Gottesdienstordnung • Priorat Maria Hilf • Februar - März 2019

2019
Quelle: Distrikt Österreich

Aus dem Vorwort der Gottesdienstordnung des Priorates Innsbruck, 
von Pater Joseph Stannus.

Erbarm dich meiner, Gott, und sei mir gnädig; nach deiner großen Güte tilge meine Schuld!“ (Ps. 50,1)

Liebe Gläubige,

da wir bald in die Fastenzeit eintreten, möchte ich Ihnen einige Gedanken über die Reue mitgeben. Sie wissen, dass wenn wir beichten, wenn wir Buße tun, das Entscheidende die Reue ist.

Der hl. Thomas von Aquin hat die Reue in seiner Summa Theologica sehr schön erklärt. Im Teil über die Sakramente sagt er, dass die Reue „ein von uns gewählter Schmerz über die Sünde ist, mit dem Vorsatz, zu bekennen und genugzutun.“ 

Eine jede Sünde geht aus dem Stolz hervor. Wir ziehen unsere Wünsche dem Willen Gottes vor. Wir maßen uns an, etwas zu tun, was Gott missfällt. Dabei wissen wir, dass Gott unendlich weise, unendlich mächtig, unendlich gut, Herr über alle Dinge ist. Aber wir lehnen uns gegen Ihn auf. Das ist die Sünde: Auflehnung gegen Gott.

Wenn wir die Sünde zerstören wollen, müssen wir etwas Entgegengesetztes tun. Wir müssen diesen verkehrten Willen brechen, ansonsten bleibt die Sünde! Manche Menschen meinen, dass sie eine gute Beziehung zu Gott haben, dass sie gut beten können, dass sie fromm sind, aber halten an ihren Sünden fest. Sie leben im Ehebruch oder im Streit mit ihrem Nächsten oder behalten fremdes Gut, sind unversöhnlich, halten den Sonntag nicht, aber meinen, dass sie gute Menschen sind, dass Gott sie in den Himmel holen wird. Das ist falsch! Solange die Auflehnung fortdauert, solange das Herz am verkehrten Willen festhält, sind wir in Feindschaft mit Gott und ausgeschlossen vom ewigen Leben.

Die Reue richtet sich gegen den schlechten Willen, gegen den Stolz. Sie zerstört unsere Anhänglichkeit an die Sünde. Deswegen wird sie auch ‚Zerknirschung’ genannt. So wie ein großer Stein zermalmt werden kann, und nur Pulver übrigbleibt, so bricht die Reue unseren Stolz, unseren verkehrten Willen, und macht uns wieder fügsam gegenüber Gott. Manchmal verlangt es mehr Kraft, den Stolz zu brechen, als einen Stein zu zerkleinern, aber mit der Gnade Gottes ist es möglich! Denken Sie nur an den hl. Paulus. Zuerst „schnaubte er Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn“ (Apg 9,1). Einige Augenblicke später, von der Gnade Gottes getroffen, ist er ein anderer Mensch: „Herr, was soll ich tun?“ (Apg 22,10).

Vom hl. Gregor stammt die Beschreibung: „Die Reue ist eine Demut des Geistes, welche die Sünde zunichtemacht und zwischen Hoffnung und Furcht sich bewegt“ (33. Moral. 11). Durch Reue gestehen wir: ‚Ich habe schon wieder Unsinn gemacht! Was für ein Esel bin ich gewesen! Eigentlich verdiene ich Strafe. Ich habe die Majestät Gottes beleidigt. Dennoch hoffe ich auf Verzeihung. Er hat gesagt: „Ich will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe!“ (Ez. 33,11). Also auf! Ich gehe zum Beichtstuhl, werfe mich in die Arme Gottes, setze alles auf Seine große Güte, und hoffe, dass Er mir Gelegenheit gibt, Ihm zu zeigen, dass es mir wirklich leid tut, dass ich Ihn aufrichtig liebe!’

Versuchen wir die Tage bis Ostern zu verwenden, um den Stein des Stolzes zu zermalmen, um den verkehrten Willen zu brechen. Durch Reue finden wir mit dem verlorenen Sohn, mit Maria Magdalena und mit dem hl. Petrus zum Herzen Jesu zurück!

Mit priesterlichem Segensgruß

Ihr

P. Joseph Stannus

Quelle: Gottesdienstordnung  • Februar - März 2019 • Priorat Maria Hilf • Innsbruck