Gottesdienstordnung • Priorat Maria Hilf • Februar - März 2020

07 Februar, 2020
Quelle: Distrikt Österreich

Aus dem Vorwort der Gottesdienstordnung des Priorates Innsbruck, von Pater Joseph Stannus.

Durch die Waffen der Gerechtigkeit in der Kraft Gottes, empfehlen wir uns durch große Geduld.“ (Offizium der Fastenzeit)

Liebe Gläubige,

die Modernisten werden nicht müde zu behaupten, der Begriff des Kampfes gehöre nicht zum Christentum. Man hat die Idee des Streitens gründlich aus der neuen Liturgie und aus der neuen Verkündigung ausgetilgt. An deren Stelle gibt es nur mehr Dialog, gegenseitige Gespräche, Hochschätzung, Gemeinsamkeiten. Die Wahrheit braucht keine Verteidiger, meint man.

Der Begriff des Kampfes gehört sehr wohl zum Christentum. Schlagen Sie die Briefe des hl. Paulus auf:

- „Ich vertraue dir, mein Sohn Timotheus, dieses Gebot an: Kämpfe in ihrer Kraft [die Kraft der Worte der Heiligen Schrift] den guten Kampf!“ (1 Tim 1,18)
- „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen worden bist“ (1 Tim 6,12)
- „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt“ (2 Tim 4,7).

Was der hl. Paulus hier an Timotheus schreibt, ist eindeutig der volle Einsatz der Kräfte im Dienst des Glaubens, zur Verteidigung der Wahrheit, zur Bewahrung der Treue zu Gott. Nur wer kämpft, erlangt das ewige Leben!

Es muss uns klar sein, gegen wen wir kämpfen: „Unser Kampf gilt ja nicht Fleisch und Blut, sondern den Mächten und Gewalten, den Weltherrschern dieser Finsternis und den bösen Geistern in den Himmelshöhen“ (Eph 6,12). Unser Feind ist nicht dieser oder jener Mensch. Unser Feind ist der Teufel, der von Anfang an das Verderben der Menschheit anstrebt.

Was müssen wir tun, um ihn zu widerstehen? Wie sollen wir kämpfen? Wie bleiben wir Gott treu in den Angriffen des Teufels?

Die Kirche gibt uns drei Waffen, die wir in der Fastenzeit vermehrt verwenden sollen, um der List des Teufels zu entkommen, um uns Gott zu nähern: Fasten, Almosen, und Gebet. Mit ‚Fasten‘ sind alle Werke der Abtötung gemeint; unter ‚Almosen‘ versteht man alle Werke der Nächstenliebe (z. B. die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit); ‚Gebet‘ bezeichnet alle Akte, die unsere Seele zu Gott erheben und uns die Gnade erlangen (mündliches Gebet, Betrachtung, Sakramente, gute Lektüre). Ein guter Fastenvorsatz kombiniert alle drei „Waffen“.

Liebe Gläubige, achten wir darauf, dass wir den Kampf richtig verstehen, richtig führen. Das Ziel ist die Liebe, die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten. Es wäre verfehlt, wenn wir „wegen des Kampfes“ allgemein hart und verächtlich werden. Von manchen Menschen muss man Distanz halten, weil sie uns sonst in die Sünde führen würden. Aber gegenüber den Menschen, die gemeinsam mit uns in die Kirche gehen, die gemeinsam mit uns leben, sollte man es nicht an Höflichkeit fehlen lassen! Das wäre gerade dem Teufel in die Hände spielen. Er freut sich, wenn Zwiespalt und Streitsucht in eine Familie, in eine Gemeinde kommen (siehe Artikel am Ende des Heftes über den freventlichen Urteil).

Führen wir den Kampf weiter, „in der Kraft Gottes, in großer Geduld“. Unser Ziel ist die Liebe, die Vereinigung mit Gott. Dazu müssen wir die richtigen Mittel verwenden. Unser Feind ist ruchlos, ist hasserfüllt, aber wir haben die Muttergottes, wir haben den Rosenkranz, wir haben die Waffen der Kirche. Der Sieg ist unser, wenn wir nur nicht die Waffen strecken, nur nicht mutlos werden!

Mit priesterlichem Segensgruß

Pater Joseph Stannus

Quelle: Gottesdienstordnung  • Februar - März 2019 • Priorat Maria Hilf • Innsbruck