben die Hirten wortwörtlich gemacht. Uns ist das nicht möglich. Wir müssten in der Zeit zurückgehen können, um nach Bethlehem zu gehen und dort den Heiland anzutreffen. Aber etwas können wir doch: innerlich „nach Bethlehem gehen“, die Hirten in ihrer Haltung nachahmen, um die Gnaden zu erlangen, die sie bei der Krippe gefunden haben, die Freude und der innere Frieden, den nur Gott bringen kann. Sie wissen, die Feste des Kirchenjahres enthalten die Gnaden des jeweiligen Geheimnisses. Was damals die Hirten empfangen haben, empfangen wir durch die andächtige Teilnahme an der Liturgie und den Empfang der Kommunion am Weihnachtstag, wenn wir vorbereitet sind, wenn wir uns dafür öffnen.

Was ist die Haltung der Hirten? Wir finden bei Ihnen zunächst die Liebe. Sie ermutigen sich gegenseitig, der Einladung des Engels zu folgen. „Lasst uns gehen!“ Sie gehen nicht allein, aus Eigensucht, sie wollen die Freude, die die Engel ankündigen, miteinander teilen, die „große Freude, die allem Volke zuteil werden soll.“ Diese Liebe darf nicht fehlen auf dem Weg nach Bethlehem, das Bemühen, die Mitmenschen zu Christus, zum Retter zu führen.

Zweitens sind die Hirten gehorsam. Sie zögern nicht, der Einladung des Engels Folge zu leisten. Sie denken nicht an ihre menschlichen Sorgen, an die Schafe, an die Kälte, an den Spott, den sie vielleicht ernten. Sie wollen dem Himmel gehorchen, was es auch koste! Ein solcher Gehorsam ist dem Heiland wohlgefällig. Er übt ihn auch selber, indem er die –zugegeben, erstaunliche – Bestimmungen der Vorsehung aufs Genaueste befolgt. Den Verheißungen gemäß wird er in einem armen Stall, abseits der Stadt, fast vollkommen verlassen zur Welt kommen. Warum? So will es die Weisheit Gottes! Und der Sohn Gottes gehorcht!

Drittens sind die Hirten eifrig. Sie hätten sagen können: „Gehen wir morgen!“ „Schauen wir, ob andere zuerst hingehen!“ „Warten wir ab!“ Aber nein, es heißt: „Sie kamen eilend!“ Sie verlieren keine Zeit. Sie schieben ihre Reise nicht hinaus. Sie gehen sofort, in der Nacht, ohne Aufschub, um zu „schauen, was da geschehen ist“. Andere hätten gezaudert, die Hirten eilen hin. 

Liebe Gläubige, jetzt in der Zeit vor Weihnachten, auch während der Weihnachtszeit, bei der Betrachtung der Krippe, erwecken wir diese Gesinnung: Liebe, Gehorsam, und Bereitschaft zur Erfüllung des Willens Gottes. Das Christkind bereitet jedem von uns kostbare, auserlesene Gnaden, aber es kann sie nur schenken, wenn unser Herz empfänglich ist, wenn wir aufnahmefähig sind. Nehmen wir die Hirten als Beispiel, um ein frohes und gnadenreiches Weihnachtsfest feiern zu können. Das wünscht Ihnen von Herzen

Ihr

P. Joseph Stannus

Quelle: Gottesdienstordnung  • Dezember 2019/ Jänner 2020 • Priorat Maria Hilf • Innsbruck