Hl. Erentrudis von Salzburg

05. September 2022
Quelle: Distrikt Österreich

Erentrudis wurde um das Jahr 663 in Worms (im heutigen Rheinland-Pfalz) geboren und entstammte einer fürstlichen, vielleicht sogar königlichen Familie. Im Jahr 695 überließ der bayerische Herzog Theodo II. ihrem Onkel, dem ersten Salzburger Bischof Rupert von Worms, das ehemalige römische Verwaltungszentrum Iuvavum (das heutige Salzburg) und beauftragte ihn, für die Bevölkerung, welche nach den Wirren der Völkerwanderung völlig verarmt und zum Teil verwildert war, zu sorgen und sie zu christianisieren. Um diesem Auftrag gerecht zu werden, stattete ihn der Herzog mit großen Schenkungen aus, dadurch konnte Bischof Rupert auch ein Frauenkloster auf dem heutigen Nonnberg errichten, unmittelbar neben einer Burg des bayerischen Herzogs Theodberts.

Als er sich im Jahr 696 Helfer für die Missionsarbeit, mit der er beauftragt war, aus seiner Heimat in Franken holte, nahm Bischof Rupert auch seine hochgebildete Nichte Erentrudis mit. Wie aus ältesten Dokumenten hervorgeht, hatte sie offensichtlich schon in ihrer fränkischen Heimat als gottgeweihte Jungfrau gelebt. Bischof Rupert setzte sie als erste Äbtissin des neugegründeten Frauenklosters ein. Sie und ihre ebenfalls sehr gebildeten Mitschwestern sahen es als ihre Aufgabe an, den Bewohnern der Gegend den christlichen Glauben zu vermitteln, aber auch ihren Lebens- und Bildungsstandard zu verbessern. Sie pflegten hingebungsvoll Kranke, betreuten Arme und erteilten Kindern und Erwachsenen Unterricht. Unter der weisen Führung von Erentrudis wurde das Kloster bald so berühmt, dass viele Adelige ihre Töchter dorthin zur Erziehung schickten.

Die Bestätigung der Heiligkeit durch Wunder

Erentrudis starb am 30. Juni 718 in Salzburg und wurde in der Klosterkirche beigesetzt. Schon bald nach ihrem Tod wurde sie als Heilige verehrt, wie aus einer Urkunde aus dem Jahr 788 hervorgeht. Kranke suchten ihr Grab auf und viele von ihnen wurden geheilt. Die Kunde davon verbreitete sich rasch in Salzburg und Umgebung und immer mehr Menschen kamen zu ihrem Grab, um dort Hilfe und Heilung zu erflehen. Schon im Jahr 784 wurde ihr Leichnam vom hl. Bischof Virgilius aus dem Grab gehoben und der öffentlichen Verehrung übergeben. Dass ihr Grab zu diesem Zeitpunkt bereits das Ziel von Wallfahrten gewesen sein muss, beweist eine schriftliche Erwähnung einer Pilgerherberge am Nonnberg. Als Kaiser Heinrich II. schwer erkrankte, rief er Erentrudis um ihre Fürsprache an und auch er wurde geheilt. Als Dankbarkeit für seine Genesung ließ er das zunehmend verfallende Kloster am Nonnberg im Jahr 1009 neu errichten. 

Im Jahr 1024 wurde die Gebeine von Erentrudis in die neue Krypta der Klosterkirche übertragen. Heute ist dieses Grab leer, ihr Haupt ruht seit 1316 in einem gotischen Büstenreliquiar und die übrigen Gebeine seit dem 4. September 1624 in einem silbernen barocken Reliquienschrein. 1924 stellte man bei einer Untersuchung der Gebeine fest, dass Erentrudis bei ihrem Tod etwa 55 Jahre alt gewesen ist, blonde Haare hatte und von zierlicher Gestalt war. 

Ihre Rede würzte sie mit dem Salz der Weisheit

Auch wenn es nur wenige schriftliche Aufzeichnungen aus dieser Zeit gibt, können wir davon ausgehen, dass Erentrudis eine äußerst bemerkenswerte Frau gewesen sein muss. Die Erinnerung an sie im Volk blieb über viele Jahrhundert hinweg lebendig. Anfang des 14. Jahrhunderts verfasste der Nonnberger Kaplan Caesarius eine Lebensbeschreibung, basierend auf älteren, uns nicht erhaltenen Quellen. In ihr können wir Folgendes lesen:

"Die hl. Erentrudis suchte nur Gott und schöpfte, soviel sie konnte, aus der Quelle der hl. Schrift und flehte zu Ihm, dass sie daraus reichliche Früchte gewinnen möge. Die Kraft ihrer Worte war durchdringend, um felsenharte Herzen zu erweichen und ihre Rede würzte sie mit dem Salz der Weisheit und dem Honig der Liebe. In der Betrachtung glich Erentrudis der liebenden Maria zu Füßen des Heilandes, nach außen aber war sie gleich Martha emsig im Dienste der Armen, Kranken und Unwissenden."

Nach den hll. Rupert und Virgil ist Erentrudis dritte Landespatronin von Salzburg. Es scheint, dass die Gründerin ganz besonders über "ihrem" Kloster wacht, denn in all den Jahrhunderten konnten es weder Kriege noch Brände oder Notzeiten erschüttern, auch nicht die Reformation, die Ordensreformen Kaiser Josephs II. oder der Terror der Nationalsozialisten. Das Kloster am Nonnberg ist heute das älteste ununterbrochen bestehende Frauenkloster nördlich der Alpen und war sehr oft in der Geschichte ein sicherer Zufluchtsort. Seit dem Mittelalter leben die Nonnen nach der Benediktsregel. 

Das Fest der hl. Erentrudis wird am 4. September (Translationstag), mancherorts auch an ihrem Sterbetag, dem 30. Juni,gefeiert.


 

Aus dem Festhymnus:

Betrübte, Kranke, Arme und Verlass'ne,

Wie wollten sie so gern bei dir verweilen;

Du wusstest ja mit zarter Mutterliebe

All ihre Wunden, ihren Schmerz zu heilen.

Dein mildreich Helfen, treubesorgtes Pflegen,

dies lohnte Gott mit reichstem Himmelssegen.